Vergütung: Dax-Vorstände im Bonus-Paradies

KommentarVergütung: Dax-Vorstände im Bonus-Paradies

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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, tritt in Berlin als Zeuge vor dem Bundestagsuntersuchungsausschuss zur angeschlagenen Hypo Real Estate (HRE) auf

Sie mussten sich nur kurz bescheiden: Nach deutlichen Abschlägen im Krisenjahr 2008 steigen die Gehälter der Vorstände DAX-notierter Unternehmen 2009 wieder leicht an - um durchschnittlich sieben Prozent. Das Plus wäre ihnen durchaus zu gönnen - käme es nicht durch eine völlig falsche Systematik zustande.

Auf den ersten Blick scheint die Botschaft positiv: Im Durchschnitt, so eine aktuelle Untersuchung des Beratungsunternehmens Towers Watson, verdiente ein Vorstandsmitglied eines Dax-Unternehmens im vergangenen Jahre knapp 4,13 Millionen Euro. Das sind sieben Prozent mehr als im Krisenjahr 2008 - für Topmanager ein vergleichsweise moderater Schluck aus der Pulle. Und in Summe immer noch deutlich weniger als in den Jahren 2006 und 2007: Damals räumte das Topmanagement 20 Prozent mehr ab als im Jahr der Lehman-Pleite. Und immer noch gut 16 Prozent mehr als heute.

Kurzfristige Kohle statt langfristiger Erfolg

Ein Beweis, dass die Aufsichtsräte aus der Krise gelernt haben? Und Bescheidenheit auf der Chefetage Einzug gehalten hat? Von wegen. Denn weder die Entwicklung der absoluten Gehaltshöhe ist hier ausschlaggebend. Noch die Tatsache, dass die Bezüge in der Krise auch mal zurückgingen. Denn der Fehler steckt nach wie vor im System – daran haben bislang auch die hehren Bemühungen der Regierung nichts geändert, mit einer gesetzlich verankerten Verschärfung der Geldgier an der Konzernspitze die Zügel anzulegen. Noch immer machen kurzfristige Zielvereinbarungen im Schnitt 60 Prozent der Gesamtbezüge aus, hat Vergütungsberater Heinz Evers ausgerechnet. Doch selbst die Tatsache, dass die Bedeutung der Langfrist-Boni bei der Frage, wie viel ein Dax-Vorstand verdienen soll, leicht steigt, ist nicht mehr als eine Beruhigungspille für die Aktionäre. Denn die entscheidende Frage ist: Welche Kriterien werden denn überhaupt angelegt, um zu messen, wie sehr ein Vorstand sich um die nachhaltige Entwicklung eines Unternehmens bemüht?

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Schwammige Kriterien

Traurige Tatsache: Erfolgskriterien außerhalb des kurzfristig orientierten Shareholder Values sind noch immer viel zu selten zu finden. Und die wenigen Beispiele, die es schon gibt, geben kaum Anlass zur Hoffnung. Weder eine starke Beteiligung an den Unternehmen in Form von Aktien haben in der Vergangenheit Gehaltsexzesse verhindert. Noch ist eine Koppelung an die Gewinnhöhe sinnvoll, weil sie den Einfluss von Konjunkturzyklen nicht ausblendet. Und die haben nun mal nichts mit der individuellen Leistung eines Managers zu tun. Wenn die Boni von Vorstände pauschal an die Konjunktur gekoppelt werden – egal ob in Boom- oder Krisenzeiten – gibt es keine Möglichkeit, die Spreu vom Weizen zu trennen Und auch die Höhe der Vergütung von der Zufriedenheit von Kunden oder Mitarbeitern abhängig zu machen, ist keine tragfähige Lösung.

All diese Kriterien sind allenfalls Deckmäntelchen, unter deren Schutz sich Vorstände weiter schnelles Geld in ihre großen Taschen stecken. Wirklich nachhaltig wird es nur, wenn sich Unternehmen an der Performance ihrer Mitbewerber messen lassen. Erst wenn Unternehmen in Deutschland in der Chefetage nur noch dann Boni bezahlen, wenn sie besser abschneiden als ihre Konkurrenten, werden Dax-Vorstände das verdienen, was sie verdienen.

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