Verstärker: Ruf und Karriere beeinflussen

Verstärker: Ruf und Karriere beeinflussen

Wie Sie Ruf und Karriere durch Gerüchte positiv beeinflussen können.

Der Ruf spielt im Alltag eine absolut bestimmende Rolle. Wo vollständige Informationen oder eigene Erfahrungen fehlen, müssen wir uns auf die Empfehlung Dritter verlassen. Ob man sich für einen Arzt oder einen Bewerber entscheidet, für eine Bank, die Schule seiner Kinder oder eine Partei, die zur Wahl steht – immer spielen Image und Referenzen eine zentrale, wenn nicht gar ausschlaggebende Rolle. „Solche Empfehlungen sind nichts anderes als Reputationsurteile, von denen wir uns leiten lassen – auch weil sie Zeit sparen“, sagt der Schweizer Reputationsforscher Mark Eisenegger von der Universität Zürich.

Mehr noch: Reputation legitimiert Macht und Status. Wessen Ruf ramponiert ist, der muss nicht selten seinen Hut nehmen, wie neulich Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel. Das Prinzip funktioniert aber auch andersherum: Wer sein Image nachhaltig verbessert, steigert seine Aufstiegschancen deutlich. „Damit vollbringt Reputation zugleich ein soziales Wunder“, sagt Eisenegger. „Sie rechtfertigt gesellschaftliche Ungleichheit.“

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Ein besonders effektives Mittel sind positive Gerüchte. Sie verbreiten sich schnell und halten sich in der Regel hartnäckig. Allein die Tatsache, dass überhaupt über einen geredet wird, erhöht schon die Aufmerksamkeit und den Status des Klatschobjektes. Merke: Nur wirklich bedeutungslose Menschen sind nicht der Rede wert.

Gut, wenn solches Gerede – im Englischen auch Buzz genannt – von selbst entsteht. Sie können Klatsch und Tratsch über Sie aber auch kanalisieren und gezielt einsetzen, um Ihre Karriere zu fördern: 

Die oberste Regel: Geschichten über sich nie selbst in Umlauf bringen! Erstens, weil das wichtigtuerisch wirkt; zweitens, weil es weniger Kraft hat. Profis spielen immer über Bande: Zuerst bauen sie sich ein loyales Netz auf, bieten persönliche Hilfe an und gewähren zahlreiche Gefallen. So können sie sich sicher sein, dass die Leute anschließend positiv über sie reden, ihre Großzügigkeit und Kompetenzen preisen und ihnen im Falle von Unterstellungen zur Seite springen, Motto: „Den habe ich aber ganz anders erlebt.“ Es versteht sich von selbst, dass Sie Ihr Netzwerk dennoch niemals unverblümt auffordern, positiv über Sie zu berichten. Unsouverän! Allenfalls enge und gute Freunde kann man um einen solchen Gefallen bitten – und auch nur im Notfall. Entwerfen Sie eine Erfolgsstory. Das Prinzip des Viral Marketing: Damit Informationen weitergetratscht werden, brauchen sie Nachrichtenwert, eine kleine Sensation und persönliche Betroffenheit beim Empfänger. Niemanden interessiert, dass Sie gerade ein Projekt erfolgreich abgeschlossen haben. Wenn dies aber eine Art Prüfstein war und Sie deshalb nun als Kronprinz gehandelt werden, ist das spannender Gesprächsstoff. Verbreiten Sie also keine Erzählungen von abgeschlossenen Ereignissen, sondern verknüpfen Sie diese möglichst mit einer spektakulären Geschichte, die in die Zukunft weist.

Um sich ins Gespräch zu bringen, können Sie ebenso an ein populäres Gerücht anknüpfen – etwa, dass für den Erfolg des Projektes mehrere Personen verantwortlich waren, Sie freilich eingeschlossen. Einzige Ausnahme: Personalspekulationen. Die Erfahrung lehrt: Bei der Besetzung von Schlüsselstellungen fallen anfangs zwar viele Namen, die im Feuer der Spekulationen dann aber schnell verbrennen. Den Job bekommt schließlich der bisher unsichtbare Dritte. Auch unmittelbar nach einer Beförderung gilt: Reden ist nur Silber. Oft gibt es Kollegen oder Neider, die sich kurz darauf das Maul über die Hintergründe des Aufstiegs sowie dessen Erfolgsaussichten zerreißen. Das ist nichts, was man kommentieren müsste. Lächeln Sie souverän und lassen Sie Taten sprechen. Mehr noch: Das Schweigen kann sogar Spekulationen schüren. In den meisten Unternehmen gibt es offizielle Kanäle. Die Mundpropaganda im Büro informiert aber in der Regel schneller und zuverlässiger darüber, wer gerade in und wer vielleicht bald draußen ist. Lernen Sie dabei verlässliche Quellen von schädlichen zu unterscheiden: Wer nur belangloses Zeug schwätzt, wird gemieden. Mit guten eigenen Informationen wird versorgt, wer tatsächlich gut verdrahtet und frühzeitig informiert ist. Identifizieren Sie die eifrigsten Flüstertüten im Betrieb und bringen Sie sie in eine Rangfolge – sortiert nach Themen, Wahrheitsgehalt und Durchlaufgeschwindigkeit. Der Vorteil dieses Sendersuchlaufs: Sie kennen anschließend zu jedem Ihrer Themen den optimalen Buzz-Verstärker. Und was der weiß, ist bald in aller Munde. Wiederholen, wiederholen, wiederholen. US-Studien haben gezeigt: Je öfter die Leute eine Geschichte hören, desto eher glauben sie, dass sie wahr ist. Irgendetwas Wahres wird schon dran sein. So kriegen selbst kühnste Visionen die Dynamik einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Nutzen Sie unbedingt das Internet. Über kein anderes Medium lässt sich derzeit der persönliche Ruf so wirkungsvoll beeinflussen: Werden Sie Mitglied in sozialen Netzwerken, positionieren Sie sich als Experte, betreiben Sie eine eigene Web-Seite mit Fachartikeln, kommentieren Sie in Fachblogs und vernetzen Sie alle Web-Auftritte untereinander. Wer auch immer nach Ihnen googelt, findet so die Informationen, die Sie in einem strahlenden Licht erscheinen lassen. Und das Wichtigste: Gerüchte sind für viele Menschen eine Art Gradmesser für soziale Anerkennung. Nicht wenige machen davon sogar ihr Selbstwertgefühl abhängig – und das macht sie enorm erpressbar. Auch wenn Sie selbst gezielt Gerüchte über sich streuen: Den größten Vorteil haben Sie, wenn sie sich von ihnen möglichst unabhängig machen.

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