Victress Award 2011: Attraktive Vorbilder

Victress Award 2011: Attraktive Vorbilder

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Verena Delius, Geschäftsführerin der Young Internet GmbH

von Manfred Engeser

Zwei IT-Managerinnen und ein Finanzdienstleister gehören zu den Preisträgern des Victress Awards 2011.

Ihr erstes Unternehmen gründet sie mit 20 – eine Sushibar, mitten in ihrer Heimatstadt Bielefeld. Nach dem BWL-Studium in St. Gallen tritt sie eine Traineestelle beim Rückversicherer Munich Re an. Doch dann lockt Verena Delius wieder die Rückkehr in die Selbstständigkeit: Mit der Gründung einer Salatbar-Kette scheitert sie, doch das nächste Startup wird ein Erfolg: Delius Capital, ein auf die Konzeption geschlossener Fonds spezialisiertes Unternehmen, das damals ihr Mann weiterführte.

Seit September 2010 ist Verena Delius geschäftsführende Gesellschafterin der Young Internet GmbH, eines Anbieters von Online-Spielen für Kinder. Den macht sie innerhalb von fünf Monaten profitabel – ihr Erfolgsrezept: Neben einem radikalen Sparprogramm setzt Delius, die sich in ihrem Blog als "passioniert, selbstkritisch und neugierig" beschreibt, auf eine neue Unternehmenskultur, die vor allem auf Kommunikation baut. Statt sich hinter einem Vorzimmer zu verschanzen, sitzt Delius an einem einfachen Schreibtisch mitten unter ihren Mitarbeitern, informiert sie jeden Montag über die Lage des Unternehmens, schaut auch mal einer Grafikerin oder einem Programmierer über die Schulter. Oder guckt nach der zwei Monate alten Tochter ihrer Assistentin, die gerade auf dem Balkon der Firma schlummert.

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Was die 65 Mitarbeiter anfangs verunsichert, macht sie inzwischen zufrieden – die Fluktuationsrate ist deutlich gesunken, seit Delius das Ruder in der Hand hat. Auch weil Kinder hier nicht nur als Kunde König sind: Delius, die mit ihren beiden Söhnen am Wochenende am liebsten Fußball spielt und sie demnächst in die Obhut eines männlichen Au-pairs gibt, zahlt Mitarbeitern einen Kita-Zuschuss, alle zwei Monate gibt es einen Kindernachmittag. Und wem kurzfristig die Kinderbetreuung ausgefallen ist, kann zu Hause arbeiten – oder bringt den Nachwuchs einfach mit ins Büro.

Gender Diversity

Eine Karriere, die auch die Jury des Victress Awards beeindruckt – und Delius deshalb zu einer der Preisträgerinnen 2011 gekürt hat. Seit 2006 verleiht Victress e. V. den Preis an Frauen, die "mit Mut und Leidenschaft außergewöhnlich erfolgreich" ein Unternehmen oder einen Unternehmensbereich leiten. Oder an Unternehmen, die "pragmatisch und effektiv" den Anteil von Frauen auf Führungsebene erhöhen.

Dass sich das auch im Wortsinne bezahlt macht, belegt eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger: Demnach werden Unternehmen, die auf Diversity-Programme setzen, nicht nur als attraktivere Arbeitgeber für Top-Talente gesehen. Sie erschließen sich so leichteren Zugang zu neuen Märkten und können jährlich 10 000 Euro pro Mitarbeiter sparen. Kein Wunder also, dass laut einer Untersuchung von Synergy Consult inzwischen mehr als die Hälfte der Dax-30-Unternehmen einen Diversity-Manager beschäftigt.

"Um einen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft zu erreichen, braucht es attraktive, charismatische Vorbilder", sagt Victress-Vorstandsvorsitzende Sonja Fusati, die den Preis vor fünf Jahren ins Leben gerufen hat. "Wir wollen diesen Vorbildern eine Bühne geben, um noch mehr Frauen Mut zu machen, es selbst zu versuchen."

Zu diesen Vorbildern zählt auch der Finanzdienstleister Wüstenrot & Württembergische Gruppe aus Stuttgart: Eltern-Kind-Büros sowie Ferien- und Notfallbetreuung sind schon lange ebenso selbstverständlich wie Wiedereinstiegsseminare für junge Mütter und Teilzeitprogramme für Führungskräfte. Die Folge: Jede fünfte Managementposition im W&W-Innendienst ist mit einer Frau besetzt, bis Ende 2015 sollen es 30 Prozent sein. Dafür soll das Programm "Gender Diversity" sorgen – die Knackpunkte: Betriebskindergärten und Unterstützung bei der Pflege älterer Familienmitglieder sollen helfen, Familie und Beruf besser miteinander zu vereinbaren. Wird eine Führungsposition neu besetzt, muss unter den drei Top-Kandidaten eine Frau sein. Jede zweite Position im internen Mentoring-Programm geht an eine Frau.

Führen wollen

Was solche Förderprogramme bei anderen Unternehmen schon bewirkt haben, beweist Martina Koederitz. 1987 begann sie beim IT-Konzern IBM als Systemberaterin und kletterte, auch dank interner Mentoren, Stück für Stück die Erfolgsleiter hoch. Seit Mai 2011 steht sie an der Spitze von IBM Deutschland – als erste Frau in der 100-jährigen Unternehmensgeschichte. Ihr Credo: "Wenn mir eine Chance geboten wurde, habe ich nie lange überlegen müssen, sondern sofort zugegriffen", sagt die 47-jährige Betriebswirtin, die sich die Frauenförderung auf die Fahne geschrieben hat. "Ich muss führen wollen, und ich muss es mir selbst zutrauen."

Das tut auch Verena Delius – nicht nur im Beruf: Ende 2013 plant sie eine Auszeit, will mit ihren beiden Söhnen vor deren Einschulung auf eine mindestens sechsmonatige Weltreise gehen. "Von diesen Erlebnissen", sagt Delius, "werden wir ein Leben lang zehren."

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