Von Nullen und Einsen: Im asozialen Netz

kolumneVon Nullen und Einsen: Im asozialen Netz

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Ein junger Mann surft auf der Startseite des Online-Netzwerkes "Facebook"

Kolumne von Ben Schwan

In sozialen Netzwerken verbandeln sich Menschen mit Freunden und Kollegen. Blöd nur, wenn dort Berufliches und Privates verschmelzen. Das passiert schneller, als einem lieb ist.

Als Professor Thomas Hoeren, renommierter Informationsrechtler und Hochschullehrer an der Uni Münster, kürzlich im "AnwaltSpiegel" dazu aufrief, als Firma die rechtlichen Risiken bei Auftritten in sozialen Netzwerken wie Facebook nicht zu unterschätzen und gegebenenfalls lieber darauf zu verzichten, erntete er viel Kritik und auch Häme. Wie könne man heutzutage, bei der Wichtigkeit der Web-2.0-Dienste, so etwas sagen, schrieben beispielsweise einige. Denn: Der Durchmarsch von Mark Zuckerberg und Co. sei ja sowieso nicht mehr aufzuhalten.

Man mag heftig geteilter Meinung gegenüber radikalen Rückzugsmaßnahmen bei der Social-Networking-Nutzung im beruflichen Umfeld sein. Doch ein Satz, den Hoeren schrieb, blieb mir im Gedächtnis haften. Er lautet: "Geschäftsinteressen beißen sich regelmäßig mit den Besonderheiten des Web 2.0 und den dort gängigen interaktiv-privaten Umgangswünschen." Das trifft, wenn man einmal jenseits allen Hypes und aller Freude angesichts der tollen neuen Vernetzungsmöglichkeiten ehrlich ist, den Nagel schön flach auf den Kopf.

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Social Networking kann auch nach hinten losgehen

Man muss nicht Thessa heißen, um zu verstehen, dass Social Networking auch nach hinten losgehen kann, wenn man nicht aufpasst. Auch die mittlerweile etwas bieder gewordene Berufsvernetzungsplattform Xing kann hier betroffen sein. Ein dort beschäftigter "Vice President of Operations" sorgte zwischenzeitlich für Lacher, weil er eine kleine Grillparty nicht nur den einzuladenden Kollegen annoncierte, sondern durch einen Thessa-artigen Fehlklick diese Veranstaltung auch noch öffentlich stellte und somit 11 Millionen Xing-Mitglieder eröffnete. Was für ein Glück, dass die eher selten Zeit dazu haben, sich mit Dosenbier und ihrer Clique in den nächsten Zug zu setzen... (Im offiziellen Xing-Blog wurde gescherzt, der Mann habe zur Sicherheit trotzdem ein paar Würstchen mehr eingekauft. Und überhaupt sei das ja alles nicht schlimm gewesen.)

Nur das ins Netz stellen, was man auch in der Zeitung über sich lesen möchte

Besonders einfach ist es stets, die Wichtigkeit der Veränderung seiner persönlichen Social-Media-Strategie zu erkennen, wenn man kurzfristig aus irgendwelchen unangenehmen Gründen Berühmtheit erlangt. Im Skandal um den US-Abgeordneten Anthony Wiener war das prima zu erkennen: Die Dame, der der Mann aus Versehen öffentlich ein Bild seines (zum Glück gut verpackten) Geschlechtsteils geschickt hatte, löschte sofort sowohl Facebook-, Twitter- als auch LinkedIn-Account, weil die Presse sie auf allen Wegen bestürmte. Ergo: Kommt es irgendwo zu einem Skandal, sind Boulevardreporter es längst gewohnt, zunächst im Web 2.0 nach Verwertbarem zu forschen, schließlich ist das so herrlich einfach.

Dabei müsste doch die einfache Regel gelten: Stelle nur das ins Netz, was Du von Dir auch in der Zeitung lesen möchtest. Es mag sein, dass ein kleiner Twitter- oder Facebook-Freundeskreis den Eindruck vermittelt, es handele sich hier um einen geschützten, privaten Raum - insbesondere Facebook gab sich zumindest in den Anfangsjahren so. Doch mittlerweile sind die Standardoptionen alle so gewählt, dass zunächst einmal (fast) alles öffentlich ist, auffindbar durch Suchmaschinen und mit wenig Aufwand. Und auch die Beschränkung der eigenen Daten auf den Freundeskreis ist nicht die Lösung. Wie viele Freundesanfragen nimmt man schließlich aus Höflichkeit an, ohne die Person dahinter wirklich zu kennen? Sonst würde sich ja kaum jemand seiner 1000 oder mehr Facebook-Genossen rühmen.

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