Frauen in Führungspositionen: Es mangelt bei der Führungskräfteentwicklung

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Frauen in Führungspositionen: Es mangelt bei der Führungskräfteentwicklung

Führungsetagen deutscher Unternehmen sollen weiblicher und vielfältiger werden. Doch es hapert an der individuellen Förderung.

Deutschlands Unternehmen wollen mehr Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Das zumindest sagt eine Studie, die von der Unternehmensberatung Kienbaum zusammen mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) veröffentlicht wurde.

Und zwar sowohl in den Vorständen (plus 3,2 Prozentpunkte), als auch in der ersten Führungsebene (plus 4,1 Prozentpunkte) und der zweiten Riege (plus 3,7 Prozentpunkte) unterhalb des Vorstandes. Für ihre Aufsichtsräte streben die Unternehmen einen Frauenanteil von 23,6 Prozent an.

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Wohlgemerkt: Es geht um Unternehmen, die nicht von der Frauenquote betroffen sind. Für alle anderen gilt: 30 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten. "Die Unternehmen verstehen, dass sie das Thema Vielfalt ganzheitlich angehen und vor allem die Unternehmenskultur verändern müssen", sagt Anne von Fallois, Director Political Relations bei Kienbaum. "Demografischer Wandel, Digitalisierung und veränderte Vorstellungen von Führung und Zusammenarbeit in der Generation Y lenken die Aufmerksamkeit verstärkt auf qualifizierte Frauen für Führungsfunktionen."

Frauen in Vorständen Frauen können mehr als Kummerkasten-Tante

Das Ergebnis der Frauenquote? Immerhin 20 weibliche Vorstände in den Dax-Konzernen. Alles nur Show? Offenbar nicht. Entgegen dem Klischee sind die nämlich für operative Bereiche und nicht das Personalressort zuständig.

Es muss mit einem Mythos aufgeräumt werden: Die Mehrzahl der Vorstandsfrauen verantwortet nicht das Ressort Personal. Quelle: dpa

Doch ohne spezielle Förderung wird es zumindest mit der internen Besetzung von Führungspositionen nichts, wie eine Studie des Personaldienstleisters Manpower Group zeigt. Demnach fühlen sich 46 Prozent der jungen weiblichen Führungskräfte systematisch ausgeschlossen und durch Vorgesetzte nicht ausreichend gefördert.

Insbesondere in den Bereichen Konfliktfähigkeit und Durchsetzungsstärke wünschen sich die befragten Frauen spezielle Qualifikationsmaßnahmen. "Wenn Frauen mit Führungspotenzial sich nicht ausreichend unterstützt fühlen, werden sie eher zurückhaltend auf Führungsangebote reagieren", sagt Christine Heilmaier, Business Coach für Führungskräfte und Autorin der Studie.

So hoch ist der Frauenanteil in den Dax-Konzernen

  • Adidas

    Bei Adidas liegt der Frauenanteil in Deutschland bei exakt 50 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind es ebenfalls 50 Prozent. Die Führungskräfte des Konzerns sind jedoch nur zu 28 Prozent weiblich.  

  • Allianz

    Bei der Allianz liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 47,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 52,9 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 31,5 Prozent weiblich.  

  • BASF

    Bei der BASF liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 23,7 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 24,4 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 19,1 Prozent weiblich.  

  • Bayer

    Bei Bayer liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 31 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 37 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 26 Prozent weiblich.  

  • Beiersdorf

    Bei Beiersdorf liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 50,8 Prozent (Stand: 2014). Die Führungskräfte des Konzerns sind in Deutschland zu 27,5 Prozent und weltweit zu 26 Prozent weiblich.  

  • BMW

    Bei BMW liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 14,8 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 17,8 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind zu 14,2 Prozent weiblich.  

  • Commerzbank

    Bei der Commerzbank liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 51,2 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 52 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 28,2 Prozent weiblich.  

  • Continental

    Bei Continental liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 21 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 27,3* Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 10* Prozent weiblich.  

    *Ergänzung der systematischen Belegschaftsdaten um 6 weitere Länder in 2014 mit unterdurchschnittlichem Frauenanteil

  • Daimler

    Bei Daimler liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 15,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 16,8 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind ebenfalls zu 15,5 Prozent weiblich.  

  • Deutsche Bank

    Bei der Deutschen Bank liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 47,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 41,7 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 19,4 Prozent weiblich.  

  • Deutsche Börse Group

    Bei der Deutsche Börsen Group liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 37 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 40 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 15 Prozent (oberes und mittleres Management) und 24 Prozent (Unteres Management) weiblich.  

  • Deutsche Post DHL Group

    Bei der Deutschen Post liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 45,2 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 36 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 19,3 Prozent weiblich.  

  • Eon

    Bei Eon liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 27 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 29 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 15,8 Prozent weiblich.  

  • Fresenius

    Bei Fresenius liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 71,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind es nur 68,4 Prozent. Die Führungskräfte des Konzerns weltweit sind sogar nur zu 29,9 Prozent weiblich.  

  • Fresenius Medical Care

    Bei Fresenius Medical Care liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 46,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 68,7 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu einem Drittel (32,4 Prozent) weiblich.  

  • Heidelberg Cement

    Bei Heidelberg Cement liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 14 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 13 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 9 Prozent weiblich.  

  • Henkel

    Bei Henkel liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 36 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 33,2 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu einem Drittel (32,5 Prozent) weiblich.  

  • Infineon

    Bei Infineon liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 25,5 Prozent (Stand: 30.09.2014). Weltweit sind 37,1 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 12,5 Prozent weiblich.  

  • K+S

    Bei K+S liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 9,2 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 12,1 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit aber nur zu 14 Prozent weiblich.  

  • Lanxess

    Bei Lanxess liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 17,1 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 18 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit aber nur zu 15,4 Prozent weiblich.  

  • Lufthansa

    Bei der Lufthansa liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 45,8 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 44,7 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit jedoch nur zu 14,2 Prozent weiblich. Bezieht man Frauen mit Personalverantwortung (inkl. Leitungsebenen und Vorstand) mit ein, liegt der Wert bei 33,7 Prozent.

  • Merck

    Bei Merck liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 38 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind sogar 41 Prozent der Mitarbeiter Frauen. In den Führungskräften des Konzerns sind weltweit jedoch nur 26 Prozent weiblich.  

  • Munich RE

    Bei Munich RE liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 52 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind sogar 54 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die weiblichen Führungskräfte des Konzerns liegen jedoch nur bei 31 Prozent weltweit.

  • RWE

    Bei der RWE liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 21,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 26,6 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 14,3 Prozent weiblich.  

  • SAP

    Bei SAP liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 28,7 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 31* Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit zu 21,3* Prozent weiblich.

    *Aktuelle Akquisitionen einbezogen und historische Daten entsprechend angepasst 

  • Siemens

    Bei Siemens liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 22* Prozent. Weltweit sind 24* Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 16* Prozent weiblich.  

    *Stand jeweils 30.09.2013: Siemens ohne Osram

  • Telekom

    Bei der Telekom liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 31,4 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 35,5 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 25,6 Prozent weiblich.  

  • The Linde Group

    Bei The Linde Group liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 25,4 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 28,7* Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit aber nur zu 13,9* Prozent weiblich.  

    *inklusive Akquisition von Lincare in den USA

  • Thyssen Krupp

    Bei Thyssen Krupp liegt der Frauenanteil sowohl in Deutschland, als auch weltweit bei 14,5 Prozent (Stand: 2014). Die Führungskräfte des Konzerns sind jedoch nur zu 8,6 Prozent weltweit weiblich.  

  • VW

    Bei Volkswagen liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 17,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 15,7 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 12,1 Prozent weiblich.  

Heilmaier rät Unternehmen zur systematischen Karriereplanung aller Mitarbeiter, ein nachhaltiges Mentoringprogramm sowie Führungskräftecoachings. Diese Angebote müssen sich nicht zwangsläufig nur an Frauen richten. Viel wichtiger sei, dass Unternehmen darauf achten, Trainingskonzepte einzusetzen, die nicht nur typisch männliche Eigenschaften fördern.

Wichtig: Das Trainingskonzept sollte zum Unternehmen passen: "In einem agilen Unternehmen mit flachen Hierarchien sind Modelle fehl am Platz, die Machtspiele unter den Mitarbeitern fördern, denn dadurch sinkt die Identifikation mit dem Unternehmen", weiß Andreas Gärtner, Head of Talent Development bei der ManpowerGroup Deutschland.

Das Problem ist, dass es vielen Unternehmen gar nicht bewusst sei, dass die eigenen Mitarbeiterinnen ohne entsprechende Förderung nicht zu Chefin werden. Nur ein Drittel der befragten Personalbeauftragten glaubt, dass eine individuelle Förderung überhaupt nötig sei. Damit riskieren sie jedoch, Frauen – und Männer – mit Aufstiegsambitionen an die Konkurrenz zu verlieren. Das kann sich heute eigentlich niemand mehr leisten.

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