Körpersprache der Chefs: Das sind die Zeichen der Macht

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InterviewKörpersprache der Chefs: Das sind die Zeichen der Macht

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Körpersprache des Chefs.

von Lisa Oenning

Wer Autorität ausstrahlen will, muss Gestik, Mimik und Sprache unter Kontrolle haben. Welche prominente Führungskraft Schwierigkeiten damit hat und wie Chefs ihre Körpersprache sogar dazu nutzen, um Macht auszuüben.

WirtschaftsWoche: Wie lange braucht ein Mitarbeiter, um sich einen ersten Eindruck von seinem Chef zu machen?
Martina Kloepfer: Seinen künftigen Vorgesetzten sieht der Mitarbeiter in der Regel das erste Mal beim Vorstellungsgespräch. Da dauert nur zehn bis 20 Sekunden, bis er unterbewusst einen ersten Eindruck von seinem neuen Vorgesetzten hat.

Und der Chef gibt sich sofort als solcher zu erkennen?
Meistens ist er viel präsenter als die Mitarbeiter und nimmt in der Regel mehr Raum ein. Das teilt sich oft auf den ersten Blick mit.

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Zur Person

  • Martina Kloepfer

    Martina Kloepfer ist Trainerin für Wirtschaftsrhetorik und Inhaberin der Medienakademie KloepferTraining in Berlin.

Hört sich abstrakt an. Wie macht er das?
Der Oberkörper wird in der Regel gerade und aufrecht sein. Wenn er ein Jackett trägt, wird die Breite der Schultern zusätzlich unterstützt. Dann gibt es noch das, was Experten den Präsenzpunkt nennen: Das ist ein Punkt, der zirka eineinhalb Hand breit unterm Schlüsselbein auf der Brust liegt. Dieser Präsenzpunkt ist bei Führungskräften durch eine aufrechte Haltung sichtbar.

Gestik und Mimik

  • Finger an die Nase legen

    signalisiert laut den Bewerbungsexperten von Hesse/Schrader Konzentration oder Nachdenken

  • Mit den Fingern trommeln

    bedeutet Ungeduld oder Nervosität, vielleicht sogar Provokation

  • Gefaltete Hände

    zeigen die eigene Überlegenheit

  • Hand vor den Mund halten

    Gesagtes wird zurückgenommen, weil Unsicherheit in der Sache besteht

  • Händereiben

    demonstriert Selbstzufriedenheit, wirkt aber nicht immer sympathisch

  • Hände über den Kopf legen

    zeigt bei Zurücklehnen grenzenlose Souveränität

  • Herumspielen mit Fingern

    lässt auf Desinteresse, Unkonzentriertheit oder Nervosität schließen

  • Kopf auf die Hände stützen

    steht für Nachdenklichkeit, Erschöpfung oder Langeweile

  • Am Kopf kratzen

    zeigt Ratlosigkeit oder Unsicherheit

  • Reiben des Kinns

    steht für Nachdenklichkeit und Zufriedenheit

  • Verschränkte Arme

    zeigen bei Frauen: Unsicherheit oder Angst, bei Männern: Ablehnung und Verschlossenheit

  • Zum Spitzdach geformte Hände

    signalisieren Überheblichkeit, gleichzeitig Abwehr gegen Einwände

Wenn die Ellbogen beim Sprechen leicht vom Körper entfernt sind, geht die Gestik mehr in den Raum.

Welche Rolle spielt die Mimik?
Eine Führungskraft fokussiert ihr Gegenüber in der Regel ganz genau, sie sucht den Blickkontakt, sodass der Mitarbeiter oft das Gefühl haben kann, dass er förmlich gescannt wird. Das kann je nach Situation seitens des Vorgesetzten echtes Interesse sein, aber auch ein Ausdruck von Macht.

Genauso wichtig ist sicherlich die Sprache.
Genau. Viele Führungskräfte prononcieren ihre Botschaften. Soll heißen: Mit kurzen Sätzen kommt er schneller auf den Punkt. Dadurch wird die Stimme automatisch etwas tiefer.

Muss der Chef immer sachlich nüchtern sprechen, auch in Extremsituationen?
Von einer Führungskraft wird verlangt, dass sie führt – vor allem in Extremsituationen. Hier ist Besonnenheit gefragt. Für große börsennotierte Unternehmen kann ein unbedachtes Wort oder eine emotionale, spontane Geste große Folgen haben. Das kann vom Imageschaden bis zu Verlusten am Aktienmarkt reichen. Hier sei an das Victory-Zeichen von Josef Ackermann im Gerichtsaal erinnert, das Michael Jackson kopieren sollte, aber als bloßes Bild im Kontext des Prozesses in der breiten Öffentlichkeit eine katastrophale Wirkung entfaltet hat.

Klingt nach einem distanzierten, nicht gerade sympathischen Chef. Ist das die klassische Körpersprache einer Führungskraft?
Es kommt auf die Situation an und das Ziel, das die Person verfolgt. Die Körpersprache, die ich beschreibe, ist für einen traditionellen Führungsstil typisch – wo der sichtbare Ausdruck von Macht noch eine größere Rolle spielt. Als Führungskraft wird dann versucht, so wenig wie möglich von sich preiszugeben – die Form der Kommunikation wird stark kontrolliert.

Bei einem moderneren Führungsstil wird die Person hinter der Führungskraft erkennbar – Vorgesetzte und Mitarbeiter begegnen sich eher auf Augenhöhe. Aber auch hier wird eine aufrechte Haltung seitens der Führungskraft zu beobachten
sein.

Gibt es, egal ob alter oder junger Führungsstil, sogenannte Signale der Macht?
Auf jeden Fall. Das kann das Pokerface, aber auch die Hand, die der Chef seinem Mitarbeiter auf die Schulter legt, sein.
Beim Pokerface erhält das Gegenüber durch die fehlende oder unterdrückte Mimik keinerlei Hinweise darauf, was der Gesprächspartner in der Situation denkt oder fühlt. Das kann sehr verunsichernd wirken – nicht nur bei Mitarbeitern. Lange Sprechpausen oder gar Schweigen verstärken den Stress und ein Mitarbeiter kann dazu verleitet werden, mehr zu reden und von sich preiszugeben als beabsichtigt, um die unangenehme Situation zu überbrücken – zum Beispiel bei einem Bewerbungsgespräch oder bei Gehaltsverhandlungen. Das ist ein richtiger Verhandlungstrick.

Warum ist die Hand auf der Schulter kein Zeichen der Verbundenheit, sondern der Macht?
Das kommt ganz auf die Situation und natürlich auf das Hierarchiegefälle an. Wenn der Chef seinen Mitarbeiter an der Schulter oder am Unterarm berührt, zum Beispiel mit den Worten "Das sehen Sie doch auch so...", kann das sehr übergriffig sein und die Persönlichkeitssphäre des Mitarbeiters verletzen. In Mitteleuropa ist es üblich, einen Abstand zwischen 80 Zentimetern und einem Meter zu fremden Menschen einzuhalten. Manche Vorgesetzte halten diesen Abstand ganz bewusst nicht ein, um deutlich zu machen "Ich bin der Chef im Raum".

Körpersprache "Keine Frau will sehen, wie ein Mann sein Gemächt zur Schau stellt"

Der Daumen nach oben, die geballte Faust, oder der Kollege, der in der Konferenz da steht, wie ein Fußballer beim Freistoß: Unser Körper schweigt nie und wer nicht aufpasst, kann sogar seine Karriere riskieren.

Alex Chilowicz, Luis Robles Quelle: AP

Weitauslandende Gesten können hier ein zusätzliches Macht-Signal sein: Wenn sich der Vorgesetzte beispielsweise während einer Gehaltsverhandlung in seinem Bürostuhl weit zurücklehnt und die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Hier wird stumm mitgeteilt, dass sich der Betreffende absolut sicher fühlt und nichts vom Gegenüber befürchtet. Allein am Schreibtisch oder beim Telefonieren sind diese Bequemlichkeitsgesten kein Problem. Vor allem in Stresssituation kann diese Körpersprache aber schnell arrogant wirken – selbst wenn keine Absicht dahinter steckt.

Deutet denn jeder Mitarbeiter die Gesten gleich?
Die Gesten können in unterschiedlichen Kontexten unterschiedlich wirken. In Unternehmen, in denen ein kollegiales Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern herrscht, kann eine Berührungsgeste vollkommen harmlos sein.

Woran merken Angestellte, dass sie nicht harmlos ist?
Mitarbeiter sollten misstrauisch werden, wenn der Vorgesetzte Gesten ausführt, die für ihn unüblich sind.

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