Mobile Arbeitsplätze: Balanceakt zwischen Zufriedenheit und Sicherheit

Die Vordenker

Mobile Arbeitsplätze: Balanceakt zwischen Zufriedenheit und Sicherheit

Die Digitalisierung sorgt auch für ganz neue Ansprüche der Mitarbeiter an den Arbeitsplatz. Mobil soll alles sein und modern. IT-Führungskräfte müssen häufig entscheiden zwischen Wettbewerbsvorteil und Sicherheit.

Deutschland hinkt in digitalen Vergleichen oft hinterher: Die Arbeitsplatzausstattung ist nicht so modern wie in Neuseeland, die flexiblen Arbeitsmodelle nicht so verbreitet wie in Skandinavien, die Innovationskraft nicht so groß wie in den USA. Dennoch verändert sich die Wirtschaft und damit auch der Arbeitsplatz der Deutschen. Und zwar branchenübergreifend. Selbst beim Rückversicherer Munich Re weht Silicon Valley-Luft durch die Büros: zum Meeting wählt man sich per Skype ein, viele Arbeitsplätze sind mobile, es gibt "Bring your own device". Die Mitarbeiter können also wählen, ob sie Firmenhardware oder ihre eigenen Geräte nutzen möchten.

Der "Arbeitsplatz der Zukunft" ist überall Thema - beim Rückversicherer genauso wie in der Fabrik, beim Discounter oder im Steuerbüro. Denn die Angestellten sehen es gar nicht mehr ein, von neun bis 17 Uhr an einen uralten Rechner gefesselt zu sein, während ihr gesamtes Privatleben mobil stattfindet.

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Laut einer aktuellen IT-Sicherheitsstudie von VMware, einem Anbieter von Cloud-Infrastrukturlösungen, sagen 68 Prozent der befragten IT-Führungskräfte in Deutschland, dass ihre Mitarbeiter zunehmend mobile Arbeitsplätze einfordern. Für die Studie hat VMware insgesamt 1.700 IT-Entscheidungsträger und 3.500 Büroangestellte aus UK, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Italien, Schweden, Norwegen, Dänemark, Russland und dem Nahen Osten befragen lassen.

Wo bleibt die Firmen-Cloud? Lokale Datenspeicherung ist nervig und unproduktiv

Zusammenarbeit ist das Schlagwort der modernen Arbeitswelt. Doch die funktioniert nur, wenn die Mitarbeiter auch von überall Zugriff auf die Arbeitsmittel haben. Unternehmen tasten sich nur zögerlich an die Cloud heran.

ARCHIV - Eine Wolke, Symbol für Cloud-Dienste, steht am 17.03.2015 auf der CeBIT in Hannover (Niedersachsen) an einem Samsung-Stand. Microsoft bietet den Kunden seiner Cloud-Dienste künftig auch die Speicherung der Daten in Deutschland an. Foto: Ole Spata/dpa (zu dpa "Microsoft bietet Cloud-Dienste aus Rechenzentren in Deutschland an" vom 11.11.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die aktuelle Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens IDC: Demnach halten sowohl die IT-Verantwortlichen als auch die Kollegen in den Büros die Modernisierung der IT-Arbeitsplätze für die wichtigste Baustelle in Unternehmen. „Any Place, Any Time“ ist heute der Anspruch an den Arbeitsplatz, heißt es in der Studie. „In den letzten Jahren wurden Investitionen in die IT-Arbeitsplatzmodernisierung immer mal wieder hinten angestellt, weil andere Dinge wichtiger waren. Hier gibt es meiner Meinung nach einen Investitionsstau“, sagt Mark Schulte, Berater bei IDC.

Besonders die junge Generation, die schon jetzt gut ein Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung in Deutschland ausmacht, fordert Veränderung. Hauptgrund für Beschwerden: Arbeiten von unterwegs oder dem Home-Office funktioniert nur eingeschränkt, weil nur gut die Hälfte der nötigen Dokumente oder Anwendungen geräte- und ortsunabhängig zu erreichen sind. Schulte: „Nur 55 Prozent der Wissensarbeiter zwischen 18 und 35 Jahren sind zufrieden mit ihrem IT-Arbeitsplatz. Bei den Babyboomern sind es dagegen 69 Prozent. Diese Generation hat ganz andere Ansprüche.“ Da sich das Verhältnis der beiden Gruppen im Arbeitsmarkt in Zukunft ändern wird, sollten Unternehmen die Bedürfnisse der jungen Generation jedoch ernst nehmen.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

  • Kosten

    Wenn ein Unternehmen seine Kundendatenbank nicht im eigenen Rechenzentrum pflegt, sondern einen Online-Dienst wie Salesforce.com nutzt, spart es sich Investitionen in die Infrastruktur. Die Abrechnung erfolgt außerdem zumeist gestaffelt, zum Beispiel nach Nutzerzahl oder Speicherverbrauch. Geschäftskunden erhoffen sich dadurch deutliche Kosteneinsparungen.

  • Skalierbarkeit

    Wer Speicherplatz im Netz mietet, kann flexibel auf die Nachfrage reagieren und den Bedarf unkompliziert und schnell erhöhen oder versenken. Wenn beispielsweise ein Startup rasant wächst, fährt es einfach die Kapazitäten hoch. Somit fallen auch niedrige Fixkosten an.

  • Einfachheit

    Die Installation auf den eigenen Rechnern entfällt. Damit lässt sich ein neues System äußerst schnell einführen. Auch die Updates bereiten keine Probleme mehr, somit sinkt der Administrationsaufwand. Allerdings lassen sich die Cloud-Dienste in der Regel auch nicht so individuell konfigurieren.

  • Ortsunabhängigkeit

    Zur Nutzung der Cloud-Dienste benötigen Mitarbeiter lediglich einen Internetanschluss – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort und dem Gerät, das sie nutzen.

  • Sicherheit

    Die Daten-Dienstleister werben damit, dass sie sich intensiver mit der IT-Sicherheit beschäftigen als einzelne Nutzer oder Unternehmen. Allerdings sind die Rechenzentren der Cloud-Anbieter aufgrund der großen Datenmenge auch ein attraktives Ziel für Angriffe von Hackern. Zudem ist von außen schwer nachzuvollziehen, ob der Anbieter die Daten ausreichend vor den eigenen Mitarbeitern schützt. Die Auslagerung bedeutet somit einen Kontrollverlust.

  • Abhängigkeit

    Viele Unternehmen sind von ihrem Dienstleister abhängig, weil sie nicht ohne weiteres zu einem anderen Anbieter wechseln können. Das liegt etwa daran, dass sie ihre Systeme aufwendig an die Schnittstellen anpassen müssen. Auch Nutzer haben oft Schwierigkeit, wenn sie mit ihren Daten den Anbieter wechseln wollen. Eine weitere Frage: Was ist, wenn der Betreiber eines Dienstes pleite geht? Erst wenn es Standards gibt, die den Wechsel von einem zum anderen Dienstleister ermöglichen, sinkt die Abhängigkeit.

In den IT-Abteilungen weiß man das - und gerät mitunter ganz schön ins Schwitzen, wie die Studie von VMware zeigt. Demnach stehen 65 Prozent der IT-Entscheider in Deutschland so sehr unter Druck stehen, Mobility-Initiativen auf den Weg zu bringen, dass sie dafür kalkulierte Sicherheitsrisiken in Kauf nehmen. Die Mehrheit der IT-Entscheider (60 Prozent) ist der Meinung, dass die Vorteile der Unternehmensmobilität potentielle Sicherheitsrisiken und damit verbundene Datenverluste rechtfertigen.

Denn die Mitarbeiter - zumindest gut 15 Prozent der Befragten - umgehen schon mal die Unternehmensleitlinien in Sachen mobiles Arbeiten, um produktiver arbeiten zu können. Um des mobilen Friedens Willen machen viele IT-Chefs dann beide Augen zu. Hinzu kommt, dass sich mehr als 22 Prozent der IT-Führungskräfte von ihrem Management unter Druck gesetzt fühlen. Sie sollen den Zugriff auf Unternehmensdaten von den mobilen Geräten der Mitarbeiter erlauben, auch wenn die Datensicherheit nicht gewährleistet ist beziehungsweise werden kann.

Der Zugriff auf Daten von mobilen Endgeräten ist der Kern des Problems: 49 Prozent der befragten IT-Entscheider gehen von einem beträchtlichen Sicherheitsrisiko aus, wenn Mitarbeiter von ihren eigenen Geräten aus arbeiten. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) sehen hierin die größte Schwachstelle für Cyber-Attacken.

Unternehmen sollten keinen Kompromiss zwischen Mobilität und Sicherheit eingehen müssen, warnt Dominic Schmidt-Rieche. Er ist bei VMware für die Leitung der Bereiche End User Computing und AirWatch für den deutschen Markt verantwortlich. „Das Management muss entscheiden, wie die Strategie aussieht – wie soll in Zukunft gearbeitet werden – und die IT muss dann mit den Fachabteilungen entscheiden, wie, also durch welche technischen Lösungen, man dorthin kommt.“ Das könne nie in einer Hauruck-Aktion erfolgen, sondern sei eine Reise. „Unternehmen stellen nicht jetzt den Hebel um, das wird sukzessive passieren.“

Die Richtung sei klar: Die Verschmelzung vom Mobile und Desktop rücke immer mehr in den Fokus, Technik werde immer nutzerfreundlicher. Schmidt-Rieche gibt ein Beispiel: „Ich kann mit einem Daumendruck Zugriff zu allen für mich notwendigen Dokumenten und Applikationen bekommen und muss mich nicht mehr für alles gesondert anmelden.“ Dafür braucht es eine entsprechende IT-Architektur. Damit können Unternehmen auf die große Nachfrage nach mobilen Arbeitsplätzen reagieren, ohne die Kontrolle über ihre IT-Sicherheitsprozesse zu verlieren.

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