Wirtschaft 4.0: „Übertriebene Technikskepsis ist gefährlich“

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Wirtschaft 4.0: „Übertriebene Technikskepsis ist gefährlich“

von Kerstin Dämon

Was Technik heute kann, ist schon ziemlich gruselig. Trotzdem trauen sich die deutschen Unternehmen: Sie sind weit weniger zurückhaltend, als gedacht. Das ist gut. Denn Skepsis kostet vor allem die Wettbewerbsfähigkeit.

Sie halten Virtual und Augmented Reality für abgefahrenen Kram? Cloud-Technologie und Organe aus dem 3D-Drucker klingt irgendwie nach wahrgewordener Science Fiction? Dann schnallen Sie sich mal an: Ray Kurzweil geht davon aus, dass wir im Jahr 2030 Nanoroboter in unseren Köpfen haben werden, die mit dem Internet vernetzt sind und Smartphones, Virtual Reality Brillen und andere technische Errungenschaften unserer Zeit einfach obsolet machen werden. Sie suchen ein italienisches Restaurant in der Bahnhofstraße? Sobald Sie darüber nachdenken, taucht die gewünschte Information in Ihrem Kopf auf.

Und bevor Sie das nun als total verrückt abtun: Besagter Mister Kurzweil ist der 68-jährige „Director of Engineering“ bei Google und dort unter anderem für das Machine Learning-Programm zuständig. Und das Dumme ist: Mr. Kurzweil hat mit seinen Prognosen meistens Recht.

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"Auch in Deutschland gibt es early adopters"

Unternehmen müssen sich auf derartige Entwicklungen einlassen, sonst sind sie weg vom Fenster. Doch gerade deutsche Betriebe scheinen sich schwerer zu tun, offen auf Neues zu reagieren, als Firmen in anderen Ländern. Das mag am deutschen Perfektionismus liegen, den vielgepriesenen Ingenieurstugenden, aber auch am hierzulande stark ausgeprägten Datenschutz und am Arbeitsrecht. Die Kombination aus vielen verschiedenen Faktoren wird es sein, die die deutsche Wirtschaft eher zu Nachahmern macht, als zu Innovatoren. Lieber erstmal abwarten und es dann besser machen, scheint die Devise zu sein.

„Auch in Deutschland gibt es viele early-adopters, aber die Mehrheit reagiert eher zurückhaltend auf neue Technologien“, bestätigt Doug Merrit. Er ist CEO von Splunk, einem Big-Data-Unternehmen aus Kalifornien, das mit seiner Plattform auch viele deutsche Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützt.

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Battle-Hack-Wettbewerb Quelle: dpa

Aber immerhin funktioniert die Adaption: Jeder zweite Betrieb nutzt bereits digitale Technologien. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervor .

Im produzierenden Gewerbe ist es die vernetzte Fabrik, im Dienstleistungsbereich spielen vor allem Online-Plattformen und -Shops, Cloud-Computing-Systeme und Big-Data-Anwendungen eine zunehmende Rolle.

Konkrete Big-Data-Beispiele

  • Gesundheit

    Im Gesundheitswesen werden wertvolle Informationen über Nebenwirkungen von Medikamenten und die Wirksamkeit neuer Behandlungsmethoden gewonnen, indem Erfahrungsberichte von Patienten und Ärzten im Internet anonym ausgewertet werden.

  • Verkehrsmanagement

    Die Stadt Stockholm realisiert ein intelligentes Verkehrsmanagement, um Staus und Unfälle zu vermeiden. Grundlage ist die Analyse von Verkehrs- und Wetterdaten.

  • Energiewende

    Einen Beitrag zur Energiewende leistet die Messung und Analyse des Stromverbrauchs mit Smart Metern, um den Bedarf genauer vorherzusagen und den Verbrauch zu reduzieren. 

Nur noch 31 Prozent der Unternehmen haben sich noch gar nicht mit der Nutzung solcher Technologien beschäftigt. Das ist kein Grund zum Jubeln, aber immerhin etwas. „Deutsche Unternehmen sind Big Data-Lösungen gegenüber vielleicht skeptischer als andere, aber der Wille, beispielsweise Cloudtechnologie zu nutzen, ist weltweit da – auch in Deutschland“, bestätigt Merrit. Bedenken gäbe es natürlich. Und je sensibler die Daten, die ein Unternehmen verwaltet, desto größer die Skepsis, erzählt Merrit. „Finanzdienstleister und andere Unternehmen mit sensiblen Kundendaten sind oft zurückhaltender.“

Dennoch gehört unter anderem die Finanz Informatik der Sparkassengruppe zu den deutschen Kunden von Splunk.

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