Leider hat in zu vielen Unternehmen die Personalabteilung etwas grundsätzlich falsch verstanden. Entweder geht es dort zu wie in einer Geheimgesellschaft oder wie in einem Wohlfahrtsverband. Natürlich ist das jetzt extrem ausgedrückt, aber wenn wir eines bei unseren Reisen in den letzten fünf Jahren gelernt haben, dann, dass Personalabteilungen in den seltensten Fällen so funktionieren, wie sie es sollten. Das ist skandalös, umso mehr, da die meisten Führungskräfte sich nicht gerade drei Beine ausreißen, um etwas daran zu ändern. Die Personalabteilung sollte der Dreh- und Angelpunkt jedes Unternehmens sein. Was könnte größere Bedeutung haben als die Entscheidung darüber, wer eingestellt, gefördert, befördert oder gefeuert wird? Schließlich ist das Geschäftsleben ein einziges großes Spiel und dabei gewinnt das Team, das die besten Leute aufstellt und sie dazu bringt, optimal zusammenzuspielen. In der Praxis hat man einen anderen Eindruck: Überall spielt die Finanzabteilung die erste Geige, und die Personalabteilung ist zu einer Statistenrolle verdammt. Nur ein Beispiel: Angenommen, Sie sind der Eigentümer von Real Madrid. Würden Sie dann eher mit dem Finanzmann oder dem Teamchef Ihre Zeit verbringen? Klar kann Ihnen der Finanzmensch etwas über die finanzielle Situation des Vereins erzählen. Aber der Teamchef ist der Experte, wenn es ums Gewinnen geht: Er kennt die Stärken der einzelnen Spieler und weiß genau, wo er Nachwuchstalente suchen muss. Genau darum sollte es in der Personalabteilung gehen. Tut es aber nicht. Wir haben das nie so deutlich gesehen wie damals, als wir einen Vortrag vor 5000 Personalern in Mexico City hielten. Im Verlauf der Veranstaltung fragten wir die Zuhörer: „Wie viele von Ihnen arbeiten in Unternehmen, bei denen der Personalchef ebenso viel zu sagen hat wie der Finanzchef?“ Es hoben weniger als 50 Leute die Hand. Seit damals haben wir uns bemüht, zu verstehen, warum die Personalabteilung so stiefmütterlich behandelt wird. Wir stellten fest, dass man mindestens zwei Arten von Fehlverhalten ausmachen kann. Die Geheimgesellschaftsnummer findet statt, wenn Personalchefs heimlich zu kleinen Königsmachern werden, die Karrieren initiieren und zerstören können, manchmal sogar ohne Wissen des Unternehmenschefs. Solche Personalabteilungen können in der Tat mächtig sein, aber oft auf eine abträgliche Weise, bei der die besten Leute dazu getrieben werden, das Unternehmen zu verlassen. Genauso oft sehen wir das andere Extrem: Personalabteilungen, die Ausflüge organisieren, für die Hauspostille zuständig sind und jeden zum Wahnsinn treiben, weil sie auf die Einhaltung von Regeln pochen. Die kleine Macht, die diese Abteilungen besitzen, leiten sie aus ihrer Position als Westentaschenpolizei des Das-kann-man-so-nicht-machen ab.
Welchs Welt: Die Fehler der Personalarbeit
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