Welchs Welt: Ein ganz normaler Wirtschaftsabschwung

Welchs Welt: Ein ganz normaler Wirtschaftsabschwung

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Jack und Suzy Welch

Wie kann ich als Otto Normalverbraucher die Wirtschaft unterstützen? Abwarten, Tee trinken und nicht über die eigenen Verhältnisse leben, raten Jack und Suzy Welch.

Leider können wir in dieser Sache nicht mit sensationellen Neuigkeiten aufwarten. Unser Rat: Abwarten, Tee trinken, nicht in Panik verfallen. Rezessionen kommen und gehen. Das Wichtigste, was Sie tun können, ist, nicht über Ihre Verhältnisse zu leben. Dennoch reißen Sie mit Ihrer Frage ein interessantes Thema an. Denn der Mann von der Straße kann wohl am wenigsten dafür, dass es der Wirtschaft derzeit so schlecht geht. Daran sind ganz andere Schuld.

Zunächst die beängstigend übereifrigen – oder bestürzend unbedarften – Broker, die Immobilienkredite an Leute vertickerten, die sich das überhaupt nicht leisten konnten. Dann die Kreditnehmer selbst, die aufgrund von zu viel Gottvertrauen, zu wenig persönlicher Verantwortung, einer zu großen Blauäugigkeit in Finanzangelegenheiten oder aus allen drei Gründen das Geld nahmen.

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Und währenddessen saßen weit weg in der Wall Street die Investment Banker, die sich nach Jahrzehnten von leicht verdientem Geld weniger und weniger Mühe machten, vernünftige Abschlüsse auf die Beine zu stellen. Stattdessen gingen sie immer häufiger nur mehr mittelmäßige Deals ein, die auf halber Strecke verhungerten, weil die Kreditmärkte immer mehr austrockneten. Und dann gab es da natürlich noch die Riege der Financial Engineers, die die Karre so richtig vor die Wand fuhren. Diese alles andere als durchschnittlichen Superhirne aus Unternehmen überall auf der Welt verbrachten die letzten zwei oder drei Jahre damit, immer komplexere und unverständlichere Schuldverschreibungen zu erfinden. Die Abkürzungen haben Sie mittlerweile hundertmal gehört: CDOs, CDSs, SIVs ... und wie sie alle heißen. Ihre Namen waren ebenso mysteriös wie ihr Inhalt, eine merkwürdige Mischung aus drittklassigen Krediten, solider Eins-A-Ware und allem möglichen dazwischen.

Aber das Problem dieser Papiere war nicht ihre Komplexität. Viele Innovationen sind komplex. Das Problem war, dass diese neumodischen Produkte in einem extrem ertragshungrigen Markt verkauft wurden, in dem es bei weitem nicht genug Führungskräfte gab, die wirklich verstanden hatten, auf welche Weise sie damit ihr Geld verdienten. Die Party endete mit einem Super-GAU, der bis heute andauert – mit Abschreibungen in noch nie da gewesener Höhe. Schon lange versteht kein normaler Mensch mehr die Finanzprodukte der Wall Street. Aber man sollte doch wohl erwarten können, dass die Big Bosse der Wall Street, die solche Produkte kaufen und verkaufen, wissen, was sie tun. Tja und daran haben wir in diesem Fall so unsere Zweifel.

Alle erfahrenen Führungskräfte, denen wir auf unseren Reisen begegnet sind, waren überrascht von dem Schadenspotential der Buchstabensuppe in den neuen Finanzinstrumenten. Sie zeigten sich außerdem schockiert vom Ausmaß der Verwüstung, die diese Papiere weltweit angerichtet haben. Nun, abgesehen von ein paar prominenten Ausnahmen, bezweifeln wir, dass es bei denen, die damit handelten, anders war. Vielmehr könnten wir wetten, dass die Führungsriege der meisten Unternehmen die Gewinne in ihre Kassen strömen ließ – und diese Erträge mit großzügigen Bonuszahlungen belohnte – ohne sich oder irgendjemand anderem erklären zu können, wie man all dieses wunderbare Geld tatsächlich verdient hatte.

War das falsch? Auf jeden Fall. Aber man kann sich leicht vorstellen, wie es dazu kam. Als die komplizierten Schuldverschreibungen zum ersten Mal eingesetzt wurden, fragten sich garantiert viele Topmanager, wie sie wohl funktionierten und bestimmt versuchte sich jemand, der es kapiert hatte, an einer Erklärung. Aber ziemlich wahrscheinlich wurden eventuellen Verständnislücken von beiden Seiten großzügig übergangen. Schließlich handelte es sich dabei um neue Produkte. Wer konnte schon wissen, wie sie einschlagen würden? Dann jedoch gingen die Produkte außerordentlich gut und recht schnell verzichteten die Manager auf weitere Erklärungen. Die Gewinne sprachen für sich und die fetten Bonuszahlungen, die sie nach sich zogen, sprachen noch viel lauter.

Vergleichen Sie das doch mal ganz kurz mit dem normalen Kreditgewerbe oder dem, was in der Industrie passiert. Wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt – sei es nun fremdfinanziertes Leasing oder ein Apple iPhone – kennen die Manager das Geschäftsmodell, auf das sie bauen, aus dem FF. Und wenn der Gewinn unerwartet steigt, kann jeder bis aufs I-Tüpfelchen erklären, warum das so ist und wie das mit dem Markt zusammenhängt. Profite sind zwar vielleicht nicht leicht verdient, aber man kann sie sich erklären. Im lukrativen Taumel der letzten Jahre im Zusammenhang mit CDOs, CDSs, SVIs und all den anderen, hatte eine solch altmodische Transparenz keine Chance. Die Financial Engineers wussten natürlich, was sie da zusammenbastelten, aber ihre Manager eher nicht. Und die nächsten Führungsebenen – bis hin zum Vorstand – wahrscheinlich schon dreimal nicht. Sie bohrten nicht nach. Sie fragten nicht „Bei wem bleibt denn am Ende dieses Papier hängen?“ oder “Woher kommen denn die ausgezeichneten Bewertungen dieser Produkte?“

Die jüngste Geschichte hat gezeigt, dass bei Unternehmens- und Regierungspleiten Unwissenheit nicht vor Strafe schützt. Aber für diese Lektion hätten wir weder Enron noch die aktuelle Finanzkrise gebraucht. Ebensowenig wie wir dringend all diese Gesetze brauchen werden, die man so sicher wie das Amen in der Kirche aufgrund dieses ganzen Schlamassels erlassen wird. Im Business galt schon immer: Wenn etwas zu gut ist, um wahr zu sein, dann ist es das in der Regel auch nicht. Und Führungskräfte haben die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, dem Ganzen auf den Grund zu gehen. Tun sie es nicht, dann müssen am Ende viele Leute dafür teuer bezahlen..., ob Otto Normalverbraucher oder nicht.

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