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Welchs Welt: Örtliche Talente belohnen

von Jack und Suzy Welch

Tipps von Jack und Suzy Welch.

Seitdem die Tschechische Republik und andere ehemals kommunistische Länder ihre Grenzen für Investitionen aus dem Ausland geöffnet haben, setzen viele Unternehmen überwiegend ihre eigenen Leute zur Geschäftsführung ein. Das Problem ist, dass diese Manager oft inkompetent sind und sich nur durch eine einzige Sache auszeichnen, nämlich die Fähigkeit, ihre Muttersprache zu sprechen. Wie können Unternehmen in dieser Hinsicht nur immer wieder so dumm sein? Sie sind nicht dumm – sie fühlen sich nur unbehaglich. Genau wie amerikanische Touristen, die auf den Champs-Élysées zu McDonald’s essen gehen oder Franzosen, die ihren eigenen Wein nach Disney World bringen. Das Problem, das Sie beschreiben, ist universell. Als die Japaner das erste Mal in den USA oder anderswo Fuß fassten, taten sie das in der Regel mit Führungskräften aus Nippon. Dasselbe gilt für die Deutschen, Briten und viele andere. Sie alle verlassen sich am liebsten auf ihre eigenen Leute, wenn es darum geht, weit weg von zu Hause Geschäfte zu machen. Vor allem am Anfang, wenn mit dem örtlichen Umfeld so viele unbekannte Faktoren verknüpft sind. Der Schlüsselsatz hier ist „am Anfang“ – denn die Schwierigkeiten, von denen Sie berichten, fangen an, wenn ausländische Unternehmen es sich bequem machen und ihre eigenen Leute über viele Jahre hinweg in den Führungspositionen belassen. Damit lassen sie sich eine echte Chance entgehen. Warum? Weil die einheimischen Kräfte ihr eigenes Land immer besser kennen. Sie wissen, wie die Regierung funktioniert und wie die Menschen denken. Sie wissen, welche Universitäten den besten Nachwuchs hervorbringen. Sie verstehen, was die Menschen im Fernsehen, in den Wohnzimmern, den Kneipen und in den Fabrikhallen wirklich über die politische und wirtschaftliche Zukunft des Landes sagen. Sie können sich das System mit mehr Einblick und Entspanntheit zunutze machen. Das ist auch der Grund, warum gute Unternehmen wissen, dass je früher sie einheimische Manager im Ausland einsetzen, es ihnen umso besser geht. Und deswegen sind Spitzenunternehmen vom Tag ihrer Ankunft an bestrebt, Talente vor Ort zu finden und mithilfe von globalen Trainingsprogrammen weiterzuentwickeln, sodass sie über einen kontinuierlichen Nachschub im mittleren Management und die dazugehörigen Spitzenkräfte verfügen. Zweifellos wird es immer internationale Unternehmen geben, die ihre Geschäfte nicht schnell genug den einheimischen Führungskräften übergeben. Aber mit der Zeit werden diese Unternehmen unter einer echten Massenabwanderung von qualifizierten Arbeitskräften leiden, während Unternehmen mit mehr Grips auf den Markt drängen und sich die Talente vor Ort für ihre expandierenden Geschäfte unter den Nagel reißen.

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Im boomenden Osteuropa herrscht, genau wie in Asien, ein harter Konkurrenzkampf um qualifizierte Manager. Kein ausländisches Unternehmen kann es sich leisten, die einheimischen Mitarbeiter in untergeordneten Positionen zu halten und unter die Fuchtel von Chefs aus dem „Mutterland“ zu stellen. Denn dann werden die einheimischen Talente dorthin abwandern, wo man ihnen persönliches Wachstum und eine Zukunft verspricht und dabei ihr Wissen mitnehmen. Sie sehen: Dies ist typischerweise ein sich selbst regulierendes Problem. Mit der Zeit werden gute Unternehmen die Leitungsfunktionen einheimischen Führungskräften zuweisen. Es geht gar nicht anders. Im Lauf der Jahre ist mir aufgefallen, dass Leute mit einem MBA die besseren Jobs bekommen. Und zwar selbst dann, wenn sie über weniger Erfahrung und einen weniger stimmigen Lebenslauf verfügen. Was ist dran an diesem MBA, dass er seine Besitzer zu Gewinnern macht? Es steht außer Frage, dass ein MBA seinen Träger adelt. Menschen mögen Zeugnisse, und auch wenn mancher MBA mit mehr Prestige verbunden ist als andere, trennt der Titel seinen Träger vom gemeinen Volk. Aber der Eindruck, den so ein MBA macht, hält nach dem Berufseinstieg nur für etwa ein Jahr vor. Er verhilft dem Absolventen zu einem höheren Anfangsgehalt oder einem besseren Job direkt im Anschluss ans Studium oder beides. Und er besitzt eine Art Mini-Nebeneffekt. Ein Mensch mit MBA gilt als intelligent und fähig; Chefs setzen in solche Leute große Hoffnungen und geben ihnen oft zusätzliche Gelegenheiten, um zum Erfolg beizutragen und selbst zu wachsen. Nach kurzer Zeit aber geht es nur noch um die Leistung, und in den meisten Unternehmen ist es das, was zählt. Entweder ragt der MBAler aus der Masse heraus oder er geht unter. Wenn Sie also diese MBAler um sich herum sehen, die Sie für „automatische Gewinner“ halten, dann schauen Sie bitte hinter die Zeugnisse. Viel eher liefern sie überdurchschnittliche Leistungen ab und zeigen durch ihr tägliches Verhalten, wie sehr sie die Werte des Unternehmens verinnerlicht haben. Schließlich werden sie auch die Leute um sich herum gut aussehen lassen, indem sie die Meriten nicht allein für sich behalten und die Teambildung fördern. Die „automatischen Gewinner“, die Sie um sich herum sehen, sind wahrscheinlich kein bisschen automatisch. Sie sind nicht auf Grund eines Stück Papiers, das sie an ihrem Abschlusstag erhalten haben, erfolgreich, sondern auf Grund der Leistungen, die sie ab diesem Tag erbracht haben.

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