Welchs Welt: Richtig Mitarbeiter befragen

Welchs Welt: Richtig Mitarbeiter befragen

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Jack und Suzy Welch

Tipps von Jack und Suzy Welch.

In meinem Unternehmen wird einmal pro Jahr eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt. Veränderungen gibt es danach aber so gut wie nie. Nun wurde ich von meinem Chef aufgefordert, eine bessere Lösung zu finden. Ich bin aber der Ansicht, dass dieses ganze „Noch ein Fragebogen fürs Volk“-Gedöns völlig für die Katz ist. Wäre es nicht besser, eine Art basisdemokratische „Bürgerversammlung“ im Unternehmen einzuführen?

Meinungsumfragen können einem ganz schön auf den Keks gehen, nicht wahr?! Und am Ende steht man da und hat den Eindruck, dass dieses „Gedöns“, wie Sie es nennen, überhaupt keine Rückschlüsse auf was auch immer zulässt. Weit gefehlt!

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Effektive Mitarbeiterbefragungen können durchaus sinnvolle Ergebnisse liefern. Das Schlüsselwort hier heißt allerdings „effektive“. Bedauerlicherweise konzentrieren sich viele Befragungen auf jene Nebenschauplätze, die zwar in den Fluren hohe Wellen schlagen, aber nur selten außerhalb des Unternehmens eine Rolle spielen. Vielleicht ist das der Grund, warum sich in Ihrem Unternehmen nach den Umfrageergebnissen nie etwas verändert hat.

Im Gegensatz dazu kommen effektive Umfragen ohne die üblichen Banalitäten wie reservierte Parkplätze und Kantinenessen aus. Sie nehmen keinerlei Rücksicht auf heiße Eisen und sind absolut vertraulich. Meist befassen sich diese Umfragen eingehend mit vier ganz unterschiedlichen Bereichen: 

Zunächst wird untersucht, ob die Mitarbeiter tatsächlich die Mission des Unternehmens und seine wichtigsten Ziele verinnerlicht haben. Die Führungsspitze kann den ganzen Tag hochtrabende Reden schwingen – und doch wird die gewünschte Veränderung nicht eintreten, wenn die Mitarbeiter nicht verstehen, warum ein Richtungswechsel sowohl die Wettbewerbsposition des Unternehmens als auch ihre eigene Karriere begünstigen wird.

Daher müssen Sie beispielsweise beim Wechsel von einer produkt- zu einer kundenorientierten Strategie sicherstellen, dass sich die Mitarbeiter zu solchen Statements äußern wie: „Mir ist klar, welche Rolle der Service beim Erfolg unseres Unternehmens spielt“ und „Ich finde es richtig, dass unsere besten Ingenieure dafür eingesetzt werden, die Technologie unseres Serviceangebots zu verbessern.“ Gehen Sie nie stillschweigend davon aus, dass Werte verinnerlicht wurden. Messen Sie die Akzeptanz!

Zweitens: Effektive Umfragen finden heraus, ob Führungskräfte ihren Worten auch Taten folgen lassen. Nichts ist so demotivierend wie ein Manager, der nicht Wort hält. Vielmehr sollte er angekündigte Maßnahmen auch umsetzen und die Werte des Unternehmens vorleben. Aufgrund ihrer Vertraulichkeit können Umfragen ein recht gutes Bild vom Engagement unter den Mitarbeitern liefern, was ja ein ganz entscheidender Faktor ist. Beispielsweise lässt sich herausfinden, wie sich Manager verhalten, wenn es darum geht, die Bürokratie zu bekämpfen oder ob sie jemanden nur befördern, wenn die Leistung stimmt. Darüberhinaus lässt sich messen, ob die oberste Führungsspitze noch einen Bezug zur Wirklichkeit hat, indem man jeden einzelnen Mitarbeiter nach seinem Grad der Zustimmung zu folgender Aussage fragt, „Was ich über unser Unternehmen in der Zeitung und im Geschäftsbericht lese stimmt mit dem überein, was ich jeden Tag bei der Arbeit erlebe.“

Drittens: Effektive Umfragen sondieren, wie sich das Unternehmen verglichen mit seinen Wettbewerbern schlägt. Natürlich wird Ihnen das mit der Zeit der Markt selbst zeigen, aber häufig sind Mitarbeiter die Ersten, die ein Gefühl dafür haben, wo etwas im Unternehmen faul ist. Um das herauszufinden, schleichen gute Umfragen nicht lange um den heißen Brei herum und fragen Mitarbeiter, wie sehr sie folgenden Aussagen zustimmen: „Unsere neuen Produkte und Dienstleistungen sind punktgenau auf die Wünsche unserer Kunden zugeschnitten“ und, „In den nächsten zwei Jahren werden wir aufgrund unserer neu entwickelten Technologien Marktführer bleiben“.

Schließlich messen effektive Umfragen die Qualität der Personalführung des Unternehmens. Wenn Sie das beste Team haben wollen, dann müssen Sie über ein erstklassiges Programm für die Mitarbeiterführung und -entwicklung verfügen, in dem die Leute häufig und aufrichtig gelobt und leistungsabhängig bezahlt werden. Aus diesem Grund bittet man die Mitarbeiter in effektiven Umfragen Aussagen wie die folgenden zu kommentieren: „In dieser Firma werden die fähigsten Leute befördert.“ Und: „Diese Firma fackelt nicht lange bei Leuten, die die erwartete Leistung nicht bringen.“ Bei solchen Sätzen signalisiert jede Antwort, die nicht „trifft voll und ganz zu“ lautet, sofortigen Handlungsbedarf.

Und die Konsequenzen daraus sind ja im Endeffekt das Maß einer jeden effektiven Mitarbeiterbefragung. Wenn Umfragen Sie dagegen völlig kalt lassen, dann liegt es daran, dass sie grade mal für fünf Minuten Bedeutung haben. Eine effektive Mitarbeiterbefragung verschwindet nicht stillschweigend in einer Schublade. Ihre Ergebnisse finden Widerhall auf sämtlichen Hierarchieebenen, und im Anschluss wird jeder Manager persönlich dafür verantwortlich gemacht, dass in Bezug auf Veränderung die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit geschlossen wird.

Natürlich sollte kein Unternehmen einzig und allein auf Basis von Umfragen gemanagt werden. Doch genauso wie Meinungsumfragen können Mitarbeiterbefragungen ein wichtiges Werkzeug für kontinuierliche Verbesserung sein.

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