In dieser Welt aus Projekt- und Leiharbeit, aus Freelancer- und Teilzeitjobs liegen zahlreiche Chancen, aber auch jede Menge Risiken, die die Apologeten des Wandels gerne ausblenden.
Da gibt es etwa die Angst, der Entwicklung selbst kaum noch folgen zu können. Denn das Modell überträgt dem Einzelnen nicht nur mehr Freiheiten, sondern auch mehr Verantwortung, sich selbst für den Arbeitsmarkt attraktiv zu halten. Die Weiterbildung wird zunehmend individualisiert – und damit ein wesentlicher Kostenfaktor im persönlichen Einkommen. Gleichfalls wird sie zum Risiko für alle, die sich das nicht mehr leisten können.
Zum anderen ist absehbar, dass durch den Wandel der Graben zwischen hoch qualifizierten Spitzenkräften und weniger gut ausgebildeten Arbeitnehmern weiter wachsen wird.
Während die mobilen Spezialisten durch häufige Jobwechsel ihr Wissen, ihren Marktwert und ihr Einkommen verbessern, muss der andere, bisher größere Teil der Beschäftigten mit jedem neuen Konjunkturzyklus um seinen Broterwerb bangen. Sei es, weil die Jobs in Billiglohnländer abwandern oder weil der Wettbewerbsdruck unter der steigenden Schar der Austauschbaren steigt.
Auf die Generation der Wissensarbeiter kommen immense Herausforderungen zu. Wer sein eigener Chef ist, arbeitet autonomer. Viele spornt das an, anderen verlangt das aber auch enorm viel ab. Es kann zur Last werden, wenn etwa existenzielle Fragen wöchentlich beantwortet werden müssen, wenn Aufträge ausbleiben oder Kunden nie zufrieden sind. Dann entscheidet über den weiteren Erfolg, wie gut man sich selbst motivieren kann. Schließlich gibt es keinen Chef, der einen antreibt, keine Kollegen, die einem auf die Schulter klopfen oder Hilfe anbieten.
Herausforderungen für „Arbeitssammler“
Nicht wenige verabschieden sich deshalb schon heute aus dem vermeintlichen Idyll des Heimbüros und ziehen in sogenannte Coworking Spaces, wie sie gerade überall in Deutschland entstehen. In diesen Bürogemeinschaften begegnen sich Anwälte, Künstler, Journalisten, Architekten oder Trainer. Sie alle nutzen nicht nur die Kostenvorteile der gemeinsam genutzten Büros, sondern suchen in der oft chaotischen Atmosphäre auch einen Ausweg aus dem tristen Einzelkämpferdasein.
Zum Erfolg dieser „Arbeitssammler“, wie sie der Buchautor Peter Plöger nennt, wird neben der technischen Basisausstattung aus Laptop, Smartphone und Surfstick allerdings ebenso wesentlich beitragen, ob sie es schaffen, sich eine namhafte Marke aufzubauen – im Fachjargon auch Personal Branding genannt. Die permanente Selbstvermarktung über das Internet, über soziale Netzwerke, Blogs oder Fachforen bildet in dieser neuen Arbeitswelt einen entscheidenden Teil der Überlebensstrategie. Schließlich sind externe Mitarbeiter noch leichter austauschbar.
Die wohl größte Herausforderung in dieser modernen Arbeitswelt aber wird sein, Arbeits- und Freizeit ständig auszubalancieren. Letztlich gibt es immer was zu tun, und echte Mußestunden treten zunehmend in den Hintergrund. Gerade wenn es Kunden eilig haben, müssen Freiberufler auch schon mal Nachtschichten einlegen. Ein andermal herrscht Leerlauf, und das schlechte Gewissen, vielleicht doch noch etwas Akquise zu betreiben, kämpft dann mit dem Bedürfnis, endlich mal wieder abzuschalten.
Nicht selten fühlen sich derart Freiangestellte von ihrer Arbeit vereinnahmt. Wo viele der Grad an Selbstbestimmung anspornt, wird er für andere zum Hemmschuh. Oftmals handelt es sich dabei aber auch nur um eine strapaziöse Übergangsphase, wie erfahrene Freiarbeiter bestätigen. Oder wie Nadine Huss-Schäfer sagt: „Man gewinnt mit der Zeit eine innere Ruhe.“














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Alle Kommentare lesen18.05.2010, 10:14 UhrAnonymer Benutzer: wallibelli
Der ganze Artikel ist wieder mal ein Plädoayer für das bedingungslose Grundeinkommen für jeden, ob arbeitend oder nicht. ich schreibe dies als Unternehmer, der vor 30 Jahren schon dieses Nomadenleben kennengelernt hat. Seit 20 Jahren eine
Familien-Kapitalgesellschaft führt und auf flexible Arbeitskräfte angewiesen ist. ich wäre sogar bereit, zur Finanzierung des Grundeinkommens einen Arbeitgeberbeitrag zu leisten. Man bekommt als Freelancer nur Jobs von großen Unternehmen, wenn man Qualitäten einbringt, die normale Arbeitnehmer nicht leisten wollen oder können. Häufig bedeutet dies sich vom traditionellen Mainstreamleben zu verabschieden (z. b. die Trennung von Privatleben und berufsleben; ein büro im Ferienhaus ist für uns genau so selbstverständlich, wie die Einbeziehung der Kinder in die Jobwelt).
17.05.2010, 18:44 UhrAnonymer Benutzer: Libero
Sind die Menschen jung und flexibel und gut ausgebildet, sind sie gern selbständig und sagen "ich arbeite für Niemanden und kann mir einen bürojob gar nicht vorstellen und einen doofen Chef schon gar nicht." Werden diese Menschen älter, wollen Familie gründen etc. beginnt plötzlich die Sehnsucht nach Konstanz samt geregelter 38h-Woche, Jahresuraub, Entgeltzahlung im Krankheitsfall usw.. Da merken all diese vorher so hippen individualisten, daß Coolness allein keine Miete einbringt. Dann geht es los, das Gejammer - siehe die erwähnte Dame im Artikel. Und dann soll der Staat den Vollkaskoanspruch umsetzen und all die viiilen kinderlosen Doppelverdiener (so als anonyme indifferente Masse und Hassobjekt) sind plötzlich die bösen. Lachhaft ! icgh empfehle, mal vorher nachdenken und die eigene Lebensplanung etwas bodenständiger angehen. ich kenn genügend iT-Nerds, die 2-3 Jahre durchgehalten haben, mit dem Macbook in den Cafes der Stadt herumhingen und irgendwann merkten, daß auch sie davon nicht leben können. inzwischen arbeiten diese Jungs für 3500€ im Monat und jammern über den "mickrigen" Verdienst, wo sie doch soo gut ausgebildet sind.
17.05.2010, 18:05 UhrAnonymer Benutzer: Prolet
in brauchen dressierte Affen und Arbeitssklaven die 24 Stunden
täglich arbeiten damit wir kinderreiche gut versorgt sind. Herzlichen
Dank für Eure Güte !