Zukunft der Arbeit: Das Leben der Generation Warteschleife

Zukunft der Arbeit: Das Leben der Generation Warteschleife

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huss-schäfer

von Jochen Mai

Arbeitnehmer müssen sich auf einiges gefasst machen: kaum noch feste Jobs, fragmentierte Arbeitszeiten, instabile Lebensverhältnisse. Als Alternative wählen viele die Selbstständigkeit. Doch auch die hat ihre Tücken.

Seit zehn Jahren lebt Nadine Huss-Schäfer mit der Ungewissheit. Gut 15 Arbeitsverträge hat sie in dieser Zeit unterschrieben, mal für sechs Monate, mal für ein Jahr. Und manchmal hatte sie nicht einmal einen befristeten Vertrag. Dann arbeitete sie als sogenannter Freelancer – für 20 Euro die Stunde.

Sie ist jetzt 32 und sagt, dass sie die Flexibilität „anfangs enorm geschätzt hat“. Sie arbeitet im Raum Limburg/Montabaur in der Erwachsenenbildung und war schon Dozentin für Selbstmarketing, gab Bewerbungstrainings oder Computerkurse. Seit vier Jahren aber hätte sie lieber eine Festanstellung. Doch die Chancen dafür stehen schlecht.

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Die Entwicklung am Arbeitsmarkt zeigt schon länger weg von der Sicherheit einer lebenslangen Anstellung, hin zu mehr Unbeständigkeit, zu befristeten Arbeitsverträgen, häufig wechselnden Jobs, hin zur Kleinselbstständigkeit. Vor wenigen Wochen vermeldete das Statistische Bundesamt, dass seit 1991 noch nie so viele Erwerbstätige befristet beschäftigt gewesen seien wie 2008. Rund 2,7 Millionen Menschen waren davon betroffen – jüngere Arbeitnehmer und Frauen mehr als Ältere und Männer.

Aus der Generation Praktikum wird die Generation Warteschleife

Das Gros der Arbeitnehmer hat dieses Schicksal nicht freiwillig gewählt: Nahezu jeder Dritte gab an, keine Festanstellung gefunden zu haben, jeder Fünfte besaß nur einen Probearbeitsvertrag.

Eine Erhebung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Hiernach hat sich der Anteil der Zeitverträge zwischen 2001 und 2009 vor allem bei den Neueinstellungen von 32 auf 47 Prozent kräftig erhöht.

„Die Übergangsphasen am Berufseinstieg sind länger geworden“, stellt Werner Eichhorst, stellvertretender Direktor Arbeitsmarktpolitik am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, fest.

Es ist eine diplomatische Untertreibung für das, was gerade wirklich geschieht: Längst müssen sich heute auch höher Qualifizierte durch einen Hindernisparcours aus Praktika, freier Mitarbeit und zusätzlichen Qualifikationsphasen quälen. Und immer öfter mündet das in Patchwork-Lebensläufen und prekären Arbeitsverhältnissen, irgendwo zwischen unbezahltem Dauerpraktikum und Gelegenheitsjob.

Seit Jahren sprechen Arbeitsmarktexperten von der „Generation Praktikum“, dabei ist aus ihr längst eine „Generation Warteschleife“ geworden.

Eine immer wieder verlängerte Probezeit – für viele junge Berufstätige ist das heute „ein normales Einstiegsverhältnis“, sagt Arbeitsmarktforscher Eichhorst.

Es ist ein bisschen wie bei Alice im Wunderland: Man muss immer schneller laufen, nur um überhaupt an derselben Stelle zu bleiben.

„Die Wirtschaft wächst zwar wieder, doch die Arbeitgeber zögern, Festanstellungen zu schaffen“, konstatierte jüngst die amerikanische Zeitschrift „Business Week“. Auch hierzulande sieht das nicht besser aus. So will in diesem Jahr jedes dritte Unternehmen in Deutschland die Mitarbeiterzahl reduzieren, obwohl fast die Hälfte der Firmen eine positive Geschäftsentwicklung erwartet, ergab eine Kienbaum-Studie.

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