Gender Pay Gap: Warum Männer mehr verdienen als Frauen

Gender Pay Gap: Warum Männer mehr verdienen als Frauen

von Ferdinand Knauß

Männern verdienen im Schnitt umso mehr als Frauen, je höher beide auf der Karriereleiter steigen. Doch mit Diskriminierung muss das nicht unbedingt zu tun haben.

Warum verdienen Frauen im Schnitt auf vergleichbaren Positionen weniger als Männer? Ganz einfach ist die Erklärung für diesen so genannten gender pay gap nur, wenn man es sich ganz einfach macht.

Dann reicht ein Wort, das jeden sozialen Unterschied zwischen Menschengruppen erklären können soll: Diskriminierung. Aber wie jede Antwort, die alles erklärt, erklärt dieses Wort allein fast nichts.

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Zumindest in der entwickelten, westlichen Welt der Rechtsstaaten und freien Gesellschaften gibt es keinen Tarifvertrag und kein anderes Regelwerk zur Gehaltsfindung, in dem ein Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Lohn- oder Gehaltsempfängern festgeschrieben wird.

Jeder statistisch feststellbare Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Verdienst von Männern und Frauen auf vergleichbaren Positionen ist also grundsätzlich das Ergebnis privatrechtlicher Abmachungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Damit ist eigentlich schon klar, dass bestehende Einkommensunterschiede kein gesetzgeberisches, also politisches Problem sind, sondern ein gesellschaftliches Phänomen.

Weniger einfache Antworten findet man durch soziologisches Fragen. Und das beginnt in der Regel mit einem gründlichen Blick auf statistische Daten. Der amerikanische Journalist Derek Thompson hat das getan und dabei für sein Land herausgefunden, was auch die Daten in Deutschland zeigen: Der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern wächst oder schrumpft - je nachdem, welche Einkommens- oder Altersgruppe man auf welche Weise betrachtet.

Zunächst mal die gute Nachricht für alle Mädchen und jungen Frauen: Sie schließen sehr viel näher zu den gleichaltrigen Männern auf als frühere Generationen. Das Problem verkleinert sich also von selbst.

Erstaunlicher ist der eindeutige Befund in den USA und hierzulande, dass der Unterschied umso größer wird, je höher Frauen und Männer auf der Karriereleiter klettern. Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von weiblichen Führungskräften war im Jahr 2010 in Deutschland mit 27,64 Euro um 30 Prozent niedriger als der von männlichen Führungskräften (39,50 Euro).

Ähnliche Verdienstunterschiede gibt es bei Technikern (30 Prozent), akademischen Berufen (28 Prozent) und Handwerkern (25 Prozent). Den geringsten Geschlechterunterschied (4 Prozent) gab es bei Bürokräften. Das meldete das Statistische Bundesamt 2012 in seiner alle vier Jahre veröffentlichten Verdienststrukturerhebung.

Thompson hat in den US-Daten ein ähnliches Ergebnis vorgefunden: Köchinnen verdienen in den USA im Schnitt 95 Prozent des Lohnes der Köche. Doch Finanzberaterinnen bekommen nur 58,4 Prozent ihrer männlichen Konkurrenten. Woran liegt das also?

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