Mehr Grün ins Büro: Wald- und Wiesenoptik macht Bürojunkies produktiver

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Mehr Grün ins Büro: Wald- und Wiesenoptik macht Bürojunkies produktiver

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Pflanzen sorgen nicht nur für mehr Sauerstoff in der Luft, sie unterstützen zusätzlich eine angenehmere Arbeitsatmosphäre. So wie hier in dieser Zahnklinik.

von Katja Joho

Büroarbeiter brauchen Grün. Das zeigen Studien zu Motivation, Gesundheit und Arbeitseinstellung. Dabei ist die Topfpflanze nur der Anfang. Neue Techniken und Ideen könnten mehr Natürlichkeit bringen.

Viel Kontakt zur Natur ist gut für die Gesundheit, denn etwa ein Spaziergang in natürlicher Umgebung gilt gemeinhin als wohltuend – die frische Luft, die Entspannung zwischen Gräsern und Bäumen – eine klare Sache. Warum sollte dies dann nicht auch für das Büro gelten? Die meisten Büros allerdings kommen auch heute noch nicht weiter als bis zur Büropflanze – mal kläglicher, mal gewissenhafter gepflegt. Dabei gibt es moderne Ideen und Techniken, die mehr Natur ins Büro bringen können und dabei auch noch das Arbeitsklima fördern.

Ein ohrenschonendes Projekt mit besonderem Hingucker-Effekt kommt aus den Niederlanden: Bei der Akustik-Fabrik haben Akustik-Designer die sogenannten Greenwalls entwickelt. Wände etwa aus Moos oder Gras, die Schall absorbieren und so für ein ruhigeres Arbeitsklima sorgen, einen besonderen Blickfang bieten und dabei ökologisch, natürlich und ästhetisch sind. Komplette Büro- oder Trennwände bekommen so Wald- oder Wiesenoptik. Beides leicht machbar und durchaus sinnvoll – bisher allerdings noch wenig bekannt. „Unsere Grasswalls sind die Antwort auf eine grüne, nachhaltige und akustische Wanddekoration“, heißt es bei der Akustik-Fabrik.

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Begraste Wände für ruhigeres Arbeitsklima

Die Grasswalls – egal ob Gras, Moos oder andere natürliche Stoffe – werden in den Niederlanden angebaut – unter Aspekten der Nachhaltigkeit, so die Macher. Auf einer Spezialmatte aus Naturfasern wächst das Gras. Aus speziellem Rasensamen gedeiht es in drei bis vier Wochen zur richtigen Länge heran. Danach ist er perfekt, um aus ihm die akustischen Paneele zu produzieren.

Schalldämpfung im Büro

  • Absorbationsgrad

    Der Absorbationsgrad sagt etwas darüber aus, wie viel Schall ein Material absorbieren kann. Der Grad liegt zumeist zwischen 0 und 1. 0. Je niedriger der Wert, desto weniger Schall wird geschluckt. Liegt dieser Wert bei 0 wird der Ton also komplett reflektiert wird. Liegt der Absorbationsgrad bei 1 wird von einer kompletten Absorbation gesprochen – es gibt also keinen Schall.

  • Geeignete Materialien zum Ohrenschonen

    Teppiche, Vorhänge und Möbel sind bekanntermaßen Schallschlucker. Gleiches gilt etwa für bestimmte Harze, Schaumstoff oder Fiberglas. Auch bestimmte Pflanzen sind haben einen hohen Absorbationsgrad. Aus diesen oder neuen Materialien, die sich gut zum Schalldämpfen eignen, werden immer wieder neue Produkte entwickelt.

  • Gesetzliche Bestimmungen zur Bürolautstärke

    Laut Gesetz soll an Arbeitsplätzen, wo hauptsächlich „geistig“ gearbeitet wird, ein Pegel von 55 dB nicht überschritten werden. Zum Vergleich: Dies entspricht in etwa einer normalen Gesprächslautstärke. Bei der Arbeit mit Maschinen ist das anders: Hier gilt ein Grenzwert von 85 dB.

Dafür wird das Gras zunächst getrocknet und grün eingefärbt, sodass es seine Farbe nicht verliert. Danach wird es auf FSC-Holzplatten befestigt. Ähnlich funktionieren auch die Wände aus Moos. Am Ende haben die Greenwalls eine Dicke von sieben bis acht Zentimetern  „Eine verantwortungsvolle und natürliche Akustiklösung“ werben die Niederländer Die grünen Wände der Akustik-Fabrik funktionieren so schallabsorbierend, dass sie vor allem die Schallwellen einer Menschenstimme zwischen 100 und 3.000 Herz aufsaugen können – ideal fürs Büro also.

Neue Ansätze bringen mehr Natürlichkeit

Der Gießener Arbeitswissenschaftler Prof. Dr. Dieter Lorenz sieht erste Ansätze für mehr Natürlichkeit im Büro: „Es wird häufiger darüber nachgedacht, wie man Büros nicht klassisch technisch ausstattet, sondern mehr auf die Natur setzt“, so Lorenz. Von einem Trend, wie etwa die Wohnzimmeratmosphäre im Büro ist, seien die Natur-Konzepte allerdings noch nicht.

Dabei beweisen Studien regelmäßig, dass mehr Natürlichkeit den Alltag zwischen Schreibtisch und Konferenzraum für Arbeitnehmer zufriedenstellender und gesünder machen kann.

So wurde in der Studie "Arbeitsmotivation 2014" der ManpowerGroup Deutschland im Februar 1.000 Deutsche befragt, welche Dinge für sie besonders wichtig sind, damit sie sich im Büro wohl fühlen. Während guter Kaffee überraschender Weise nicht unter die Top Ten kam, gehören Pflanzen laut der ManpowerGroup im Büro ganz klar zum Wohlfühlfaktor. Demnach sind sich 28 Prozent der Befragten sicher, dass etwa Zimmerpflanzen die Optik und das Raumklima verbessern. Die Begründung: Das Grün vermittele ein Gefühl von Natur in Büros.

Wer sich mit Grün umgibt, ist glücklicher

Eine Studie der britischen Universität Exeter hat über fünf Jahre lang  1000 Menschen begleitet. Das Ergebnis der Studie: Wer in einem grüneren Stadtviertel wohnt, fühlt sich generell besser und ist weniger depressiv. Auf die Büroarbeit zugeschnitten gibt es vergleichbare Ergebnisse aus Norwegen: Dortige Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass Grün am Arbeitsplatz Konzentration und Produktivität erhöhe, weil Pflanzen Menschen auf andere Gedanken bringen, kurz Abschweifen lassen und somit die Konzentration wiederherstellen.

Für eine aktuelle Studie, die im „Journal of Experimental Psychology“ veröffentlicht wurde, haben Forscher unter anderem die Arbeitseinstellung in zwei großen Gewerbebüros in Großbritannien und den Niederlanden untersucht. Das Ergebnis: Grüne Büroräume erhöhen das Engagement der Angestellten, da sie sich körperlich, kognitiv und emotional stärker in ihre Arbeit eingebunden fühlten.  

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