Erfolgreiches Management: Warum Chefs mit Werten führen sollten

Erfolgreiches Management: Warum Chefs mit Werten führen sollten

, aktualisiert 05. Oktober 2016, 11:05 Uhr
Bild vergrößern

Ein Werte-Kompass hilft Managern dabei, „verantwortungsvolle“ Entscheidungen zu fällen.

von Claudia ObmannQuelle:Handelsblatt Online

Moral hat Konjunktur. Das Beispiel des Gesundheitspflege-Weltmarktführers Johnson & Johnson zeigt, warum es sich für Manager und Mitarbeiter lohnt, im Alltag einen Werte-Kompass zur Hand zu haben.

Düsseldorf„Allem voran steht unsere Verantwortung“ – so beginnt der erste Satz des „Credos“ des Gesundheitsunternehmens Johnson & Johnson. Das Dokument ist 73 Jahre alt, aber es ist aktueller denn je. Das Manifest der Unternehmenswerte wurde von Robert Wood Johnson, früherer Vorsitzender und Mitglied der Gründerfamilie des Unternehmens, 1943 zum Börsengang verfasst.

Der Visionär ahnte, vieles könne sich ändern, wenn externe Geldgeber mehr Einfluss bekämen und die Firma wachse. Mehr als 20 Sätze mit „Wir müssen…“ notierte er, in denen er Qualität, Zuverlässigkeit, den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen und gemeinnütziges Engagement verlangt.

Anzeige

Belächelt von so manchem Zeitgenossen, wollte der Amerikaner unbedingt, dass seine Belegschaft die große Verantwortung, die er selbst gegenüber Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und der Gesellschaft im Allgemeinen verspürte, verinnerlichte. Sein Wunsch wirkt noch heute fort: Das „Credo“ prangt in der Eingangshalle der Neusser Deutschland-Zentrale. Es wird neuen Mitarbeitern, vom Chef bis zum Azubi, mit dem Arbeitsvertrag ausgehändigt und lehnt zudem wie ein Bild gerahmt im Konferenzraum der Geschäftsleitung an der Wand. Und staubt dort ein?

Keineswegs. Denn es wird bei schwierigen Entscheidungen von den Managern durchaus zu Rate gezogen, wie Deutschlandchef Jan Meurer weiß. „Es ist eine Credo-Frage“ heißt es dann in der Runde. Zum Beispiel wenn es um den richtigen Umgang mit einem langjährigen Zulieferer geht, dessen technische Standards nicht den aktuellen Anforderungen entsprechen. „Wir schauen dann gemeinsam, wo uns das Credo Antworten liefert. Das ist nicht immer leicht“, sagt Meurer. Er leitet seit einem Jahr die Konsumgütersparte hierzulande. Den Vertrag eines langjährigen Partners einfach zu kündigen, kommt für Meurer und seine Kollegen nicht in Frage. Erst wird beispielsweise evaluiert, ob und wie der Zulieferer die geänderten Anforderungen erfüllen kann. Denn die Vorgabe „immer verantwortlich zu handeln“ schließt auch eine Verpflichtung gegenüber Geschäftspartnern ein.

Das starke Wertesystem dient als eine Art Kompass und gibt für alle im Unternehmen die Richtung vor: Es zwingt Manager innezuhalten und sich über die Konsequenzen ihrer Entscheidung bis ins Detail und für alle Betroffenen klar zu werden, es prägt zudem die Haltung der weltweit 127.000 Mitarbeiter bei der täglichen Arbeit. Immerhin hat sich Johnson & Johnson auf dieser Basis mit Marken wie Penaten, Listerine oder Dolormin, mit denen der Konzern zuletzt einen Umsatz von rund 70 Milliarden Dollar erzielte, zum Weltmarktführer in Sachen Gesundheitspflege entwickelt.


„Mut“ rangiert auf dem letzten Platz

Von altmodischem Schnickschnack kann also keine Rede sein. Gerade in Zeiten wie dem VW-Dieselabgas-Skandal oder dem Betrug bei Wells Fargo, bei dem die Bankangestellten im großen Stile Scheinkonten für Kunden eröffneten, um Gebühren abzuzocken und so ihre eignen überhöhten Zielvorgaben zu erreichen, ist eine wertebasierte Unternehmenskultur aktueller denn je.

Das belegt auch die neueste Studie der Wertekommission. Rund 1500 Manager, die sich für Werte wie Verantwortung, Integrität, Vertrauen, Respekt, Mut und Nachhaltigkeit im Wirtschaftsleben stark machen, haben sich in der privaten Initiative zusammengeschlossen. Zu ihnen zählen zum Beispiel Familienunternehmer Jürgen Heraeus, Bankier Friedrich von Metzler oder Michael Ilgner, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe.

Seit 2006 führt die Wertekommission alljährlich eine Befragung zum Wertebewusstsein unter deutschen Führungskräften durch, deren Ergebnisse exklusiv vom Handelsblatt veröffentlicht werden. Und die diesjährige Erhebung zeigt, dass „Verantwortung“ und „Vertrauen“ in den Augen von Führungskräften in Deutschland nahezu gleichauf die wichtigsten Werte sind, gefolgt von Integrität. Respekt und Nachhaltigkeit folgen auf den hinteren Plätzen. „Dass die befragten Managerinnen und Manager sich damit gegen absolutistische und egomanische, von Selbstsucht getriebene Anführer stellen, ist sicherlich ein ermutigendes Zeichen”, sagt Sven Korndörffer, Vorsitzender des Vorstands der Wertekommission.

Lediglich einen kleinen Wermutstropfen gibt es. Der Wert „Mut“ rangiert bei den befragten Führungskräften in diesem Jahr auf dem letzten Platz. Dabei gehört in vielen Fällen gerade besonders viel persönliche Courage dazu, verantwortungsvolles Wirtschaften zu verlangen, vor allem aber auch gegen Widerstände durchzusetzen.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%