Ethikbank lahmgelegt: Wenn sogar der Bank-Chef streikt

Ethikbank lahmgelegt: Wenn sogar der Bank-Chef streikt

, aktualisiert 16. März 2016, 17:31 Uhr
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Die Belegschaft der Volksbank Eisenberg und deren Tochter Ethikbank machen ihrer Sorge um die Zukunft der Genossenschaftsbanken Luft.

von Elisabeth Atzler und Leonidas ExuzidisQuelle:Handelsblatt Online

Die Reise nach Berlin war kein heiterer Betriebsausflug: Die Mitarbeiter der Volksbank Eisenberg und deren Direktbank-Tochter Ethikbank protestierten am Mittwoch lautstark gegen zu viel Bürokratie und zu niedrige Zinsen.

Der schrille Ton der vielen Trillerpfeifen ist bereits im nahe gelegenen Einkaufszentrum kaum zu überhören. Sie pfeifen, sie rufen, sie skandieren: gegen ein Übermaß an Regulierung und für weniger Bürokratie. Sie haben Plakate und Transparente mitgebracht und vor dem Gebäude des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) befestigt. Die Botschaft ist eindeutig: „Es reicht!“

Eine Bank protestiert im Kollektiv: Bei der Volksbank Eisenberg und ihrer Tochter Ethikbank treten nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch der Chef in den Streik. Auch andere Vorstände der gut 1.000 Genossenschaftsbanken murren, wenn es um Regulierung und Minizinsen geht. Aber keiner ist bisher so weit gegangen wie die Volksbank Eisenberg aus Thüringen. Sie trägt ihre Kritik nach Berlin.  „Wir haben unsere Belastungsgrenze längst überschritten“, sagt Vorstandschef Klaus Euler. „So kann es nicht mehr weitergehen.“ Chef und Mitarbeiter wollen vor dem Spitzenverband der Bankengruppe in Berlin ein Zeichen setzen gegen die zunehmende Regulierung und Bürokratie in ihrer täglichen Arbeit sowie die anhaltend niedrigen Zinsen.

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Mehrere hundert Seiten Papier haben einige Mitarbeiter mit in die Hauptstadt gebracht. Ein 290 Seiten dickes Dokument haben sie fein mit einer Schleife zusammengebunden und auf einen der wenigen Stehtische gestellt. Dieses Dokument soll stellvertretend stehen für den vermeintlichen Bürokratie- und Regulierungswahn in der Finanzwirtschaft. „Wenn ein Kunde eine Baufinanzierung abschließen will, müssen wir ihm diesen Stapel aushändigen“, berichtet ein Mitarbeiter. „Das liest niemand, das versteht niemand und das geht völlig am Kunden vorbei. Aber wir machen es, weil wir es müssen.“

Um die 70 Leute sind an diesem Mittwoch nach Berlin gereist. Es ist kalt und windig, viele der Streikenden haben Kapuzen und Mützen aufgesetzt. „Vom Aussterben bedroht“, steht in großen Buchstaben auf einem der Plakate – das Logo der Volksbank im Hintergrund. „So wird jede Volksbank krank“, heißt es auf einem anderen Plakat. Vor dem BVR-Eingang haben die Mitarbeiter ein großes Transparent mit den Worten „Interessentreter“ auf den Boden gelegt. Auf dem Transparent sind neben den Buchstaben zahlreiche Schuhe und Pantoffeln verteilt. Der BVR fungiere eben nicht als Interessenvertreter, sondern würde die Anliegen der Mitarbeiter mit Füßen treten, so der Vorwurf. „In erster Linie betrifft es uns Mitarbeiter, weil wir mit dem ganzen Mehraufwand konfrontiert werden. Bei der Vermittlung an die Kunden empfindet man ein unangenehmes Gefühl“, so einer der Streikenden.

Anregungen dieser Art stoßen beim BVR größtenteils auf Verständnis. „Wir sind wie die Ethikbank der Ansicht, dass die umfangreichen und komplexen administrativen Anforderungen aus der Bankenregulierung Genossenschaftsbanken vor große Herausforderungen stellen“, erklärt ein Sprecher. Einen Streik hält der Bundesverband allerdings für ungeeignet, da er „vor allem nicht im Interesse der Kundinnen und Kunden“, sei. Die Bankmitarbeiter allerdings berichten von größtenteils positivem Feedback seitens der Kunden. In einer eigens erstellten Liste mit Kundenstatements heißt es etwa: „Meine gedankliche Unterstützung habt ihr“ oder „Gut so, viel Erfolg.“

Hinter verschlossenen Türen spricht Vorstandschef Euler mit BVR-Verantwortlichen. „Das laute Pfeifen war auch während der Gespräche gut zu hören“, sagt er im Anschluss lächelnd. Als er nach dem Gespräch wieder durch den Haupteingang nach draußen kommt, herrscht mächtig Alarm. Für ein Telefonat muss man kurzzeitig zwei Straßen weiter ziehen. „Wir haben in einem angenehmen Gesprächsklima unsere Argumente ausgetauscht“, berichtet Euler. „Jeder prüft nun die Argumente des anderen, aber ich bin davon überzeugt, dass unsere Botschaft angekommen ist.“

Es soll ein Streik mit Symbolwirkung sein. Die Ethikbank, die ihr Investment streng nach ethischen und sozialen Normen ausrichtet, sieht sich durch die Entwicklung der vergangenen Jahre in ihrem Geschäftsmodell bedroht. „Wir sind nicht die einzigen, die so denken, aber bislang die einzigen, die es ansprechen“, ruft eine Mitarbeiterin. Die Bank hofft daher auf einen Schulterschluss mit weiteren Instituten, um künftig noch mehr Aufmerksamkeit erregen zu können. Auch für den Kunden – denn man wolle den Verbraucher schützen, und ihn nicht überfordern, wird an diesem kalten Tag im März mehrfach betont.

Quelle:  Handelsblatt Online
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