Europa-Aktien: Die drastische Kehrtwende der Analysten

Europa-Aktien: Die drastische Kehrtwende der Analysten

, aktualisiert 21. März 2016, 19:40 Uhr
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Sorgen machen den Aktienanalysten die mageren Gewinne europäischer Unternehmen.

Quelle:Handelsblatt Online

Das erste Jahresquartal hat Aktienstrategen offenbar die gute Laune gründlich verdorben. Die Erwartungen der Analysten für den europäischen Aktienmarkt haben sich komplett gedreht. Der Jahresausblick fällt düster aus.

LondonNoch vor ein paar Monaten erwarteten Aktienmarktbeobachter an den Europabörsen eine Rally von zwölf Prozent. Heute überwiegt der Pessimismus: Belastet durch die schwächsten Unternehmensergebnisse in mindestens neun Jahren und einen schwindenden Glauben an die Zentralbanken wird für den Euro Stoxx 50 jetzt nur ein Anstieg von einem Prozent bis Ende 2016 vorausgesagt.

Die drastischste Kehrtwende vollzog dabei die Société Générale SA: Sie senkte ihre Prognose für den Index von plus 22 Prozent auf minus 0,5 Prozent. „Wir befinden uns in einem Umfeld mit ziemlich schwachem Wachstum und die Unternehmen stellen fest, dass sie nicht in der Lage sind, das Gewinnwachstum zu liefern, das sie angedacht hatten“, sagt Peter Dixon, Volkswirt bei der Commerzbank in London. „Es gibt triftige Gründe, vorsichtig zu sein. Es wird lange dauern, bis wir wieder in die Nähe der Niveaus vom Jahresende kommen.“

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Der Jahresauftakt war turbulent: Besorgnis über Banken, die Wirtschaft Chinas und die US-Zinspolitik ließ die europäischen Aktien am 11. Februar auf den tiefsten Stand seit 31 Monaten absacken. Und selbst nach einer Erholung haben nur Energie- und Bergbauwerte ihre Verluste für dieses Jahr aufholen können. Zweidrittel der Indexmitglieder notieren immer noch unter dem Stand vom 31. Dezember.

Fast alle Strategen in der Umfrage von Bloomberg haben ihre Prognosen für 2016 seit Dezember nach unten korrigiert. Die durchschnittliche Erwartung für den Jahresendstand beim Euro Stoxx 50 sank von 3.646 auf 3.301 Zähler. Von der Europäischen Zentralbank wurde erhofft, dass sie dem Markt die Ängste nimmt. Doch die jüngste Entscheidung, alle drei Leitzinsen zu senken und die Anleihekäufe (QE) auszuweiten konnte keine starke Erholung anschieben.

„Ich bleibe sehr skeptisch, ob die Wirkungen von QE die Wirtschaft ankurbeln“, sagt Dixon. „Wenn es überhaupt funktioniert - und es muss sich erst noch erweisen, in welchem Ausmaß es funktioniert - werden die Wirkungen erst in weiterer Zukunft zu spüren sein.“


Schwache Unternehmensgewinne und der Ölpreis belasten

Morgan Stanley hatte Investoren am 13. März geraten, in die jüngste Rally zu verkaufen. Die Bank riet zur Vorsicht, vor dem Hintergrund schwacher makroökonomischer Aussichten und Unternehmensergebnisse. Analysten der Credit Suisse Group nannten europäische Aktien in einem Bericht vom 11. März einen „überfüllten“ Markt. Die Gewinne der Unternehmen im Euro Stoxx 50 werden Analystenschätzungen zufolge in diesem Jahr nur um 1,5 Prozent steigen. Noch im Dezember war ein Wachstum von 5,1 Prozent erwartet worden.

Gleichwohl ist die Allokation auf europäische Aktien im März gestiegen, wie aus einer Umfrage von Bank of America unter Fondsmanagern weltweit hervorgeht. Mit einem Kurs-/Gewinnverhältnis von 13,3 auf Basis der erwarteten Unternehmensgewinne werden die Aktien im Index nahe des niedrigsten Niveaus seit mehr als einem Jahr gehandelt. Zum Vergleich: Die Bewertung der US-Aktien liegt bei 16,6.

„Der Katalysator wird die nächste Runde der Ergebnisvorlagen sein“, sagt Patrick Spencer, Vice Chairman Aktien bei Robert W. Baird & Co. in London. Er geht davon aus, dass die Unternehmen ihre Kosten dramatisch senken werden, damit unterm Strich eine solide Profitabilität herauskommt. Daher sieht er eine stärkere Performance.

Für Simon Wiersma von der ING Bank in Amsterdam muss sich erst der Ölpreis auf zwischen 35 Dollar und 50 Dollar je Barrel in den nächsten drei bis sechs Monaten erholen und die deutschen Exporte - einer der größten europäischen Treiber - müssen zulegen, bevor er seine Jahresend-Ziele überprüft.

„Die Profitabilität muss besser werden“ und der Ölpreis müsse sich stabilisieren, sagt der Investmentmanager. „Wir brauchen irgendeine Bestätigung.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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