Europäische Zentralbank: EZB will Deflation ohne Helikopter-Geld bekämpfen

Europäische Zentralbank: EZB will Deflation ohne Helikopter-Geld bekämpfen

, aktualisiert 08. April 2016, 15:57 Uhr
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Die Verwendung von Helikopter-Geld wird diskutiert angesichts von Zweifeln bezüglich des Zustands der Wirtschaft und dem Potenzial bestehender EZB-Maßnahmen zur Ankurbelung der Inflation.

Quelle:Handelsblatt Online

Auch wenn die Europäische Zentralbank nicht auf Maßnahmen wie das umstrittene Helikopter-Geld zurückgreifen will: Die Währungshüter zeigen Bereitschaft, die Geldpolitik weiter zu lockern, um die Inflation anzuheizen.

Frankfurt/WarschauDie Europäische Zentralbank hat weiterhin Instrumente, um Deflationsrisiken zu bekämpfen, auch wenn sie nicht bereit ist auf extremere Maßnahmen wie Helikopter-Geld zurückzugreifen, sagt Ratsmitglied Jan Smets. „Helikopter-Geld steht nicht auf der Agenda und ich habe keine ausführliche Analyse darüber gesehen“, sagte Smets, der die belgische Notenbank leitet, in einem Bloomberg-Interview in Frankfurt am Donnerstag.

„Sollten in Zukunft die finanziellen Rahmenbedingungen dies wegen Schocks oder anderer Entwicklungen rechtfertigen, haben wir eine Reihe von Instrumenten, die verwendet werden können und sowohl Zinsen als auch unkonventionelle Geldpolitik umfassen.“

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Smets schließt sich einer Reihe von EZB-Währungshütern an, die ihre Bereitschaft betonen, die Geldpolitik gegebenenfalls weiter zu lockern. Die Äußerungen signalisieren aber auch, dass die Notenbanker hoffen, dass das nach ihrer März-Sitzung angekündigte umfassende Lockerungspaket helfen wird, die zu niedrige Inflation anzugehen.

Smets sagte, es werde dauern, bis das Maßnahmenbündel vom März seine tatsächliche Wirksamkeit zeigen wird. Im März beschloss die EZB neben Zinssenkungen eine Ausweitung der quantitativen Lockerung um Unternehmensbonds, eine Anhebung des monatlichen Kaufvolumens sowie langfristige Kredite an Banken.

„Ich habe keinerlei Zweifel an der Wirksamkeit und am positiven Beitrag des neuen Pakets“, sagte er. „Alle Aspekte des Pakets sind wichtig, aber als Ganzes signalisiert es die Entschlossenheit des Rates, alles Notwendige zu tun, um sein Mandat zu erfüllen.“

Die Verwendung von Helikopter-Geld wird diskutiert angesichts von Zweifeln bezüglich des Zustands der Wirtschaft und dem Potenzial bestehender EZB-Maßnahmen zur Ankurbelung der Inflation. Dabei wird angestrebt, Geld so direkt wie möglich in die Wirtschaft zu pumpen und die üblichen Mittler wie Banken zu umgehen.

Während EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio und Direktoriumsmitglied Peter Praet die Maßnahme am Donnerstag ausschlossen, äußerte sich Ratsmitglied Ignazio Visco mehrdeutig.

Der Anstieg der Verbraucherpreise im Euroraum hat seit drei Jahren das EZB-Ziel von knapp 2 Prozent verfehlt, die Preise fielen im März den zweiten Monat in Folge. Constâncio sagte vor dem Europäischen Parlament in Brüssel am Donnerstag, dass „Zweitrundeneffekte“ – wo eine schwache Inflation sich auf Löhne und Vereinbarungen überträgt – nun sichtbar seien.

„Eine langwierige Phase niedriger Inflation ist wirklich schlecht“, sagte Smets. „Wir führen keine Politik in einem Labor sondern in der echten Welt durch, die sich glücklicherweise oder unglücklicherweise ändert und weiter ändern wird. Die Tatsache, dass das Ergebnis ein wenig enttäuschend ist, bedeutet nicht, dass die Politik nicht funktioniert, sondern dass die Lage ohne sie schlechter wäre.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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