Europäische Zentralbank: Trump-Sieg macht EZB nervös

Europäische Zentralbank: Trump-Sieg macht EZB nervös

, aktualisiert 24. November 2016, 10:41 Uhr
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Der Vizechef der Europäischen Zentralbank stellte den Finanzstabilitätsbericht vor.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Die politischen Risiken für die europäischen Finanzmärkte sind nach Einschätzung der EZB gestiegen. Das liegt vor allem am Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl – und deren möglichen wirtschaftlichen Folgen.

FrankfurtDie Gefahren für das europäische Finanzsystem sind nach Ansicht der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Mai weiter gestiegen. Zwar habe sich das Finanzsystem der Euro-Zone als widerstandsfähig gezeigt, doch die Gefahr von Kurskorrekturen an den globalen Finanzmärkten habe sich intensiviert, heißt es im Finanzstabilitätsbericht, den die EZB am Donnerstag veröffentlichte.

Ein wichtiger Grund dafür ist das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl, das der Republikaner Donald Trump Anfang November für sich entschieden hatte. „Die Folgen für die Finanzstabilität der Eurozone, die von Änderungen der US-Wirtschaftspolitik herrühren, sind höchst ungewiss“, heißt es in dem Bericht. Dessen ungeachtet dürfte die Wirtschaftspolitik stärker nach innen gerichtet werden und das Haushaltdefizit der USA könne wachsen. „Die Wirtschaft der Euro-Zone könnte direkt über Handelskanäle und durch mögliche Überlaufeffekte durch höhere Zinsen und Inflationserwartungen in den USA betroffen sein“, warnt die EZB.

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Schon im Mai hatte die EZB in ihrem Finanzstabilitätsbericht vor Kurskorrekturen gewarnt, damals aber auf die instabile Lage in einigen Schwellenländern verwiesen. Diese Risiken sind geblieben, die US-Wirtschaftspolitik kommt jetzt als weiterer Faktor oben drauf. Bislang haben die Aktien- und Anleihemärkte politische Überraschungen wie den Brexit, also den Beschluss Großbritanniens, aus der EU auszutreten, und auch die unerwartete Wahl Donald Trumps gut weg. Vor allem die Hoffnung Aussicht auf ein expansives Ausgabenprogramm Trumps habe die Märkte beflügelt, sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio.

Doch gerade die Gelassenheit der Märkte beunruhigt die EZB eher. Die Risikoprämien befänden sich weltweit auf einem sehr niedrigen Niveau, und größere Kursschwankungen seien in naher Zukunft wahrscheinlich – und damit auch das Potenzial für abrupte Kurskorrekturen.

Bislang hätten sich die Preise für Vermögenswerte nach Phasen erhöhter Kursschwankungen immer wieder schnell erholt. „Da sich solche Muster etablieren, besteht das Risiko, dass sich Marktteilnehmer in Sicherheit wiegen, weil sie die Wahrscheinlichkeit für andauernde Kurskorrekturen für unwahrscheinlicher halten.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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