Europäische Zentralbank: Warum sich die EZB für die Telekom interessieren könnte

Europäische Zentralbank: Warum sich die EZB für die Telekom interessieren könnte

, aktualisiert 14. März 2016, 16:55 Uhr
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Anleihen der Deutschen Telekom könnten bald auf der Kaufliste der EZB stehen.

von Andrea CünnenQuelle:Handelsblatt Online

Die Europäische Zentralbank wird ab Ende Juni auch Unternehmensanleihen kaufen. Welche genau das sein werden, steht noch nicht fest. Aber gerade deutsche Firmen mit guter Bonität dürften vom EZB-Geldsegen profitieren.

FrankfurtSpekuliert darauf haben Investoren schon lange, doch im Sommer wird es Wirklichkeit. Die europäischen Währungshüter um Mario Draghi erweitern ihr Arsenal und kaufen Anleihen von Unternehmen. Im November hatte es bei Fondsmanagern noch geheißen, dass es schwer sei zu sagen, ob die Europäische Zentralbank (EZB) Firmenbonds kaufen wird. Das Ganze sei zu vage, um Anleiheentscheidungen darauf aufzubauen. Auf jeden Fall würde ein solcher Schritt die Risikoprämien deutlich sinken lassen, meinten Fondsmanager schon damals.

Genau davon könnten Investoren jetzt profitieren und sich über steigende Kurse freuen. Auf der anderen Seite sinken zwar für Neueinsteiger die ohnehin schon niedrigen Renditen von im Schnitt nur knapp einem Prozent für Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität. Bereits in den vergangenen Tagen bröckelten die Renditen vieler Papiere: Die Risikoaufschläge (Spreads) im iTraxx Europe Non-Financials fielen seit der Ankündigung der EZB am Donnerstag um mehr als 20 Basispunkte auf rund 67 Basispunkte. Dennoch: Gerade professionelle Anleger, die Bonds nicht bis zur Fälligkeit halten, könnten von zumindest zwischenzeitlichen leichten Kursgewinnen profitieren. Zu den Profiteuren zählen auch die Unternehmen, deren Anleihen die EZB kauft. Denn sie können sich künftig voraussichtlich noch günstiger refinanzieren.

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Strategen haben daran keine Zweifel: „Extrem positiv“ sei die Ankündigung der EZB für die Aussichten von Unternehmensanleihen, urteilt die französischen Großbank BNP Paribas. Auch die Deutsche Bank meint, dass die Käufe der EZB den Markt für Unternehmensanleihen noch weiter stützen werden. Ein Problem für Investoren ist allerdings, dass sie mit der EZB jetzt einen mächtigen Käufer als Konkurrenten haben. Zudem hält die EZB die Anleihen bis zur Fälligkeit. Der ohnehin schon schwieriger gewordene Handel mit Unternehmensanleihen könnte daher leiden. Die EZB-Käufe werden die „Liquidität im Markt weiter schwächen“, ist Suki Mann, unabhängiger Analyst in London, überzeugt.

Kaufen will die EZB Bonds von Firmen abseits der Finanzbranche mit guten Ratings, das heißt Anleihen von Unternehmen, denen die großen Ratingagenturen Bonitätsnoten im Bereich des Investment-Grade geben. Dabei reicht es jedoch, wenn eine einzige Agentur dieses Gütesiegel vergibt. Es könnten also theoretisch auch Bonds von Unternehmen wie der deutsche Dialysespezialist Fresenius Medical Care darunter fallen, dessen Bonität Standard & Poor’s (S&P) mit „BBB-“ auf der untersten Stufe des Investment-Grade bewerten, während Moody’s und Fitch mit „Ba1“ und „BB+“ die Bonität im Ramschbereich für schwächere Schuldner sehen.


Ankaufliste der EZB ist noch geheim

Welche Anleihen die EZB erwerben wird, ist aber noch geheim. Fest steht nur, dass sich die Notenbank bei den Käufen am Kapitalschlüssel der EZB orientieren wird, das heißt: Aus den Ländern, die das meiste Kapital an der EZB halten, wird die Notenbank die meisten Anleihen kaufen. Das ist auch schon bei den seit gut einem Jahr laufenden Staatsanleihekäufen so. Deutschland hält mit 27 Prozent das meiste Kapital an der EZB, gefolgt von Frankreich mit 22 Prozent und Italien mit 19 Prozent. Somit werden die Käufe deutschen Unternehmen besonders viel nützen.

Ganz neu ist der Ankauf von Unternehmensanleihen dabei streng genommen nicht. Bereits im vergangenen Juli hatte die EZB die Liste der kaufbaren Schuldner auf staatsnahe Unternehmen aus dem Infrastrukturbereich erweitert. Dazu gehörten keine deutsche Firmen. Auf der Kaufliste stehen seither beispielsweise Bonds von der österreichischen ÖBB-Infrastruktur, dem französischen Schienennetzbetreiber SNCF Réseau und dem italienischen Versorger Enel. Die Kurse der Anleihen dieser Unternehmen sind seither deutlich gestiegen, entsprechend liegt die Rendite zum Beispiel der fünfjährigen Anleihe von Enel nur noch bei 0,6 Prozent – im Juli 2015 waren es noch 1,4 Prozent.

Diese Unternehmen gehören seither zur Gruppe der Bonds, die die EZB im Rahmen des Public Sector Purchase Programme (PSPP) kauft. Den Löwenanteil des PSPP machen Staatsanleihen aus, dazu kommen Anleihen von staatsnahen Institutionen wie zum Beispiel der KfW Bankengruppe und von supranationalen Instituten wie der Europäischen Investitionsbank oder den Euro-Rettungsschirmen.

Analysten von der DZ Bank, der Landesbank Baden-Württemberg und der Société Générale hatten dabei schon im vergangenen Sommer spekuliert, dass auch Anleihen von Unternehmen, an denen die Staaten beteiligt sind, in den Genuss der EZB-Käufe im Rahmen des PSSP kommen könnten. Dazu gehören aus Deutschland zum Beispiel die Deutsche Bahn, die Deutsche Post, die Deutsche Telekom und Volkswagen.

Dazu kam es nicht, doch dafür gibt es jetzt eben das neue Kaufprogramm für Unternehmensanleihen, das die EZB „Corporate Sector Purchase Programme (CSSP) nennt. Die Analysten von Morgan Stanley gehen davon aus, dass die EZB von Ende Juni 2016 bis März 2017 monatlich Unternehmensanleihen im Umfang von vier bis fünf Milliarden Euro kaufen wird.

In separaten Kaufprogrammen erwirbt die EZB zudem Pfandbriefe – also mit Hypotheken oder Krediten an die öffentliche Hand gedeckte und als sehr sicher geltende Anleihen von Banken sowie in kleinem Umfang Verbriefungen, sogenannte Asset Backed Securities. Ihre gesamten Anleihekäufe wollen die Notenbanker dabei auf 80 Milliarden Euro ausweiten. Bislang haben sie Monat für Monat Anleihen für etwa 60 Milliarden Euro gekauft. Davon entfielen je rund 50 Milliarden Euro auf die öffentlichen Anleihen im Rahmen des PSPP.

Quelle:  Handelsblatt Online
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