Ex Dividende: Minus fünf Prozent über Nacht? Keine Panik!

Ex Dividende: Minus fünf Prozent über Nacht? Keine Panik!

, aktualisiert 07. April 2016, 07:51 Uhr
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Wenn ein Aktienkurs einbricht, muss das kein Grund zur Panik sein.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Auf den ersten Blick ist der Schock groß: Von heute auf Morgen bricht ein Aktienkurs ein – trotz guter Geschäftszahlen und eines ruhigen Marktumfelds. Die Erklärung ist einfach und Anleger können davon sogar profitieren.

FrankfurtRuhe bewahren! Diesen Tipp kann man Anlegern eigentlich immer geben. Panikartig sollten sie sich nie von ihren Aktien trennen oder neue dazu kaufen. Momentan ist überlegtes Handeln aber besonders wichtig, denn die Dividendensaison hat begonnen – und das kann die Aktienkurse ganz schön durcheinanderwirbeln. Dass Kurse über Nacht um mehrere Prozent einbrechen, kann jetzt völlig normal sein.

Am heutigen Donnerstag sollten Anleger die Daimler-Papiere genau beobachten, denn gestern auf der Hauptversammlung haben die Aktionäre über die Dividende abgestimmt. Pro Aktie sollen stolze 3,25 Euro an die Anteilseigner fließen, 80 Cent mehr als im Vorjahr. Insgesamt erhalten die Aktionäre 3,5 Milliarden Euro. Eine solch hohe Ausschüttung gab es bei dem Stuttgarter Autobauer noch nie.

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Ausgezahlt wird die Dividende stets am Tag nach der Hauptversammlung – im Fall von Daimler also heute. An diesem Tag werden die Papiere „ex Dividende“ gehandelt. Um Anleger darauf aufmerksam zu machen, tragen die Kurse dann den Zusatz „xD“ oder „exDiv“. Das bedeutet, dass der Kurs um den Ausschüttungsbetrag reduziert wurde. Mathematisch betrachtet hieße das für Daimler: Da die Papiere am Mittwoch bei 62,50 Euro geschlossen haben, müssten sie heute 3,25 Euro weniger kosten, also bei 59,25 Euro notieren.

„Die Kursentwicklung lässt sich aber nicht genau vorhersehen, weil am Morgen gleich schon neue Orders ausgeführt werden, die bereits vor Börsenöffnung abgegeben wurden“, sagt Florian Weber Chef der Schnigge Wertpapierhandelsbank aus Düsseldorf. Dass die Kurstafel am Morgen exakt 59,25 Euro anzeigt, ist also unwahrscheinlich. „An einem starken Handelstag kann es sogar sein, dass die Aktie die Dividendenausschüttung schnell wieder aufholt“, so Weber.

Die Dividende bekommt jeder Anleger, der die Aktie am Tag der Hauptversammlung gehalten hat – egal, ob er sie schon ein Jahr lang im Depot hatte oder gerade erst erworben hat. Das bietet Raum für Spekulanten: „Wer darauf setzt, dass die Aktie den Kursverlust schnell wieder aufholt, kann sie am Tag vor der Ausschüttung kaufen, die Dividende einstreichen und sich nach einer Kurserholung wieder davon trennen“, erklärt Weber das Prinzip.

Im deutschen Leitindex machen sich die Dividendenauszahlungen allerdings nicht bemerkbar – zumindest nicht in jenem „Dax“, der in Deutschland im Fokus der Betrachtung steht. Wer vom Dax spricht, meint den Performance-Index. In seine Berechnung fließen die ausgeschütteten Dividenden mit ein – der theoretische Kursabschlag wird also durch Hinzurechnung der Dividende sofort wieder ausgeglichen. Anders dagegen beim Dax-Kurs-Index. Sein Kurs fällt nach Ausschüttungen.


Performance- versus Kurs-Dax

Beide Indizes wurden am 31. Dezember 1987 ins Leben gerufen und starteten bei 1000 Punkten. Inzwischen steht der Dax-Performance-Index bei rund 9600 Punkten. Der Kursindex dagegen notiert bei 4800 Punkten. „Das führt zu der Aussage, dass der Dax noch immer relativ niedrig bewertet“, sagt Wertpapierexperte Weber. „Wer die Dax-Entwicklung mit anderen internationalen Indizes vergleichen will, wählt meist besser den Kursindex, denn Dow Jones oder Euro Stoxx 50 sind ebenfalls Kurs-Indizes.“

Üppige Dividendenzahlungen haben den Kurs des Performance-Index also ordentlich angetrieben. In diesem Jahr können sich Anleger erneut auf Rekorddividenden freuen. Die Unternehmen, die im regulierten deutschen Aktienmarkt notiert sind, werden insgesamt mehr als 42 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner ausschütten. Das zeigt die neue Dividendenstudie der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) und der Research-Plattform „Dividendenadel“, die am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt wurde.


Für MDax, SDax und TecDax stehen die Rekorde schon fest. „Der Trend zur Gewinnausschüttung bei kleineren Gesellschaften setzt sich – zumindest was die Indizes angeht – weiter fort“, sagt Studienautor und Dividendenadel-Geschäftsführer Christian Röhl. Im SDax stiegen die Dividendensummen um 24 Prozent, im MDax um 13 und im TecDax um vier Prozent. Dagegen gehen die Aktionäre von rund 45 Prozent der restlichen Prime-Standard-Werte leer aus. Im General Standard sind es sogar zwei Drittel. Dennoch sagt Röhl: „In der Breite sehen wir einen spektakulär guten Dividendenjahrgang.“

DSW-Chef Marc Tüngler bezeichnete die Ausschüttungen als „wahren Dividendenregen“. Schade sei jedoch, dass sehr viele deutsche Anleger davon nichts abbekommen. Denn rund 64 Prozent der Dax-Gesellschaften gehören ausländischen Investoren. „Von den rund 30,1 Milliarden Euro, die die 30 größten deutschen AGs an ihre Anteilseigner ausschütten, landen im Durchschnitt mehr als 19 Milliarden Euro nicht in den Portemonnaies deutscher Anleger“, rechnet Tüngler vor.


Laut Deutschem Aktieninstitut (DAI) besaßen im vergangenen Jahr rund neun Millionen Menschen in Deutschland Aktien oder Anteile an Aktienfonds. Das waren immerhin 560.000 mehr als 2014. Zur Hochzeit des neuen Marktes, im Jahr 2001, waren fast 13 Millionen gezählt worden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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