Ex-EZB-Volkswirt: Issing sieht Helikoptergeld als Bankrotterklärung

Ex-EZB-Volkswirt: Issing sieht Helikoptergeld als Bankrotterklärung

, aktualisiert 23. März 2016, 04:49 Uhr
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Der ehemalige Chef-Volkswirt der EZB, Otmar Issing (Archivfoto).

Quelle:Handelsblatt Online

Zielgenaue Finanzspritzen an Unternehmen hat EZB-Präsident Draghi als interessante Idee bezeichnet. Das stößt dem ehemaligen EZB-Chefvolkswirt Issing sauer auf. Er warnt vor dem so genannten „Helikoptergeld“.

FrankfurtDer ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, warnt vor Geldgeschenken der Notenbank in Form von „Helikoptergeld“.

„Die ganze Idee des helicopter money halte ich für besorgniserregend, für geradezu verheerend. Denn das ist ja nichts anderes als eine Bankrotterklärung der Geldpolitik“, sagte Issing der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. „Eine Notenbank, die Geld verschenkt, wird kaum mehr die Kontrolle über die Notenpresse wiedererlangen können.“

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Mit „Helikoptergeld“ sind zielgenaue Finanzspritzen an Unternehmen und Verbraucher direkt von der Zentralbank unter Umgehung des normalen Bankensektors gemeint. EZB-Präsident Mario Draghi hatte diese Idee auf Nachfrage als „sehr interessantes Konzept“ bezeichnet.

Der Rat der Notenbank habe solche Ideen allerdings bisher nicht genauer erörtert. „In der Wissenschaft kann man sich alles Mögliche überlegen, da gibt es kein Tabu. Aber diese Debatte hat ja den öffentlichen Raum erreicht. Ich halte das für eine totale Geistesverwirrung“, kritisierte Issing.

„Technisch gibt es keine Grenze für die Munition, inhaltlich stellt sich schon die Frage, was man mit immer expansiveren Mitteln der Geldpolitik erreichen will. Meine Besorgnis kann ich nicht verhehlen“, sagte Issing, der nach acht Jahren als Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank anschließend in gleicher Position beim Aufbau der EZB eine maßgebliche Rolle spielte.

„Was ich vor allem beklage ist, dass die wirtschaftliche Lage in der Welt in ein Chaos hineingeredet wird, von dem keine Rede sein kann“, betonte der Wirtschaftsprofessor.

Quelle:  Handelsblatt Online
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