Exchange-traded funds: Investieren nach dem Baukastenprinzip

Exchange-traded funds: Investieren nach dem Baukastenprinzip

, aktualisiert 19. Oktober 2016, 08:30 Uhr
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Auch nachhaltige Investments sind über ETF möglich.

von Julia GrothQuelle:Handelsblatt Online

Mit börsengehandelten Indexfonds können sich Anleger ein günstiges und breit diversifiziertes Portfolio zusammenstellen. Bei einigen Anlageklassen ist allerdings Vorsicht geboten.

KölnLange Zeit galten börsengehandelte Indexfonds (ETFs) in erster Linie als Produkte für institutionelle Investoren. Seit einigen Jahren werden sie aber auch bei Privatanlegern immer beliebter. Mehr als zwei Drittel der Privatinvestoren, die inzwischen Indexfonds im Depot haben, wollen deren Anteil an ihrem Portfolio erhöhen, zeigt eine Studie der Agentur Edelman Ergo aus dem laufenden Jahr. Und sie handeln auch danach: 27 Prozent dieser Anleger haben mindestens ein Viertel ihres Anlagekapitals in ETFs investiert. Im Vorjahr waren es nur 23 Prozent.

Privatanleger schätzen an ETFs vor allem die vergleichsweise niedrigen Kosten. Weil Indexfonds nicht aktiv verwaltet werden, fallen keine Managementgebühren an. Darüber hinaus gelten ETFs als transparente und simple Anlageprodukte, mit denen man Kapital ohne großen Aufwand breit streuen kann. Tatsächlich lässt sich aus wenigen Indexfonds schnell ein relativ breit diversifiziertes Aktien-Renten-Portfolio bauen. Wollen Investoren mit Indexfonds eine komplexere Anlagestrategie umsetzen, ist allerdings ein bisschen mehr Aufwand nötig.

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Viele ETF-Anbieter bieten sogenannte Core-ETFs an. Diese bilden die Wertentwicklung breiter und bekannter Marktindizes ab, etwa des MSCI World, des europäischen Eurostoxx 50 oder des US-amerikanischen S&P 500. Sie sind selbst für Indexfonds-Verhältnisse besonders günstig, mit Gebühren im unteren Promille-Bereich. Die Idee der Anbieter: Investoren sollen Core-ETFs als Kernbausteine für das Portfolios nutzen und damit die wichtigsten Märkte günstig abdecken. Langfristig knabbern hohe Gebühren nämlich an der Rendite. Niedrige Gebühren machen sich dagegen auf Dauer besonders positiv bemerkbar.

Ein Portfolio-Kern aus breit diversifizierten Indexfonds ist sinnvoll, urteilt Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau in München. „Core-ETFs sind günstig und liquide“, sagt er. „Welche Investments Anleger konkret wählen, sollte von ihrer Risikobereitschaft und ihrem Anlagehorizont abhängen.“ Investoren dürfen allerdings nicht dem Trugschluss verfallen, mit den Produkten tatsächlich ganze Märkte zu kaufen, warnt Beck: „Man kauft immer nur ein bestimmtes Modell eines Marktes.“

So setzt sich etwa der deutsche Leitindex Dax 30 anders zusammen als der Aktienindex MSCI Germany. Das ist für sich genommen kein Problem. Anleger sollten sich dessen aber bewusst sein und ihre Anlageentscheidungen entsprechend treffen. Wer als Kerninvestment einen ETF auf einen globalen Aktienindex kaufen will, kann zum Beispiel ein Produkt auf den MSCI World kaufen, oder aber ein Produkt auf den MSCI All Countries World. Letzterer deckt neben den großen Industriestaaten auch Schwellenländer mit ab.


Kernportfolio ergänzen

Investoren sollten ihr Kernportfolio um spezielle Anlageprodukte ergänzen, die ihre Chancen auf Rendite steigern, raten Anlageexperten. Das können zum Beispiel Produkte sein, die auf bestimmte Regionen, Anlageklassen oder Strategien setzen. Auch dieser Teil des Portfolios lässt sich mit ETFs abdecken. Während Indexfonds früher nur auf breiten Marktbarometern basierten, können Anleger damit heute sogar in einzelne Schwellenländer investieren. So gibt es etwa Indexfonds für den taiwanesischen, brasilianischen, polnischen oder saudi-arabischen Aktienmarkt.

Einzelne Anlagethemen kann man mittlerweile ebenfalls mit ETFs umsetzen. Es gibt Indexfonds auf Branchen wie den Pharma- oder den Robotik-Sektor, es gibt Produkte, die von Trends wie der Digitalisierung oder vom demografischen Wandel profitieren sollen. Und es gibt ETFs, die noch speziellere Wünsche erfüllen, etwa nach einer nachhaltigen Geldanlage, nach einem Investment, das islamischen Anlagegrundsätzen folgt, oder nach einer ganz bestimmten Anlagestrategie.

Auch für eher abseitige Anlageklassen haben Investmenthäuser mittlerweile ETFs in der Palette. State Street Global Advisors etwa hat vor zwei Jahren den ersten Indexfonds für globale Wandelanleihen aufgelegt. Auch Immobilienaktien- und Private-Equity-Investments sind seit längerem via ETF möglich.

Marktbeobachter sind von dieser Entwicklung allerdings nicht nur begeistert. Grund: Alternative Anlageklassen wie Wandelanleihen und Private Equity sind längst nicht so liquide wie Aktien oder herkömmliche Anleihen. Wenn die Kurse fallen und viele Anleger gleichzeitig ihre Investments verkaufen wollen, gibt es mitunter nicht genügend Käufer.

Für Indexfonds, die sich möglichst genauso entwickeln sollen wie der Markt, ist das ungünstig. „Für liquide Anlageklassen sind ETFs sehr gut geeignet“, sagt Beck. „Bei weniger liquiden Anlageklassen kann es dagegen je nach Marktphase Probleme geben. Ein ETF kann nie liquider sein als der Markt, der ihm zugrunde liegt.“


Privatanleger müssen nicht in alle Anlageklassen gehen

Nicht nur mangelnde Liquidität spricht dagegen, sämtliche Anlageklassen mit passiven Indexfonds abzudecken. „In manchen Anlageklassen macht die geschickte Selektion den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg“, sagt Detlef Glow, Fondsanalyst beim Datenanbieter Thomson Reuters Lipper. Zum Beispiel bei Hochzinsanleihen: Die Papiere bieten besonders hohe Zinsen, bergen aber im Gegenzug ein hohes Ausfallrisiko. Aktive Fondsmanager können die Unternehmen hinter den Anleihen unter die Lupe nehmen und beurteilen, wie hoch das Risiko tatsächlich ist. Hochzins-ETFs dagegen kaufen querbeet. „Bei einigen Anlageklassen sollten Investoren besser auf aktives Management setzen“, rät Glow.

Privatanleger müssen nicht unbedingt in alle Anlageklassen investieren. „Sie sollten ihr Portfolio so einfach wie möglich halten“, sagt Glow. Das heißt: Einige speziellere Investments als Renditebringer sind in Ordnung. Südkoreanische Hochzinsanleihen oder kanadische Immobilienaktien gehören aber nicht zwangsläufig ins ETF-Portfolio. Viele spezielle Anlageregionen lassen sich mit ETFs auf breite Indizes zudem auch gut indirekt mit abdecken. So erzielen etwa viele der Unternehmen im europäischen Aktienindex Eurostoxx 50 einen großen Teil ihres Umsatzes in Schwellenländern.

Grundsätzlich ist ein reines ETF-Portfolio konstruierbar und auch sinnvoll, sagt Glow. Investoren sollten aber nicht vergessen, dass Indexfonds im Gegensatz zu aktiv verwalteten Fonds kein Risikomanagement haben. „Will man als ETF-Investor Verluste vermeiden, muss man aktiv handeln“, sagt Glow. Man muss also in Abwärtsphasen rechtzeitig aus- und in Aufwärtsphasen rechtzeitig wieder einsteigen. Oder man bleibt über sehr lange Zeit investiert.

Quelle:  Handelsblatt Online
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