Expedition „Uhrwerk Ozean“: Meeresforschung mit dem Zeppelin

Expedition „Uhrwerk Ozean“: Meeresforschung mit dem Zeppelin

, aktualisiert 23. Mai 2016, 13:19 Uhr
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Das Luftschiff wird die Ostsee mit hochauflösenden Kameras unter die Lupe nehmen.

Quelle:Handelsblatt Online

Große Meeresströme wie der Golfstrom gelten als gut erforscht. Kaum untersucht sind dagegen die für den Nährstofftransport der Meere wichtigen kleinen Wasserwirbel. Nun gehen Forscher auf die Jagd nach den Mini-Wirbeln.

Geesthacht/PeenemündeMit einem Zeppelin fahnden Küstenforscher des Helmholtz-Zentrums in Geesthacht nach Meereswirbeln in der Ostsee. Das Luftschiff wird im Juni mit hochauflösenden Kameras über die Ostsee fahren, um die vergleichsweise kleinen und instabilen Meereswirbel zu erfassen.

Das Forscherteam wolle mit der Expedition Daten darüber sammeln, welchen Einfluss diese Wirbel auf die Ozeanzirkulation und die Nahrungskette in den Ozeanen haben, sagt der Leiter des Instituts für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum, Burkard Baschek. „Wie in einem Uhrwerk die Zahnräder greifen im Meer die Meereswirbel ineinander.“ Die Expedition „Uhrwerk Ozean“ startet am 18. Juni in Peenemünde auf Usedom.

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Als Randmeer ist die Ostsee weitgehend frei von Gezeitenströmungen und damit von störenden Faktoren, die die Messungen beeinflussen könnten. Ziel der Expedition ist das südliche Bornholm-Becken mit Wassertiefen von 50 bis 70 Metern. Der Zeppelin soll nach Angaben des Instituts mit hochauflösenden Thermalkameras die für das menschliche Auge nicht sichtbaren Meereswirbel erfassen.

Erkennbar sind die Wasser-Tornados an Temperaturunterschieden – im Kern ist der Wirbel um bis zu ein Grad kälter. Vier Schiffe sollen die per Zeppelin entdeckten Wirbel dann vermessen.

Bislang sei der Einfluss dieser kleinen Meereswirbel auf die Ozeanzirkulation im Meer kaum untersucht, so Baschek, der die Expedition leitet. Im Gegensatz zu den großen Meeresströmungen wie dem Golfstrom sind die kleineren Meereswirbel nur 100 Meter bis zehn Kilometer groß und zerfallen innerhalb weniger Stunden.

„Die Ozeanzirkulation funktioniert wie ein Uhrwerk, angetrieben vor allem vom Wind“, so der Ozeanograf. An den Flanken der großen Meeresströmungen entstünden Wirbel, an deren Flanken wiederum noch kleinere Wirbel. „Wir beobachten eine Kaskade von groß zu klein.“


Beobachtung aus 1000 Meter Höhe

Während die großen Strömungen inzwischen gut untersucht sind, seien die Klein-Wirbel der „Missing Link“ im Verständnis der Ozeanzirkulation. Erst vor wenigen Jahren sei es gelungen, die Mini-Wirbel über theoretische Computermodelle nachzuweisen. Die direkte Vermessung eines solchen Wasser-Tornados gelang einem Team unter Leitung von Baschek erstmals im Jahr 2009 vor der kalifornischen Küste.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass durch die Vermischung die Mini-Wirbel wiederum die größeren Meereswirbel beeinflussen. Zudem ließen Modelle vermuten, dass die Hälfte der Mikroalgenproduktion in kleinen Wirbeln passiert, weil dort Nährstoffe an die Wasseroberfläche gelangen, die das Algenwachstum fördern.

Bei der Ostsee-Expedition wird weltweit erstmals ein Zeppelin für die Meeresforschung genutzt. Das Luftschiff soll in rund 1000 Meter Höhe über das Wasser gleiten. Der Einsatz bietet mehrere Vorteile: Anders als ein Flugzeug kann der Zeppelin über dem Wirbel „stehen“. „Wir verlieren den Wirbel nicht aus dem Blick“, so Baschek.

Zudem biete der Kommandostand mehr Platz für die Messgeräte. An der Expedition unter Federführung des Helmholtz-Zentrums sind 40 Wissenschaftler aus sechs Instituten beteiligt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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