EZB-Bankenaufsicht: EZB fordert Banken zum Abbau von Problemkrediten auf

EZB-Bankenaufsicht: EZB fordert Banken zum Abbau von Problemkrediten auf

, aktualisiert 14. November 2017, 12:45 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Faule Kredite sind nach wie vor die größte Herausforderung der EU-Banken. Die EZB fordert sie nun auf, Maßnahmen gegen ausfallgefährdete Darlehen zu ergreifen. Deren Bestand summiert sich auf 795 Milliarden Euro.

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Vize-Chefin der EZB-Bankenaufsicht, Sabine Lautenschläger, sieht in dem robusten Wachstums die beste Grudlage für tiefgreifende Maßnahmen.

Frankfurt/MainEuropas Bankenaufseher fordern von der Branche mehr Anstrengungen zum Abbau von Problemkrediten. Zwar seien die Bestände ausfallgefährdeter Darlehen („Non-Performing Loans“/NPL) im Euroraum seit 2015 um fast 200 Milliarden auf 795 Milliarden Euro verringert worden. Aber faule Kredite seien weiterhin „die größte Herausforderung“ für den Bankensektor, sagte die Vize-Chefin der EZB-Bankenaufsicht, Sabine Lautenschläger, am Dienstag in Frankfurt.

„Die Bestände sind in Teilen des Bankensektors immer noch zu hoch. Darum müssen Banken handeln. Und das Umfeld dafür könnte nicht besser sein“, betonte Lautenschläger mit Blick auf das robuste Wirtschaftswachstum. Die teils hohen Bestände solcher Altkredite bremsen Banken aus, frisches Geld zu vergeben. Bekommen Unternehmen notwendige Kredite nicht, müssen Investitionen eventuell aufgeschoben werden, und der Aufschwung kommt ins Stocken.

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Die Aufsicht habe zwar feste Erwartungen an die Banken. Es gebe aber keine automatischen Schritte, die damit verbunden seien, sagte Lautenschläger. Die Bankenwächter würden im späteren Verlauf dieses Monats damit beginnen, den Instituten Feedback zu geben zu ihren Plänen, ihre Bestände an notleidenden Darlehen abzubauen.

Die EZB will nur unter besonderen Umständen zur Bereitstellung zusätzlichen Kapitals für die Abdeckung fauler Kredite auffordern. Nur wenn Gespräche mit den Instituten zur Verringerung ihrer notleidenden Darlehen fehlschlagen, werde die EZB-Bankenaufsicht diesen Weg gehen, sagte das Mitglied des sechsköpfigen Führungsteams der Euro-Notenbank am Dienstag auf der „Euro Finance Week“ in Frankfurt. „Nur wenn die Ergebnisse dieses strukturierten Dialogs uns nicht überzeugen“, sagte Lautenschläger. So sei die Aufsicht auch bei anderen Themen vorgegangen.

Nach dem Willen der Europäischen Zentralbank sollen Europas Banken Problemkredite künftig schrittweise zu 100 Prozent über Rückstellungen absichern. Die Notenbank beaufsichtigt die 120 größten Banken im Währungsraum direkt.

Der Chef der europäischen Bankenaufsicht EBA, Andrea Enria, bekräftigte, es gebe in Sachen notleidender Kredite nach wie vor „eine Menge Banken, die nicht genug unternommen haben“. In 8 der 28 EU-Staaten liege die NPL-Rate bei mehr als 10 Prozent und damit deutlich über dem EU-Schnitt von 4,5 Prozent. Vor allem Institute in Südeuropa sind betroffen.

Europas oberste Bankenabwicklerin Elke König verwies darauf, dass faule Kredite mit zum jüngsten Scheitern einiger Banken in Italien beigetragen hätten. Sie forderte die Branche auf, genauere Daten über Problemkredite vorzuhalten - alleine schon, um diese notfalls abstoßen zu können.

Als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise schleppen Banken in der Euro-Zone rund 850 Milliarden Euro an faulen Krediten mit sich herum. Damit nimmt ihre Bereitschaft ab, neues Geld zu verleihen, was das Wachstum der Wirtschaft dämpft.

Quelle:  Handelsblatt Online
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