EZB: Die Angst vor Signalen für Kursänderungen

EZB: Die Angst vor Signalen für Kursänderungen

, aktualisiert 29. März 2017, 16:27 Uhr
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Die Währungshüter schrecken davor zurück, ein Ende der lockeren Geldpolitik zu verkünden.

Quelle:Handelsblatt Online

Die europäischen Währungshüter tun sich derzeit schwer mit Signalen für Änderungen am Kurs der EZB. Insidern zufolge soll Investoren vielmehr versichert werden, dass ein Ende der lockeren Geldpolitik nicht bevorsteht.

FrankfurtMehrere Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank schrecken Insidern zufolge derzeit vor Signalen für Änderungen am Kurs der EZB zurück. Den Investoren solle vielmehr vor der nächsten Zinssitzung Ende April versichert werden, dass ein Ende der lockeren Geldpolitik noch längst nicht bevorstehe, erfuhr Reuters aus Gesprächen mit sechs Insidern rund um den EZB-Rat. Sie verwiesen darauf, dass die Börsen auf Äußerungen über abnehmende Risiken im Ausblick mit Spekulationen auf eine Zinserhöhung Anfang 2018 reagiert hätten. "Die Nachricht wurde stark überinterpretiert", sagte ein Insider. Daher würden führende Währungshüter derzeit zögern, vor Juni weitere Änderungen in der Kommunikation vorzunehmen.

Die Informationen bewegten die Märkte: Der Euro fiel daraufhin auf 1,0741 Dollar und notierte damit so niedrig wie seit mehr als einer Woche nicht mehr. Vor der Meldung hatte er bei rund 1,0780 Dollar gelegen. Die Renditen europäischer Staatsanleihen gaben auf breiter Front nach, die Verzinsung der zehnjährigen deutschen Bonds fiel um vier Basispunkte auf 0,34 Prozent. Europäische Bankentitel gerieten unter Druck - der Branchenindex fiel um bis zu 0,8 Prozent.

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Die EZB hatte auf ihrer Zinssitzung Anfang März aufgrund günstigerer Konjunkturperspektiven für die Euro-Zone eine Passage aus ihrem geldpolitischen Ausblick gestrichen. Sie bekräftigte nicht mehr, dass sie, wenn erforderlich, alle innerhalb ihres Mandats verfügbaren Instrumente nutzen werde. Die Gefahr, dass langfristig sehr negative Szenarien Wirklichkeit würden, habe abgenommen, hatte EZB-Präsident Mario Draghi den Schritt begründet.

Aber an den Börsen wurde dies demnach nicht so aufgenommen wie erhofft. Es habe kommuniziert werden sollen, dass die Risiken abgenommen hätten. "Aber der Markt nahm dies auf als einen Schritt hin zum Ausstieg," sagte ein Insider. Die Nachricht sei stark überinterpretiert worden. An der Börse hatten damals die Renditen von Staatsanleihen angezogen und Investoren begannen darauf zu setzen, dass im ersten Quartal 2018 womöglich schon eine Anhebung der Zinsen möglich sei. Eine kleine Änderung in der Wortwahl könne leicht zu unverhältnismäßigen Reaktionen führen, sagte ein anderer Insider. "Es gibt ein Kommunikationsrisiko und ich würde für Stabilität argumentieren."

Österreichs Notenbank-Chef Ewald Nowotny hatte unlängst eine weitere mögliche Änderung des geldpolitischen Ausblicks ins Spiel gebracht. Das Ratsmitglied hatte offengelassen, ob bei einem Ausstieg aus der Politik des ultrabilligen Geldes zunächst die massiven Anleihekäufe beendet oder Schlüsselzinsen angehoben werden sollen. Die EZB könne auch den Einlagenzins früher erhöhen als den Leitzins. Auch dies hatte für Unruhe gesorgt. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet versuchte jüngst gegenzusteuern. Es gebe eine starke Logik hinter der Abfolge im geldpolitischen Ausblick, sagte der Belgier.

Die Inflation war im Februar vor allem wegen des Anstiegs der Ölpreise auf 2,0 Prozent nach oben geschossen und damit erstmals seit rund vier Jahren über das Ziel der Notenbank von knapp unter zwei Prozent hinaus. Daraufhin waren insbesondere in Deutschland die Rufe nach einem Ende der großen Geldflut lauter geworden. Die EZB hält die Leitzinsen derzeit auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zudem pumpen die Euro-Wächter Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem, um Geldhäuser zur stärkeren Kreditvergabe anzuregen. Die Käufe sollen noch bis mindestens Ende 2017 fortgesetzt werden und dann ein Volumen von 2,28 Billionen Euro erreichen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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