EZB-Direktor: Mersch deutet Zinswende an

EZB-Direktor: Mersch deutet Zinswende an

, aktualisiert 12. Februar 2017, 18:17 Uhr
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Er will die Kommunikation über notwendige Anpassungen nicht verschleppen.

von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

Die Europäische Zentralbank könnte ihren Zinsausblick laut ihres Direktors Yves Mersch bald ändern und die Option auf noch niedrigere Sätze kippen.

Die Kapitalmärkte haben sich daran gewöhnt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen immer weiter senkt. Doch der Tiefpunkt könnte inzwischen erreicht sein, deutete EZB-Direktor Yves Mersch am Freitag in einer Rede in Hamburg an. Viele Ökonomen fordern, dass die Notenbank die Märkte vorsichtig auf eine Wende in der Geldpolitik vorbereiten müsse, um Unruhe zu vermeiden.

Ähnlich äußerte sich Mersch. Notwendige graduelle Anpassungen in der Kommunikation dürften nicht verschleppt werden, sagte das Mitglied des sechsköpfigen Führungsteams der EZB. Die Geldpolitik müsse in Zeiten erhöhter Unsicherheit ein Garant der Stabilität und Verlässlichkeit sein. „Zugleich stellt sich allerdings die Frage, wie lange wir noch von ‚niedrigeren Zinsen‘ als geldpolitischer Option reden können.“

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Bislang geht die EZB in ihrem Ausblick davon aus, dass die Zinsen für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben. Kippt sie die Option auf noch niedrigere Zinsen, würde dies am Kapitalmarkt voraussichtlich als Signal gewertet, dass sie sich langsam in Richtung einer Abkehr von der ultra-lockeren Geldpolitik bewegt. Die Leitzinsen liegen seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zudem müssen Banken Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der EZB parken. Der sogenannte Einlagensatz steht bei minus 0,4 Prozent.

Mersch machte aber klar, dass die Notenbank an ihrem billionenschweren Staatsanleihe-Kaufprogramm festhält. Die EZB kauft derzeit für monatlich 80 Milliarden Euro vor allem Staatsanleihen der Euro-Länder. Im Dezember hatte sie diese Käufe bis Jahresende verlängert, allerdings sinkt das monatliche Kaufvolumen ab April auf 60 Milliarden Euro. Bis Ende des Jahres belaufen sich die Käufe auf insgesamt 2,28 Billionen Euro. Damit die wirtschaftliche Erholung nachhaltig greife, müsse die EZB zu ihrem Wort stehen, sagte Mersch. „Unser im Dezember neu-justiertes Wertpapier-Kaufprogramm wird umgesetzt wie angekündigt.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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