EZB-Konferenz: „Es muss auch ein Ohr geben, das zuhört“

EZB-Konferenz: „Es muss auch ein Ohr geben, das zuhört“

, aktualisiert 14. November 2017, 18:12 Uhr
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Die beiden mächtigsten Notenbanker der Welt auf der Bühne in Frankfurt.

von Jan Mallien und Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Mit ihren Lippen bewegen Notenbanker wie Mario Draghi oder Janet Yellen die gesamte Finanzwelt. Ihr wichtigstes Werkzeug sind inzwischen Worte. Doch das Ganze ist nicht so einfach, wie man vielleicht denkt.

FrankfurtGeldpolitik verständlich zu machen, ist kompliziert. Jahrzehntelang haben Notenbanken deshalb lieber gleich darauf verzichtet, sie der Öffentlichkeit detaillierter zu erklären. Legendär ist der Satz vom früheren US-Notenbankchef Alain Greenspan: „Wenn sie mich verstanden haben, habe ich mich wohl nicht unklar genug ausgedrückt.“

Dass sich diese Haltung seit der Finanzkrise deutlich geändert hat, zeigt sich daran, dass die wichtigsten Notenbanker am Dienstag in Frankfurt über Kommunikation von Zentralbanken diskutierten. Mit dabei Janet Yellen aus Washington als Chefin der US-Notenbank (Fed), Haruhiko Kuroda als Chef der Bank of Japan, Mark Carney als Chef der Bank of England und der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, als Gastgeber.

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Der EZB-Chef machte dabei deutlich, dass zur Kommunikation aber auch zwei Seiten gehörten. „Es muss auch ein Ohr geben, das bereit ist zuzuhören.“ Die EZB kommuniziere in Englisch. Zwar würden offizielle Stellungnahmen der Notenbank für den Euroraum in fast 20 Sprachen übersetzt. Dennoch sei es schwer die Leute direkt zu erreichen. Es könne passieren, dass Medien „in ihrer eigenen Sprache immer wieder dasselbe schreiben, unabhängig von der Realität.“

Seit der Finanzkrise aber ist die Kommunikation zum wichtigsten Instrument der Notenbanken geworden. Die EZB versucht beispielsweise über die so genannte Forward Guidance die Erwartungen der Märkte über ihre Geldpolitik zu steuern. Dieser Ausblick sei ein vollwertiges Instrument der Geldpolitik geworden, sagte Draghi. Bislang seien die Erfahrungen damit erfolgreich gewesen. „Warum ein geldpolitisches Instrument abschaffen, das sich als wirksam erwiesen hat?“, fügte er hinzu.

Auch US-Notenbankchefin Janet Yellen wertete den Einsatz der Forward Guidance positiv. Sie betonte für die US-Notenbank aber: „Jedweder Ausblick sollte von den Aussichten der Wirtschaft abhängig und darauf bezogen sein.“


„Wenn wir einen Kulturwandel wollen, müssen wir intern anfangen“

Yellen ließ in der Runde zudem indirekt Kritik an ihren Vorgängern anklingen. So nahm sie Bezug auf die als „taper tantrum“ bekannte Achterbahnfahrt an den Börsen aus dem Jahr 2013, die der damalige US-Notenbankchef Ben Bernanke ausgelöst hatte. Er ließ damals in einer Anhörung im US-Kongress beiläufig die Bemerkung fallen, die Fed könnte bei anhaltend positiven Wirtschaftsdaten ihre Wertpapierkäufe allmählich zurückfahren. Yellen betonte, die Äußerungen hätten die Märkte damals überrascht und seien als Zeichen einer aggressiveren Geldpolitik interpretiert worden.

Während es hierbei vor allem um die Interaktion mit den Märkten geht, hat auch das Interesse der breiten Öffentlichkeit an der Geldpolitik zugenommen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Notenbanken in der Krise sehr mächtig geworden sind. Vor allem in Deutschland steht die EZB häufig in der öffentlichen Kritik.

Doch wie können Notenbanken ihre Politik besser der breiten Öffentlichkeit erklären? Die Bank von England hat in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Mitteln experimentiert, sagt ihr Chef Mark Carney. So sollen beispielsweise ihre internen Memos nicht mehr länger als sechs Seiten sein und müssen einfach formuliert sein. Die Logik dahinter: Wer von außen verstanden werden will, muss auch intern verständlich sein. Zusätzlich hat er den Terminkalender gestrafft und informiert in konzentrierter Form statt über Wochen verstreut. „Wenn wir einen Kulturwandel wollen, müssen wir intern anfangen,“ sagt Carney.

Quelle:  Handelsblatt Online
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