EZB-Konferenz Sintra: Verwirrung um Draghi-Rede bewegt den Markt

EZB-Konferenz Sintra: Verwirrung um Draghi-Rede bewegt den Markt

, aktualisiert 28. Juni 2017, 18:12 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Am Dienstag hat eine Rede von Mario Draghi den Euro-Kurs nach oben getrieben. Sie wurde als Signal für einen baldigen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik interpretiert. Doch einigen geht das offenbar zu weit.

SintraMario Draghi bewegt mit seinen Lippen die Märkte. Das gilt vor allem in der aktuellen Phase, wo die EZB gerade dabei ist, ihren geldpolitischen Kurs zu ändern. Optimistische und pessimistische Töne sind daher sehr genau abgewogen, um zu starke Marktreaktionen zu vermeiden. Doch das gelingt nicht immer.

In seiner Rede am Dienstag hatte sich Draghi optimistisch zum Wachstum in der Euro-Zone geäußert und gab sich zuversichtlicher, dass die Notenbank ihr Inflationsziel von knapp zwei Prozent wieder erreichen könne. Das sorgte zunächst für einen deutlichen Anstieg des Euro auf 1,1388 Dollar. Der Euro erreichte damit wieder das Niveau vor dem Brexit-Referendum vor rund einem Jahr. Aussagen von EZB-Insidern nahmen den anfänglichen Spekulationen auf eine straffere Geldpolitik allerdings den Wind aus den Segeln. Daraufhin fiel die Gemeinschaftswährung binnen Minuten um rund einen halben US-Cent auf 1,1326 Dollar. Dax und EuroStoxx50 notierten jeweils kaum verändert bei 12.657 und 3538 Punkten.

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Anleger hätten die jüngsten Aussagen Mario Draghis überinterpretiert, sagten mit den Überlegungen des EZB-Chefs vertraute Personen gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Präsident der Europäischen Zentralbank habe lediglich darauf hingewiesen, eine schwache Inflation für eine Weile tolerieren zu wollen. Es sei kein Signal für eine baldige Straffung der Geldpolitik. Die EZB wollte sich zu diesem Thema nicht äußern.

„Da ist wohl was schiefgelaufen bei der EZB-Kommunikation“, sagte ein Börsianer. „Mehr Verwirrung als Nutzen.“ Investoren hatten Draghis optimistische Aussagen zur Konjunktur als Fingerzeig gedeutet, dass die Notenbank im September eine Drosselung ihrer Anleihekäufe ankündigen könnte. Aktuell pumpt die Notenbank monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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