EZB-Kredite für Banken: Draghis Buchstabensuppe

EZB-Kredite für Banken: Draghis Buchstabensuppe

, aktualisiert 11. März 2016, 15:59 Uhr
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Klingt kryptisch, dahinter steckt dennoch ein Begriff: „Targeted Longer-Term Refinancing Operations“. Dabei handelt es sich um spezielle Langfrist-Kredite für Banken.

von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

Die Europäische Zentralbank mag es kryptisch – TLTRO II heißt ihr neues Kreditprogramm. Hinter dem Akronym verbirgt sich etwa eine Prämie für Banken, die mehr Kredite vergeben. Doch Ökonomen sind skeptisch.

Frankfurt am MainMario Draghi hat es wieder geschafft: Obwohl viele Marktbeobachter schon mit einer Lockerung der Geldpolitik gerechnet hatten, konnte der EZB-Präsident sie am Donnerstag verblüffen. Denn Die angekündigten Maßnahmen der Europäischen Zentralbank gehen weiter, als viele erwartet hatten. Zu den Überraschungen gehören zum Beispiel langfristige Kredite für die Banken im Euroraum. Oder kurz gesagt: TLTRO II.

Hinter dem unaussprechlichen Akronym verbirgt sich der englische Begriff „Targeted Longer-Term Refinancing Operations“. Das geldpolitische Instrument gleicht einer Revolution: Denn die EZB zahlt Banken eine Prämie, wenn sich ihre Kreditvergabe besser entwickelt.

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Konkret legt die EZB ab Juni vier Kreditlinien. Banken können sich dann bis zu einer Laufzeit von vier Jahren Geld leihen. Dafür zahlen sie den aktuellen Leitzins zum Zeitpunkt der Zuteilung von aktuell null Prozent. Die Prämie wird fällig, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen. Dafür muss sich ihre Kreditvergabe zwischen Februar 2016 bis Februar 2018 besser entwickeln, als im vergangenen Jahr. Es reicht bereits, wenn sich der Rückgang der Kreditvergabe einer Bank verringert.

Ein Beispiel: Eine Bank hat im vergangenen Jahr ihre Kreditvergabe von 100 auf 90 Milliarden Euro um zehn Prozent heruntergefahren. Wenn sie diese nun bis 2018 von 90 auf 85 Milliarden senkt, liegt der jährliche Rückgang im Schnitt unter dem vorherigen Trend von zehn Prozent – sie bekommt die Prämie. Diese wiederum entspricht maximal der Höhe des Einlagenzinses. Der liegt fortan bei minus 0,4 Prozent. Das heißt: Wenn eine Bank entsprechend viele Kredite vergibt, bekommt sie für das von der EZB geliehene Geld pro Jahr 0,4 Prozent Zuschuss. Wenn eine Bank die Bedingungen erfüllt und sich 100 Milliarden Euro bei der EZB leiht, wären das immerhin 400 Millionen Euro.

Für die EZB selbst hat das keine großen finanziellen Auswirkungen. „Durch die Langfristkredite steigt die Überschussliquidität der Banken“, sagt Commerzbank-Analyst Schubert. Auf die Überschussliquidität, die die Banken bei der EZB parken, müssen sie ebenfalls einen Strafzins von minus 0,4 Prozent zahlen. Bislang mussten Banken für Übernachteinlagen bei der EZB einen Strafzins von 0,3 Prozent zahlen.


Sinn: „Eine verbotene Subventionspolitik“

Über die jüngste Maßnahme der Europäischen Zentralbank gibt sich der langjährige Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, empört: „Die EZB verleiht jetzt Geld zu einem negativen Zins von bis zu 0,4 Prozent an die Banken“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Das sei eine „verbotene Subventionspolitik zur Stützung von Zombie-Banken und konkursgefährdeten Staaten.“ Sinn warf netto im Ausland verschuldeten Euro-Ländern vor, ihre Stimmenmehrheit im EZB-Rat „hemmungslos“ auszunutzen, „um sich die Zinskonditionen so zurecht zu zimmern, dass sie passen“. Die neuen Schritte der EZB seien das die größte „Vermögensumverteilung der Nachkriegszeit“ – von Norden nach Süden.

Ob die Maßnahmen etwas an der Kreditvergabe ändern, ist umstritten. „Wenn es keine Nachfrage nach Krediten gibt, helfen auch bessere Konditionen wenig“, erläutert Commerzbank-Analyst Michael Schubert. „Wir sind skeptisch, dass dies viel bringt. Vermutlich wird es einen Verdrängungseffekt von anderen Mitteln geben.“

Während manche Banken also profitieren, zahlen andere drauf. „Die Überschussliquidität landet hauptsächlich bei den Banken in den Euro-Kernländern“, sagt Schubert. Von den neuen Langfristkrediten dürften hingegen hauptsächlich Banken in Peripherieländern profitieren.

Neben dem Langfristprogramm verkündete Draghi am Donnerstag ebenfalls, dass die EZB den Leitzins ab 16. März auf 0,0 Prozent senkt. Allerdings schränkte er ein, dass er keine Notwendigkeit sehe, den Leitzins noch weiter abzusenken.

Quelle:  Handelsblatt Online
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