EZB-Studie: Arbeitsmarkt in der Eurozone schwächer als offizielle Zahlen zeigen

EZB-Studie: Arbeitsmarkt in der Eurozone schwächer als offizielle Zahlen zeigen

, aktualisiert 10. Mai 2017, 12:55 Uhr
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Protest gegen die Schließung einer Fabrik.

von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

Seit der Krise ist die Arbeitslosigkeit im Euroraum deutlich gesunken, dennoch steigen die Löhne kaum. Das könnte daran liegen, dass die Arbeitslosenzahlen einige Probleme verbergen, legt eine Studie der EZB nahe.

FrankfurtDie reinen Zahlen für die Euro-Zone sehen positiv aus. Seit Mitte 2013 wurden etwa fünf Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen – und damit die Jobverluste während der Finanzkrise kompensiert. Nach dem Ökonomie-Lehrbuch sollte das eigentlich dazu führen, dass die Löhne im Euroraum stärker steigen. Davon allerdings ist derzeit wenig zu sehen.
Die Europäische Zentralbank liefert in einer neuen Studie eine mögliche Erklärung: Die offiziellen Arbeitslosenzahlen in der Eurozone könnten wichtige Probleme ausblenden. Trotz des signifikanten Anstiegs der Beschäftigung bleibe das Lohnwachstum mäßig. „Dies deutet darauf hin, dass es nach wie vor eine starke Unterauslastung des Faktors Arbeit gibt“, schreiben die Experten der Notenbank in ihrer Studie. Der Bericht dürfte denjenigen EZB-Ratmitgliedern neue Argumente liefern, die an der ultra-lockeren Geldpolitik noch länger festhalten wollen. Notenbank-Präsident Mario Draghi hat zuletzt immer wieder betont, dass ein etwas höheres Lohnwachstum eine wichtige Voraussetzung ist, damit sich die Preise im Währungsraum stabil entwickeln.

Die Arbeitslosenzahlen des europäischen Statistikamtes Eurostat beziehen sich lediglich auf Personen ohne Job, die aktiv nach Arbeit suchen und innerhalb von zwei Wochen eine neue Stelle antreten können. Außen vor bleiben zum Beispiel Teilzeitbeschäftigte, die gerne mehr Stunden arbeiten würden, und Personen, die gerne arbeiten würden, aber wegen des geringen Stellenangebots nicht aktiv danach suchen. Einschließlich solcher Personengruppen kommen die Notenbank-Experten auf eine geschätzte Unterauslastung auf dem Arbeitsmarkt von rund 15 Prozent Ende 2016. Die offizielle Arbeitslosenquote für die Euro-Zone lag dagegen zuletzt nur bei 9,5 Prozent.
Deutschland liefert auch nach der Zentralbank-Methode ein positives Bild. So ging seit 2013 die von der EZB berechnete Unterauslastung merklich zurück. "Anderswo zeigen diese breiteren Messungen hingegen, dass das Ausmaß der Schwäche am Arbeitsmarkt noch erheblich ist", schreiben die Notenbank-Fachleute. So habe sich die Lage in Italien und in Frankreich weiter verschlechtert.
Ein Rätsel lässt die Studie allerdings offen. Trotz des positiven Bildes auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland steigen auch hier die Löhne nicht so, wie man es angesichts der wirtschaftlichen Situation erwarten würde.

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Quelle:  Handelsblatt Online
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