EZB und die Inflation: Draghi in Öl

EZB und die Inflation: Draghi in Öl

, aktualisiert 21. Januar 2016, 11:08 Uhr
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Auf der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank wird es vor allem um den Ölpreis gehen.

von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

Auf der heutigen EZB-Ratssitzung wird die Notenbanker vor allem der niedrige Ölpreis beschäftigen. Der Preisverfall birgt Risiken für die Preisstabilität. EZB-Chef Mario Draghi könnte die Geldpolitik bald weiter lockern.

FrankfurtFür Mario Draghi hätte das neue Jahr kaum schwieriger beginnen können. Die Probleme in China und der dramatische Verfall des Ölpreis könnten die ohnehin sehr niedrige Inflation im Euro-Raum noch weiter drücken. Damit beginnt bereits die Debatte um eine weitere Lockerung der Geldpolitik.

Erst im Dezember hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Strafzins für Einlagen der Banken verschärft und ihr bestehendes Anleihekaufprogramm bis März 2017 verlängert. Grund war der schwächere  Inflationsausblick. Mittelfristig strebt die EZB eine Preissteigerung von knapp zwei Prozent an. Im Dezember lag diese jedoch mit 0,2 Prozent deutlich davon entfernt.

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Nun spekulieren die Märkte bereits über weitere Lockerungsübungen der EZB. Denn auch wenn sich Verbraucher über niedrigere Preise freuen, bereitet dies Notenbankern Sorgen. Bei fallenden Preisen besteht die Gefahr, dass Verbraucher und Unternehmen in Erwartung weiter sinkender Preise ihre Investitionen und den Konsum hinausschieben. Es droht dann eine Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und wirtschaftlichem Niedergang.

Um das zu verhindern, könnte die EZB noch mehr billiges Geld in die Märkte pumpen. Allerdings wird sie vermutlich zunächst noch abwarten, wie sich Ölpreis und Konjunktur weiter entwickeln. „Auf der Pressekonferenz dürfte EZB-Präsident Draghi alle Optionen offenhalten, eindeutige Signale aber vermeiden“, erwartet Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. Er geht davon aus, dass sich Draghi wegen der Kritik nach der jüngsten Zinssitzung vorsichtiger äußern wird. Die Finanzmärkte hatten im Dezember eine noch weitergehende Lockerung der Geldpolitik erwartet und enttäuscht auf die verkündeten Maßnahmen reagiert. 


Inflationsprognosen im März auf dem Prüfstand

Ökonomen halten es jedoch für möglich, dass die EZB bei einem anhaltend niedrigen Ölpreis auf der nächsten Sitzung handelt. Bei dem Treffen im März legt die Notenbank neue Inflationsprognosen bis 2018 vor. Angesichts des Ölpreis-Verfalls dürften diese geringer ausfallen als die Schätzungen im Dezember. In diesen ist die EZB noch von einem Ölpreis von 52 Dollar ausgegangen – aktuell notiert er unter 28 Dollar. Allein seit Jahresbeginn ist der Preis für das Barrel Rohöl um mehr als 25 Prozent gefallen. Der Europa-Chefvolkswirt der UBS, Reinhard Cluse, geht davon aus, dass ein Ölpreisrutsch um zehn Prozent etwa 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte der Inflationsrate kostet. Falls sich der Ölpreis in einer Spanne von 30 bis 35 Dollar einpendeln würde, könnte die Inflation bald wieder negativ werden und dies für einige Monate bleiben, schätzt der Chefvolkswirt der italienischen Großbank Unicredit, Marco Valli.

Notenbanker sorgen sich, dass  sich der Ölpreisrückgang durch Zweitrundeneffekte auf andere Güter ausweiten könnte. So kann dieser zum Beispiel mit zeitlicher Verzögerung auch die Preise für energie- oder transportintensive Produkte drücken.

Noch problematischer sind mögliche Auswirkungen auf die Inflationserwartungen.  Dabei geht es um die von Unternehmen und Verbrauchern erwarteten zukünftigen Preissteigerungen. Lange Zeit lagen diese Erwartungen sehr stabil in der Nähe des EZB-Inflationsziels von knapp zwei Prozent.  Im vergangenen Jahr hatte es jedoch zwei Ausreißer gegeben:  Anfang und Ende 2015 fielen die Inflationserwartungen jeweils auf historische Tiefstwerte von rund 1,5 Prozent.  Beide Male reagierte die EZB mit einer Lockerung ihrer Geldpolitik. Auch jetzt notieren die marktbasierten Inflationserwartungen wieder in der Nähe von rund 1,5 Prozent.

Quelle:  Handelsblatt Online
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