EZB und Negativzinsen: „Sparkassen müssen selbst über mehr Bargeld entscheiden“

EZB und Negativzinsen: „Sparkassen müssen selbst über mehr Bargeld entscheiden“

, aktualisiert 04. März 2016, 16:05 Uhr
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Manche Sparkassen denken darüber nach, mehr Barbestände einzulagern.

von Frank Matthias DrostQuelle:Handelsblatt Online

Der Präsident des bayerischen Sparkassenverbandes hat in einem Brief an die Mitgliedern erklärt, wie sie mehr Bargeld einlagern können. Im Interview erläutert Ulrich Netzer, wie der Brief wirklich zu verstehen ist.

Bei ersten Sparkassen sollen Gedankenspiele im Gange sein, große Mengen Bargeld in Tresoren zu horten, anstatt es bei der Europäischen Zentralbank zu parken. Auslöser für diese Spekulationen war ein Rundschreiben des Bayerischen Sparkassenverbands an seine 71 Mitgliedssparkassen. Präsident Ulrich Netzer erklärt, warum er den Brief geschrieben hat.

Herr Netzer, werben Sie bei den 71 bayerischen Verbandssparkassen dafür, das Geld angesichts der Negativzinsen der Europäischen Zentralbank eher in Tresoren zu bunkern?
Das ist eine Zusammenfassung, die ich so nicht unterschreiben kann. Das verhält sich anders.

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Wie?
Vor einigen Wochen kamen einige Sparkassen auf uns zu. Sie fragten, welche versicherungstechnischen Kosten damit verbunden wären, wenn man mehr Bargeld als bisher vorhalten und nicht an die Zentralbank weiterreichen würde.

Also geht es im Kern um die Frage, welche Belastung höher ist: Die Negativzinsen der EZB, die derzeit bei 0,3 Prozent liegen,  oder die Kosten, die mit mehr Bargeld verbunden sind?
Ja. Wenn eine selbstständige Sparkasse ihre Verantwortung Ernst nimmt, dann ist es legitim, die betriebswirtschaftlichen Kosten zu eruieren. Da machen sich die Sparkassen schon Gedanken. In der Vergangenheit war es übrigens umgekehrt. Da galt, möglichst wenig Bargeld vorzuhalten, weil man bei der Zentralbank noch etwas dafür bekommen hat. Das ändert sich jetzt.

Und wie hat der Verband auf die Bitte der Mitglieder reagiert?
Unsere Leute haben mit der Versicherungskammer Bayern besprochen, die ja eine sogenannte Kassenversicherung anbietet. Die entsprechenden Deckungsmöglichkeiten für höhere Barbestände haben wir den Sparkassen in einem Rundschreiben mitgeteilt. Mehr ist nicht passiert. Wir haben keine Empfehlung in dem Rundschreiben abgegeben. Ob das sinnvoll ist, mehr Bargeld vorzuhalten, müssen die Sparkassen selbst entscheiden.


„Jede Sparkasse verfügt natürlich über Tresorräume“

Mit höheren Prämien für den Versicherer ist es ja nicht getan.
Das stimmt, Transportkosten, Sicherheitsstufen für Tresorräume. Das kommt alles noch dazu. In dem Rundschreiben geht es nur um die versicherungstechnischen Fragen.

Steht den Sparkassen im Falle des Falles denn genügend Tresorkapazität zur Verfügung?
Das hängt von jedem Haus ab. Jede Sparkasse verfügt natürlich über Tresorräume.

Gibt es schon Resonanz bei den Sparkassen?
Wir haben keine Rückmeldung, dass sich eine Sparkasse dazu entschieden hat, künftig mehr Bargeld vorzuhalten.
Die bayerischen Sparkassen sind also nicht dabei, die Politik der EZB zu unterminieren?
Ich frage mich immer, was da hineininterpretiert wird. Ich sehe es wirtschaftlich und pragmatisch. Die Sparkassen sind nicht dazu da große Geldpolitik  zu betreiben. Aber die betriebswirtschaftlichen Konsequenzen schauen wir uns schon an.

Quelle:  Handelsblatt Online
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