EZB: Weidmann fordert weniger expansive Geldpolitik

EZB: Weidmann fordert weniger expansive Geldpolitik

, aktualisiert 06. Juli 2017, 21:49 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Bundesbank-Präsident Weidmann plädiert für eine Kurskorrektur der derzeitigen Geldpolitik der Euro-Notenbank. Die Wirtschaftserholung begünstige eine geldpolitische Normalisierung. Noch sei der Kurs angemessen.

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„Die andauernde Wirtschaftserholung öffnet nun die Perspektive für eine geldpolitische Normalisierung.“

FrankfurtDie EZB sollte aus Sicht von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann allmählich eine Abkehr von ihrer ultralockeren Ausrichtung ins Auge fassen. Der sich festigende Aufschwung im Währungsraum liefere dazu die Grundlage, wie Weidmann am Donnerstag auf einer Veranstaltung in Wien laut Redetext sagte. „Die andauernde Wirtschaftserholung öffnet nun die Perspektive für eine geldpolitische Normalisierung,“ sagte der Bundesbank-Chef. Eine abrupte Abkehr von der Politik der großen Geldschwemme schwebt ihm dabei nicht vor. Es gehe darum, „den Fuß etwas vom Gas zu nehmen.“

Noch hält auch der Bundesbank-Präsident einen expansiven geldpolitischen Kurs der Euro-Notenbank für angemessen. „Um die wirtschaftliche Erholung und damit den Preisauftrieb im Euroraum zu stützen“ , begründete er. Über den Stärkegrad des expansiven Kurses und die Wahl der geldpolitischen Mittel gebe es aber unterschiedliche Sichtweisen. Die EZB hält ihre Leitzinsen aktuell auf dem Rekordtief von null Prozent. Zudem erwirbt sie seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere, um Banken dazu zu bewegen, mehr Kredite an die Wirtschaft auszureichen.

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Weidmann erneuerte in diesem Zusammenhang seine Kritik an den Staatsanleihen-Käufen. Für ihn stellen diese ein reines Notfall-Instrument dar zur Abwehr einer gefährlichen Preisspirale nach unten - in der Fachwelt Deflation genannt. „Die Deflationsbefürchtungen habe ich aber schon in der Vergangenheit für übertrieben gehalten“ , so der Bundesbank-Chef.

Allerdings rechnet Weidmann wegen der rückläufigen Ölpreise nicht mit einem stärkeren Anziehen der Verbraucherpreise dieses Jahr. „Deshalb werden die Inflationsraten zum Jahresende wohl wieder etwas niedriger ausfallen“ , schätzt er. Noch immer sei zudem der binnenwirtschaftliche Preisdruck niedrig. Die EZB strebt knapp unter zwei Prozent Inflation als optimales Niveau für die Wirtschaft an. Davon ist die Eurozone aber weit entfernt. Im Juni waren die Verbraucherpreise lediglich um 1,3 Prozent gestiegen. Das ist der bislang niedrigste Wert in diesem Jahr.

Quelle:  Handelsblatt Online
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