Fälscher gehen über das Internet: Das hemmungslose Kopieren deutscher Originale

Fälscher gehen über das Internet: Das hemmungslose Kopieren deutscher Originale

, aktualisiert 28. April 2016, 10:32 Uhr
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Enorm erleichtert wird das Geschäft der Kopisten aus China durch den Vertrieb der Fälschungen über das Internet.

von Martin WocherQuelle:Handelsblatt Online

Insgesamt wird der Schaden durch Produktpiraterie für deutsche Maschinenbauer auf 7,3 Milliarden Euro geschätzt - das entspricht knapp 34.000 Jobs. An der Spitze der Plagiatoren steht China. Betroffen sind auch Daten.

HannoverDie USA haben im vergangenen Jahr China als wichtigsten Absatzmarkt für deutsche Maschinen und Anlagen abgelöst - doch in einem unrühmlichen Bereich steht das Reich der Mitte weiter unangefochten an der Spitze: Kein Land kopiert so wild und hemmungslos deutsche Originale. Rund 83 Prozent der deutschen Unternehmen haben entsprechend schlechte Erfahrungen gemacht, wie eine am Mittwoch auf der Hannover Messe präsentierte Umfrage des Branchenverbandes VDMA ergab - elf Prozent mehr als noch vor zwei Jahren.

"Das ist ein absoluter Rekordwert", sagte Steffen Zimmermann, VDMA-Geschäftsführer für Produkt- und Know-how-Schutz. Insgesamt wird der Schaden durch Produkt- und Markenpiraterie allein für deutsche Maschinenbauer auf 7,3 Milliarden Euro geschätzt - das entspricht knapp 34.000 Jobs.

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Enorm erleichtert wird das Geschäft der Kopisten aus China durch den Vertrieb der Fälschungen über das Internet. Entsprechende Plattformen wie Alibaba würden genutzt, Plagiate gleich in Größenordnungen von manchmal zehntausend Stück weltweit anzubieten, sagte Zimmermann. Bevor jemand Einspruch erheben könne und das dubiose Angebot von der Website genommen würde, seien schon erhebliche Stückzahlen verkauft. "Früher wurden viele Plagiate für den Eigenbedarf in China produziert, heute steigt der Anteil der Produkte, die weltweit vertrieben werden."


Gefahr für 3D-Druck

Den Fälschern spielt dabei in die Hände, dass in den Zeiten der Digitalisierung immer mehr Software- und IT-Know-how kopiert wird, das inzwischen schon rund ein Drittel der Wertschöpfung einer Maschine ausmacht. "Da haben Sie ein Betriebssystem mit erheblichen Kosten und über Jahre entwickelt, und dann wird es in Sekunden gestohlen", sagte Zimmermann.

Die zunehmende Vernetzung der Industrie stimmt ihn daher auch pessimistisch, dass die Zahl der Plagiate trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen wie Patentanmeldungen oder die rechtliche Verfolgung durch Behörden in Zukunft abnehmen wird. "Es ist ja nicht mehr nur das reine Produkt-Know-how betroffen, sondern es sind inzwischen auch die Produktionsdaten", sagte er. "Die müssen Sie beispielsweise beim 3D-Druck vor Diebstahl und Manipulationen schützen." Bedenklich dabei sei, dass laut Umfrage nur etwas mehr als die Hälfte der Firmen die gängigen Sicherheits-Standards kennen würden - und weniger als ein Drittel dann diese auch anwenden. "Das gibt uns zu denken", sagte Zimmermann.

Dass aber auch Patente und ein funktionierender Rechtsstaat nicht ausreichen, Fälschungen einen Riegel vorzuschieben, zeigt ein Blick auf die weitere Statistik: Denn hinter den Chinesen sind es deutsche Firmen, die wie vor zwei Jahren mit 22 Prozent den zweiten Platz der Produktpiraten einnehmen. Während aus China gefälschte Motoren wie Schiffsdiesel kommen, dazu Kunststoff- und Textilmaschinen, konzentrieren sich deutsche Plagiatoren auf High-Tech-Produkte. "Der Auftraggeber ist häufig ein Wettbewerber, der im nächsten Ort sitzen kann", sagte Zimmermann.

Der direkte Konkurrent steht auch im internationalen Vergleich an der Spitze der Produktpiraten, dahinter folgen Untergrund-Fabriken meist aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Aber auch Kunden scheuen sich nicht, Produkte ihrer Lieferanten zu kopieren - oder das Know-how an dessen Wettbewerber weiterzuleiten, um dann bei zwei identischen Angebote besser den Preis drücken zu können.

Quelle:  Handelsblatt Online
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