Fahrbericht Lexus LC500: Gran Turismo in Reinkultur

Fahrbericht Lexus LC500: Gran Turismo in Reinkultur

, aktualisiert 31. August 2017, 06:25 Uhr
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Bereits 2012 hatte Lexus eine LC-Studie vorgestellt. Die jetzt auf den Markt für Luxus-Coupés drängende Serienversion ist erstaunlich nah dran an diesem Konzept. Aufregendes, herausforderndes Design statt Langeweile soll Aufbruchstimmung signalisieren. Als V8-Sauger und V6-Hybrid gibt es den Japaner in Deutschland ab 99.200 Euro.

von Frank G. HeideQuelle:Handelsblatt Online

Der klassische Gran Turismo, das Luxus-Coupé für die große Reise, war nie ein billiges Vergnügen. Umso mehr überrascht Lexus jetzt mit der Kampfansage in Form des LC500. Ein V8-Traum, der Mitwerber blass aussehen lässt.

DüsseldorfKurze Rückblende ins Jahr 2011: Akio Toyoda musste seinen Ärger schlucken, seine Enttäuschung verbergen. Ausgerechnet bei der Präsentation des neuen GS-Flaggschiffs im amerikanischen Pebble Beach musste sich der frisch gebackene Toyota-CEO anhören, die Fahrzeuge der vor 28 Jahren gegründeten Tochter Lexus seien langweilig.

Die Kritik traf Toyoda schwer. Später vertraute er anderen Topmanagern an, seit diesem Zeitpunkt habe er sich im Kampfmodus befunden. Seine Mission: Lexus soll ein ganz neues Gesicht bekommen. Ein Flaggschiff, das Aufbruch signalisiert, und die geringe Bekanntheit der Marke auf ein neues Level befördert.

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Die Früchte dieser Aufbruchstimmung werden in diesen Tagen in die 14 exklusiven deutschen Lexus-Foren gebracht, und man kann Freunden luxuriöser Autos mit potentem Antrieb nur empfehlen, sich für den neuen LC500 etwas Zeit zu nehmen: Ein Gran Turismo in Reinkultur, dessen Materialien und Verarbeitungsdetails von S-Klasse-Fahrern anerkennend getätschelt werden. Und das Flaggschiff kommt zu einem Preis, der im Luxus-Segment aufhorchen lässt.

Dieser neueste Herausforderer von S-Klasse Coupé, BMW 6er, Aston Martin DB11 und Jaguar F-Type hat nicht nur das Potenzial, die geplante Markentransformation zu stemmen, er bringt auch als völlige Neuentwicklung alle Stärken mit, die Lexus-Kunden bisher schätzten. Außer Langeweile. An deren Stelle ist das herausragende Design getreten.

Denn verstecken kann sich mit diesem flach auf den Asphalt geduckten (1,34 m Höhe) und mit gewaltigen, geschmiedeten 21-Zöllern bestückten Zweitürer niemand. Der Wagen hat eine so gewaltige Außenwirkung, dass selbst auf steilen Graubündener Pass-Sträßchen bergauf strampelnde Radfahrer noch eine verschwitzte Hand von der Lenkstange nahmen, um kurz den Daumen zu recken.

Der gigantische Diabolo-Kühlergrill, die endlos lange, von vier markanten Sicken durchzogene Motorhaube, die futuristisch-zackig gestalteten LED-Scheinwerfer, ein fließend auslaufendes Carbondach auf dem knackigen Greenhouse und das breite, muskulöse Heck, das zieht zwangsläufig Blicke an.

Reihenweise zücken Carspotter die Handys, um schnell ein Foto zu schießen, während andere noch über das „L“ im Logo rätseln. „Was ist das denn für einer?“ Und „Wahnsinn, das soll ein Lexus sein?“ könnte man hören, wenn man nicht zwanghaft dem V8 lauschen müsste.

Das Triebwerk ist eines der wenigen bekannten Bauteile aus dem Lexus-Regal, treibt schon LS-F und GS an. Mit 477 PS und 540 Newtonmeter Drehmoment hat der aufgrund vieler Luxus-Einbauten fast zwei Tonnen schwere LC500 die Chance, aus dem Stand schon nach 4,7 Sekunden Tempo 100 zu erreichen, Spitze 270 ist ebenfalls machbar. Vorausgesetzt man will ihm das wirklich abverlangen. Was in der Realität wohl nur wenige hin und wieder mal tun werden.

Der LC500 basiert eher auf der souveränen Stärke, die eben nur die aussterbende Gattung der frei atmenden V8 noch kultiviert: Es fährt sich sehr souverän und relaxt. Mit dem Gefühl, man könnte jederzeit, wenn man wollte. Aber man muss ja nicht. Und cruist einfach entspannt weiter.

Der V8 beherrscht das ganze Konzert. Er kann sanft blubbern, hintergründig sprotzeln, und krawallig ballern. Unter Vollast im Sport+-Modus klingt er, als würde er 8 von 10 Gängen bei knapp 7.000 Umdrehungen verächtlich ins Getriebe hineinspucken. Der Fahrer lacht sich eins, während die Tiere des Waldes die Flucht ergreifen vor den Kanonenschlägen, die aus dem Klappenauspuff schießen.

Das muss natürlich nicht sein, man schöpft ja Drehmoment aus vollen fünf Liter Hubraum. So säuselt der LC extrem ruhig und tief, etwa, wenn man im Eco-Modus auf Gangstufe 10 mit weniger als 1500 Touren Tempo 120 hält.

Im Comfort-Modus war bei Tempo 70 bis 90 sogar nur das Abrollgeräusch der 245er- und 275er-Michelin-Sportbereifung zu hören, so entspannend leise rollte der 4,77 Meter lange Wagen ab. Ideal für lange Reisen und unangestrengte Konversation an Bord.


Sind zehn Gänge nicht doch ein bisschen viel?

Beherrschbar macht den Leistungsüberschuss ein Getriebe, das im Serienbau bislang einmalig ist: Eine eigens für das neue Flaggschiff entwickelte Zehngang-Automatik, die sich aber auch per Paddles am Lenkrad verwalten lässt. Von Menschen, die gerne alle Hände voll zu tun haben.

So gut die Automatik bei unseren Testfahrten stets die richtige Gangstufe traf und spontane Beschleunigungswünsche auch aus dem „Comfort“-Modus heraus stets unmittelbar umsetzte, so schwer tut man sich andererseits mit dem manuellen Modus: Nur in „Sport+“ machte er Sinn und Spaß, und der LC500 ist nun mal kein Racer, er ist ein Gran Turismo.

Unter Volllast knallte der Wagen die Gänge 2 bis 8 stakkatoartig – „bäm bäm bäm“ – nach oben durch. Vor der nächsten Kurve von Hand vier oder fünf Gänge runterzuschalten, das ist aber einfach zu viel Arbeit.

Und dann bemerkt man plötzlich den Fehler beim Umschalten von manuell auf Automatik: Das geht gar nicht direkt, sondern nur über einen qualvoll phlegmatischen Umweg, sprich Leistungs-Zwangspause im Leerlauf. Da sollten die Ingenieure noch mal ran.

Nichts zu meckern gibt’s bei der Lenkung, aber dann doch wieder bei den adaptiven Dämpfern: Selbst wenn man vom komfortabelsten zum härtesten der fünf Fahrtmodi wechselt, spüren weder Fahrer noch Beifahrer, dass sich das Fahrzeug wie versprochen straffen würde. Andererseits ist das leicht zu verschmerzen, denn die Straßenlage ist sehr satt, richtig breit und lang und unerschütterlich fühlt sich der Wagen an.

In der von uns getesteten Performance-Variante (für ca. 114.000 Euro), die wohl auch die meistverkaufte Version am deutschen Markt werden dürfte, greift noch eine optionale aktive Hinterachslenkung ins Geschehen ein und „verkürzt“ den Wagen bei flotten Lenkmanövern am Lenkrad gefühlt um einen guten Meter.

Auf der Bremse und in sehr engen Kurven spürt man ab und zu das hohe Gewicht, spätestens bei Herausbeschleunigen zaubert der wunderbar linear am Gas hängende V8 aber wieder ein Lächeln ins Gesicht.

Und das bleibt für lange, lange Zeit. Die braucht man, um all die Feinheiten angemessen zu bewundern, die Lexus in den Innenraum hineingebaut hat. Dickes Leder und superexakte Ziernähte in Kontrast zu schmeichelweichem Alcantara, kombiniert mit matt gefinishtem Aluminium, klar, das können andere in dieser Preisklasse auch. Aber vieles ist exklusiv und verführerisch zugleich.

Herausragende Beispiele sind der Sitzkomfort der mehrstufig beheizten und gekühlten Sportsitze, deren ausufernd geformte Wangen uns zwar souverän festhalten, die aber auch 100 Prozent langstreckentauglich sind.

Dazu kommt auf der Beifahrerseite eine wie ein Leder-Raumteiler hochgezogene Seitenwange mit wunderschöner Griffmulde. Ihr Gegenstück ruht in der Türinnenverkleidung. Man kann sich hier prima festhalten, wenn der Fahrer mal die Kuh fliegen lässt, aber diese Dinger sind auch einfach so total bequem und so etwas hat sonst niemand auf der Welt.

Weitere ungewöhnliche Dinge, die den LC eher jetzt schon als Klassiker der Zukunft erscheinen lassen, denn als Alltagsauto, umfassen etwa die teilweise verspiegelten Rückleuchten, an deren extremer Gestaltung man sich gar nicht satt sehen kann. Unter der Motorhaube warten aus Aluminium gefräste Federdomköpfe, deren extrem versteifende Streben wie kleine Kunstwerke wirken.

In der Mittelkonsole ruht ein modernes, aber leider hypersensibel reagierendes Trackpad und hofft, dass jemand seine 1001 Funktionen erlernt, von denen man während der Fahrt aber besser die Finger lässt. Oder man befeuert einfach die Mark-Levinson-Anlage, deren 13 High-End-Lautsprecher das Zeug haben, sogar den V8 an die Wand zu spielen.


Exot für Genießer des Außerordentlichen

Ist noch Zeit, die komplett in die Außenhaut integrierten Türgriffe zu loben, die ähnlich wie bei Tesla automatisch heraus- und hereinfahren? Und das kaskadenförmig in Ebenen unterteilte Armaturenbrett? Oder den volldigitalen Tacho, dessen „Gehäuse“ - wie im legendären LFA - komplett zur Seite schwenkt, wenn bestimmte andere Display-Details abgerufen werden?

Oder das für Menschen zwar zu kleine, aber für Gepäck wiederum viel zu edle Heckabteil, in dem wir keinen Quadratzentimeter Kunststoff entdeckt haben, sondern nur Leder, Lautsprecher, Alcantara? Oder eines der größten Head-up-Displays im modernen Serienfahrzeugbau?

Ja, so viel Zeit muss definitiv sein. Denn der LC ist ein Gran Turismo für Genießer. Die können sich stundenlang in liebenswerten Details vertiefen, das Coupé bietet selbst Verwöhnten sehr viel.

Und der Preis? Eine weitere Überraschung. Schon bei 99.200 Euro starten sowohl der V6-Hybrid, der LC500h heißt, als auch der getestete LC500 mit V8-Sauger. Bis rund 114.000 Euro lassen sich Verfeinerungen und Extras ordern. 6.000 Autos pro Jahr kann Lexus ab 2018 liefern, global gesehen.

Die meisten werden, wie für die Marke üblich, nach Russland, USA, und Großbritannien gehen. Für Deutschland gibt es dieses Jahr nur 130 Fahrzeuge, und sie könnten schnell vergriffen sein. Für die anvisierte Klientel wird es mindestens das dritte Fahrzeug in der Mehrfachgarage sein.

Man kann nicht nur, man muss Akio Toyoda und Chef-Entwickler Koji Sato gratulieren zu diesem LC. Das Kürzel steht für Luxury Coupé, intern hieß es aber immer Lexus Challenge, weil es die Aufbruchstimmung der Marke signalisieren muss.

Und nun sitzt und fährt man nicht nur in diesem GT, man schwelgt. In Luxus, der sich nicht aufdrängt, und in Leistung, mit der man nicht protzen muss. Man genießt die Blicke der anderen, wird gerne gesehen mit diesem sportlichen Coupé. Es ist für Lexus das perfekte neue Gesicht. Man schaut es an, und fragt sich, wie diese Marke jemals langweilig sein konnte.

Lexus LC500

Technische Daten

Motorvorne eingebauter V8 Benziner, Saugmotor
Hubraum4.969 cm³
Leistung351 kW / 477 PS bei 7.100 U/min
Max. Drehmoment540 Nm bei 4.800 U/min
AntriebHeckantrieb
Getriebe10-Gang-Automatik
Preisab 99.200 Euro, Testwagen: ca. 114.000 Euro

Fahrleistungen

Höchstgeschwindigkeit270 km/h
Beschleunigung 0 - 100 km/h4,7 Sek.
Norm-Verbrauch17,4 / 8,0 / 11,5 l/100 km
CO2-Emissionen399 / 184 / 263 g/km
AbgasnormEuro 6


Maße und Gewichte

Länge4.770 mm
Breite1.920 mm
Höhe1.345 mm
Radstand2.870 mm
Leergewicht1.930 - 1.985 kg
Kofferraumvolumen197 l
Tankvolumen82 l
Reifen / Räderv: 245/40 RF 21, h: 275/35 RF 21
Quelle:  Handelsblatt Online
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