Fair Finance Guide Deutschland: Wie fair verhält sich meine Bank?

Fair Finance Guide Deutschland: Wie fair verhält sich meine Bank?

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Ein unabhängiges Informationsportal bewertet die soziale und ökologische Selbstbestimmung von acht deutschen Banken.

Quelle:Handelsblatt Online

In einem neuen Informationsportal können Verbraucher die sozialen und ökologischen Selbstbestimmungen ihrer Bank begutachten – mit teils überraschenden Ergebnissen. Aus Finanzkreisen gibt es deshalb reichlich Kritik.

Fürsprecher von ethisch-ökologischer Geldanlage haben es wahrlich nicht leicht: Für sie ist es alles andere als einfach, die Leitlinien ihrer Bank in dieser Hinsicht überhaupt zu identifizieren – sie zu überprüfen ist allerdings nahezu unmöglich. Zu groß sind die Verflechtungen in Unternehmens- und Finanzkreisen, zu unvollständig die publizierten Informationen der Institute.

Ein neu errichtetes Informationsportal könnte da künftig Abhilfe schaffen. Der Fair Finance Guide Deutschland (FFG D) überprüft und bewertet die tatsächliche Fairness vieler Geldhäuser. Wie nachhaltig arbeitet meine Bank? Inwiefern werden indirekt Menschen- und Arbeitsrechte verletzt oder der Klimaschutz missachtet? Auf solche Fragen könnte das web-basierte Tool künftig eine Antwort geben.

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Die Macher sichten die sozialen und ökologischen Selbstbestimmungen verschiedener Banken und stellen die Analysen zusammen. Die öffentlich zugänglichen Richtlinien ausgewählter Institute werden dabei auf ethische und nachhaltige Inhalte geprüft und anschließend gerankt. Als Maßstab dienen insgesamt 210 Kriterien – nach Angaben von FFG D international anerkannte Normen und Werte.

Was Investoren für die lukrativste Geldanlage halten

  • Die Umfrage

    Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragt einmal jährlich im Auftrag von pro aurum die Deutschen nach ihren Anlagestrategien. Hier die Ergebnisse vom Juni 2015 - im Vergleich zu den Vorjahren. Zuerst wurden den Bürgern fünf Geldanlagen genannt, mit der Bitte, anzugeben, welche davon aus ihrer Sicht derzeit am besten als langfristige Geldanlage mit mindestens drei Jahren Laufzeit geeignet ist.

  • Gold

    Gold platziert sich zum fünften Mal in Folge an erster Stelle, diesmal allerdings deutlicher vor Aktien, die seit 2011 Zuwächse erzielten, aber aktuell in der Anlegergunst gesunken sind: 30 Prozent der Bürger würden sich heute für Gold entscheiden, weil sie vermuten, dass diese Anlage nach mindestens drei Jahren Laufzeit im Vergleich zu den vier anderen Geldanlagen den meisten Gewinn bringt. Gold konnte somit um zwei Prozentpunkte zulegen.

  • Aktien

    Nur noch 23 Prozent halten Aktien für besonders lukrativ, wenn es um langfristige Geldanlagen geht. Im Vorjahr hatte dieser Wert mit 27 Prozent offenbar einen Gipfel erreicht.

  • Fondsanteile

    Es folgen Fondsanteile mit zwölf Prozent. Fonds sind in der Gunst der Anleger wieder leicht gegenüber dem Vorjahr gestiegen. 2013 hatte dieser Wert mit 13 Prozent noch ein Hoch erreicht, war aber 2014 auf elf Prozent zurückgefallen.

  • Festgeld

    Fest- beziehungsweise Termingeld hielten sieben Prozent der Befragten für die lukrativste langfristige Geldanlage. Seit 2011 ist diese Anlageklasse deutlich ins Hintertreffen geraten, damals glaubten noch 22 Prozent der Befragten, Termin- und Festgelder würden auf drei Jahre betrachtet den meisten Gewinn abwerfen.

  • Anleihen

    Drei Prozent nannten Anleihen als aussichtsreichste Anlageklasse, im Vorjahr waren es nur zwei Prozent. Anleihen spielen somit für Privatanleger praktisch keine Rolle. Ernüchternd: Knapp jeder vierte Bürger (24 Prozent) kann nicht sagen, welche dieser Anlagen am besten geeignet wäre, um langfristig möglichst viel Gewinn zu erzielen. Die Angaben "weiß nicht" oder "keine davon" kamen bereits in den Vorjahren ähnlich häufig vor.

Das erste Ranking überrascht zum Teil: Dass die Nachhaltigkeitsbanken GLS Bank (92 Prozent) erfüllte Bewertungskriterien) und Triodos Bank (82 Prozent) das Ranking vor der evangelischen KD-Bank (63 Prozent)anführen, dürfte kaum überraschen. Verwunderlich ist auf den ersten Blick allerdings, dass die katholisch-genossenschaftliche Pax-Bank auf dem letzten Platz landet – mit nur drei Prozent erfüllten Bewertungskriterien. Die Selbstbestimmung sei nicht präzise und ausführlich genug formuliert, heißt es.

Mit erheblichen Einbußen haben die untersuchten Großbanken zu kämpfen. So erfüllt die Commerzbank lediglich 35 Prozent der Kriterien, die DZ-Bank 29 Prozent, Deutsche Bank (21 Prozent) und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW, 8 Prozent) werden gar noch dahinter gelistet.

Mit ausschlaggebend dafür: Laut FFG D würden diese Häuser entgegen ihrer Selbstbestimmungen in kontroverse Unternehmen investieren oder zur Finanzierung beitragen – etwa in Firmen, die durch Rüstungsexporte in Länder, in denen Menschenrechte verletzt werden, ihr Geld verdienen. Auch solche Dritthandlungen führen zu einer Abwertung im Ranking. Ein solches Informationsportal gibt es bereits in sechs Ländern – Tendenz deutlich steigend. Inzwischen wurden 56 Banken genau unter die Lupe genommen.

Federführend ist das Netzwerk Fair Finance Guide International (FFG I), das von der Hilfsorganisation Oxfam gegründet würde und hauptsächlich vom schwedischen Entwicklungsministerium Sida finanziert wird. „Die Betrachtung von Banken ist ein guter Start, weil dort die größte Nähe zum Verbraucher ist“, sagt Petra Hamers, Koordinatorin von FFG I. Für die Zukunft gibt es Überlegungen, ein ähnliches Angebot auch für den Versicherungssektor anzubieten.

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