Faktor Mensch: Superslimfit statt SchniPo

Faktor Mensch: Superslimfit statt SchniPo

, aktualisiert 08. März 2017, 09:51 Uhr
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In ihrer Kolumne schreibt Tanja Kewes über Sonnenkönige in der Wirtschaft, Kabinettstückchen in der Politik, unseren Arbeitsalltag mit Chefchefs und den lieben Kollegenkurrenten sowie Fragen, die uns Tag und Nacht bewegen.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Schlankheitswahn hat - endlich - auch die Herren erfasst.

Liebe Herren der Schöpfung, das Schönste an dem Thema ist, dass es Sie seit einiger Zeit auch betrifft. Ja, dieses Thema beschäftigt einige von Ihnen inzwischen sogar mehr als uns Damen, wage ich zu behaupten.

Er lässt Sie (allzu) selbstkritisch sein, bisweilen mit Knöpfen, Krägen und Gürteln verzweifeln, sich vor Spiegeln drehen und wenden und missmutig an sich herunterschauen. Es macht Ihnen vor allem auch so manche Mahlzeit madig. Sie ahnen längst, worauf ich hinauswill - richtig, auf den Schlankheitswahn.

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Die Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch begonnen hat, mag dafür noch einen spirituellen Grund geben: kein Alkohol, keine Süßigkeiten ... Doch das ist nur die Spitze. Den Rest des Jahres treibt auch Sie längst Ihr aus der Betriebswirtschaftslehre abgeleiteter und im Geschäft gut geübter Optimierungswahn. Hinzu kommen: Diäten und das Diktat der Mode. Im Alltag geht es auch bei Ihnen um das Eingefleischte.

Beginnen wir mit der (Selbst-)Optimierung. Lean Management praktizieren Sie inzwischen auch an sich selbst: minimaler Einsatz an Produktionsfaktoren, also nur noch Wasser, Salat und Vitaminpillen, für ein maximales Ergebnis. Was uns Damen einst die Wespentaille und heute die Size Zero, ist Ihnen ein niedriger BMI. Reichte früher Köpfchen, um Karriere zu machen, braucht es heute auch bei Ihnen Körper. Wer nicht agil daherkommt und dafür in technische Gadgets wie diese Fitnessarmbänder investiert, dem wird Trägheit - körperliche wie geistige - und Willensschwäche attestiert.

Sowieso diese Essgewohnheiten: Ließen früher nur wir Frauen beim Business-Lunch, sofern wir an einem solchen teilnehmen durften, die Kartoffeln und andere Kohlenhydrate links liegen, und rieben Sie sich anschließend Ihren Wirtschaftswunderbauch, so sind Sie, liebe Herren, inzwischen ähnlich hysterisch. Von wegen Schni-Po-Donnerstag mit Ketchup und Mayo. Sie stochern sich längst auch durch Blattsalat mit Hühnchenbruststreifen und fressen das dazu gereichte Kräuterbaguette nur noch mit den Augen auf.

Ja, meine Herren, das Diktat der Mode. Die Zeiten, in denen Sie sich bei Ihrem Herrenausstatter blind ein Hemd in Ihrer Kragenweite und Ärmellänge griffen, sind vorbei. Vorbei auch die Zeiten, als Sie sich nur zwischen Comfort und Regular Fit entscheiden mussten. Es folgten Modern und Body Fit. Und nun, oh Gott: Super Slim. Allein die Bezeichnung lässt Sie in Schweiß (und Tränen) ausbrechen und den superschlanken Verkäufer in zu kurzen Hosen fast hassen.

Aber bitte, meine Herren - und bei all meiner (Schaden-)Freude, Sie dabei zu beobachten - , verschwenden Sie bitte Ihre Energien nicht. Man kann auch alles übertreiben. Nicht, dass Sie noch Ihrem Chef unsympathisch oder suspekt werden und wir Damen an Ihnen vorbeiziehen.

Und so, wie Sie wahrscheinlich keine Hungerhaken als Frau attraktiv finden, so mögen wir Frauen auch eher keine Asketen. Wie heißt es (bei Friedrich Schillers Räubern) so schön? Mit Speck fängt man Mäuse!

Quelle:  Handelsblatt Online
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