Fallende Preise in der Euro-Zone: Kopfschmerzen für Draghi

Fallende Preise in der Euro-Zone: Kopfschmerzen für Draghi

, aktualisiert 29. April 2016, 14:03 Uhr
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Für den Notenbankchef gab es heute gute und schlechte Nachrichten vom europäischen Statistikamt Eurostat.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Wirtschaft im Euroraum ist zu Jahresbeginn überraschend stark gewachsen. Doch die schwache Preisentwicklung im Euro-Raum dürfte EZB-Chef Mario Draghi Sorge bereiten.

FrankfurtcDie Preise im Euro-Raum sind im April gesunken. Die Verbraucherpreise fielen im Jahresvergleich um 0,2 Prozent, berichtete das europäische Statistikamt Eurostat am Freitag in einer ersten Schätzung in Luxemburg. Im März hatte die Inflationsrate 0,0 Prozent betragen. Grund für den Preisrückgang war vor allem der Verfall des Ölpreises. Allerdings sank auch die um Energie- sowie Nahrungsmittelpreise bereinigte Kernrate von 1,0 auf 0,8 Prozent.

Was Verbraucher freut, bereitet der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihrem Chef Mario Draghi Sorgen. Die Notenbank strebt für das Ziel der Preisstabilität eine Inflation von knapp zwei Prozent an. Negative Teuerungsraten nähren die Sorge vor einer sogenannten Deflation, das ist eine verhängnisvolle Spirale aus dauerhaft fallenden Preisen und einer schrumpfenden Wirtschaft.

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Commerzbank-Ökonom Christoph Weil rechnet damit, dass sich an der schwachen Preisentwicklung auch im Jahresverlauf wenig ändern dürfte. „Deshalb halten wir es für wahrscheinlich, dass die EZB zum Jahresende noch einmal nachlegt,“ sagt er.

Erst im März hat die EZB ihre Geldpolitik gelockert. Sie senkte den Leitzins auf null Prozent. Zu den beschlossenen Maßnahmen gehören auch mehr monatliche Anleihekäufe der EZB, ein höherer Strafzins für Banken und eine Prämie für Institute, die mehr Kredite vergeben. All das drückt die langfristigen Zinsen und soll die Inflation im Euro-Raum anfachen - bislang jedoch ohne sichtbaren Erfolg.

Einen positiven Effekt hatte schwache Preisentwicklung jedoch offenbar auf das Wachstum im Euroraum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg in den ersten drei Monaten laut den Zahlen von Eurostat um 0,6 Prozent zum Vorquartal. Das ist der kräftigste Zuwachs seit einem Jahr. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet.


„Vor Jubelstürmen sei gewarnt“

Erste Daten aus den Euro-Ländern deuten darauf hin, dass kauffreudige Verbraucher die Konjunktur angeschoben haben. „Nicht zuletzt die niedrige Inflation stützt den privaten Verbrauch“, führte Sandte aus. Im April fielen die Verbraucherpreise in der Euro-Zone um 0,2 Prozent. Die französische Wirtschaft wuchs im ersten Quartal um 0,5 Prozent, weil die Ausgaben der Haushalte so stark zulegten wie seit 2004 nicht mehr. Spanien schaffte sogar ein Plus von 0,8 Prozent. Daten aus Deutschland werden erst für den 13. Mai erwartet.

Die Währungsunion schlug sich zum Jahresauftakt weit besser als die weltgrößte Volkswirtschaft USA: Diese kam nur auf ein BIP-Plus von rund 0,1 Prozent, da sie unter dem starken Dollar und der schwachen Weltkonjunktur leidet. „Die Wirtschaft im Euro-Raum hat einen fulminanten Start ins Jahr 2016 hingelegt“, unterstreicht Commerzbank-Ökonom Weil. „Das ist überraschend viel und deutlich über dem Trend“, ergänzte der Europa-Chefvolkswirt der Nordea Bank, Holger Sandte. „Zudem hat sich das Wachstum - anders als in den USA und Großbritannien - zu Jahresbeginn beschleunigt.“

Experten halten Euphorie allerdings für übertrieben. „Vor Jubelstürmen sei gewarnt“, sagte Weil. „Das starke Plus ist teilweise auf Sonderfaktoren wie Kalendereffekte und den milden Winter zurückzuführen. Zudem muss sich die Verlässlichkeit dieser erstmals veröffentlichten Schätzung erst noch erweisen.“ Bislang hat Eurostat erst 45 Tage nach Quartalsende eine erste Wachstumszahl genannt, die endgültigen Daten folgten dann weitere 20 Tage später. Die Schnellschätzung soll nun schon rund 30 Tage nach Quartalsende veröffentlicht werden, kann aber später noch Revisionen nach sich ziehen. So wird es auch in den USA gehandhabt.


Quelle:  Handelsblatt Online
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