Feedback-Kultur: In dieser Firma bewertet jeder jeden

Feedback-Kultur: In dieser Firma bewertet jeder jeden

, aktualisiert 10. März 2017, 13:45 Uhr
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Die US-Bank ist das jüngste Beispiel für Konzerne, die Veränderungen beim Personalmanagement vornehmen.

Quelle:Handelsblatt Online

Restaurants oder Amazon-Bestellungen lassen sich längst in Echtzeit bewerten. Nur im Job findet Feedback nur einmal im Jahr statt. Die US-Bank JP Morgan will das ändern – und führt ein völlig neues Online-System ein.

New YorkDie US-Großbank JP Morgan Chase führt ab sofort ein völlig neues System bei der Bewertung von Mitarbeitern ein. Das Unternehmen nutzt ein mobiles Programm, dass es jedem erlaubt, Kritik von Kollegen in Echtzeit zu empfangen oder an sie zu versenden.

Die Software mit dem Namen Insight360 dient dazu, die Entwicklung der 243.000 Mitarbeiter umfassenden Belegschaft voranzutreiben, wie aus einem Rundschreiben von Personalchef John Donnelly hervorgeht. Die Manager des Finanzkonzerns hatten festgestellt, dass viele Mitarbeiter, besonders jüngere, ständig Feedback wollen – statt der klassischen Bewertung einmal pro Jahr.

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„Indem wir Ihnen zuhörten, haben wir gelernt, dass unsere Mitarbeiter zu jeder Zeit wissen wollen, wo sie stehen“, schrieb Donnelly in dem Memo. Das Web-basierte Programm wird es Mitarbeitern ermöglichen, „von jedem jederzeit Rückmeldung anzufordern oder zu empfangen“.

Die größte US-Bank ist das jüngste Beispiel für Konzerne, die Veränderungen beim Personalmanagement vornehmen. Sie passen sich an ein Zeitalter an, in dem Technologie eine Echtzeit-Bewertung von Restaurants, Amazon-Lieferungen und vielem mehr ermöglicht.

Vorreiter sind hier Technologie- und Beratungsunternehmen, darunter der IT-Riese Microsoft und die Beraterfirma Accenture. Sie überdenken ihre jährlichen Bewertungsgespräche – und schaffen diese entweder vollständig ab oder ergänzen sie mit mehr Zwischengesprächen.

Vergangenes Jahr hatte die Investmentbank Goldman Sachs erklärt, das Unternehmen experimentiere mit einem Online-System für ein ständiges Mitarbeiter-Feedback. Der Finanzriese schaffte zudem Bewerbungsgespräche mit Studenten auf dem Universitäts-Campus ab. Stattdessen entschied sich Goldman für Video-Aufzeichnungen sowie Software, die Lebensläufe auswertet. Dahinter stand das Ziel, die Einstellungen zu standardisieren.


Mitarbeiter erhalten umgehend Feedback

Bei JP Morgan bedeutet die neue Technologie, dass kurze Zeit nach einer Sitzung oder dem Abschluss eines Projekts ein Manager bei den Teilnehmern Reaktionen zur Leistung eines bestimmten Mitarbeiters anfordern kann. Das berichtete Michael D’Ausilio, Managing Director für Leistungsentwicklung.

Mitarbeiter hätten auch die Möglichkeit, um Kritik zu bitten oder von selbst Bewertungen über Kollegen abzugeben. Derjenige, der einen solchen Prozess anstößt, kann entscheiden, wer das Feedback zu sehen bekommt. „Wenn sie eine Sitzung beenden, sollten sie umgehend erfahren, wie sie sich geschlagen haben“, sagte D’Ausilio.

Er gibt zu, dass die Veränderungen für einige Mitarbeiter eine Veränderung darstellen könnten, deren gesamte Jahresleistung bislang bei einem einzigen Gespräch abgehandelt wurde – bei dem es eine von fünf Noten gab, von „braucht Verbesserung“ bis „übertrifft Erwartungen“.

Informationen, die mit der neuen Technologie eingesammelt werden, fließen nun neben anderen Faktoren auch in Entscheidungen zu Vergütungen im Finanzkonzern ein, dessen Mitarbeiter von Teilzeit-Schalter-Angestellten bis hin zu Investmentbankern und Händlern reichen. „Wir wollen, dass sich die Leute in einer Art und Weise verhalten, die ein Umfeld schafft, in dem sich die Leute wohl dabei fühlen, nach Feedback zu fragen, dieses zu geben oder es zu erhalten“, sagt D’Ausilio. „Es muss etwas sein, das Teil der Routine der Leute ist.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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