Finanzaufsicht: „Panama Papers“ bitte nach Bonn senden

Finanzaufsicht: „Panama Papers“ bitte nach Bonn senden

, aktualisiert 03. Juli 2016, 12:38 Uhr
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Ende 2012 gab es eine Razzia in der Bank. Künftig hoffen Behörden auf mehr Informationen zu Fehlverhalten bei Banken und Versicherungen.

von Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Die Finanzaufsicht Bafin ermuntert Tippgeber, Missstände bei Finanzfirmen aufzuklären. „Whistleblower“ können sich anonym und elektronisch an die Aufseher wenden. Bislang gab es keine zentrale Anlaufstelle.

FrankfurtFür deutsche Banker, die Übles im Schilde führen, ist es ab sofort noch etwas schwieriger, ihre Machenschaften zu verbergen. Sie müssen den Feind in den eigenen Reihen fürchten. Grund: Die deutsche Finanzaufsicht Bafin mit Sitz in Bonn und Frankfurt richtet eine zentrale Stelle ein, an die sich jeder wenden kann, der anonym Informationen zum Fehlverhalten einer Bank oder zu Vergehen wie Kursmanipulationen geben möchte.

„Bei der Identifizierung von Verstößen gegen das Aufsichtsrecht kommt Whistleblowern eine große Bedeutung zu“, erklärt die Behörde. „Allerdings sollen Hinweisgeber sicher sein können, dass ihnen aus der Meldung keine Nachteile entstehen, wenn sie ihre Identität zu erkennen geben.“

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Deshalb garantieren die Aufseher die Anonymität der Tippgeber. Bei verbotenen Insider-Geschäften sind der Behörde in den vergangenen Jahren selten aufsehenerregende Schläge gelungen.

Die Behörde ist zwar auch bisher schon Hinweisen von Informanten nachgegangen. Es gab dafür aber keine zentrale Anlaufstelle. Zuletzt waren in der Finanzbranche mehrere Skandale sowie umstrittene Geschäftspraktiken von Whistleblowern aufgedeckt worden – unter anderem über Briefkastenfirmen in Panama und Steuerpraktiken von Unternehmen in Luxemburg.

Zwei Whistleblower, die die sogenannten Luxleaks-Publikationen ins Rollen gebracht hatten, sind vergangene Woche in Luxemburg zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Es handelt sich um zwei ehemalige Mitarbeiter der Beratungsgesellschaft PwC, die interne Dokumente zu Steuerpraktiken von Konzernen an die Presse weitergeleitet hatten. Das Urteil stieß weltweit auf Kritik. Ein ebenfalls angeklagter Journalist wurde freigesprochen.

Im vergangenen Jahr hat die Bafin –  auch dank anonymer Tippgeber – 750 neue Ermittlungsverfahren eingeleitet. Jüngstes Beispiel: Die Aufseher haben den gesamten Vorstand von Volkswagen angezeigt, weil sie davon ausgehen, dass die Manager den Markt manipuliert haben. Der konkrete Vorwurf lautet, VW habe eine Pflichtmitteilung an die Börse über den Dieselabgasskandal zu lange hinausgezögert und damit die Anleger getäuscht. mm/rtr

Quelle:  Handelsblatt Online
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