Die Angst vor den Hedgefonds geht um in den Vorstandsetagen: „Ich glaube nicht, dass die Deutsche Börse ein Einzelfall bleibt“, sagte Linde-Chef Wolfgang Reitzle vergangene Woche in Frankfurt. Fonds zwangen Börsenchef Werner Seifert, die Übernahme der Londoner Börse (LSE) abzusagen. Er muss seine Kriegskasse jetzt an die Aktionäre verteilen. „Die Wucht der Kapitalmärkte zerschlägt jedes schön aufgebaute Unternehmenskonzept“, fürchtet Reitzle, der seinen Konzern, anders als von Investoren gefordert, nicht zerlegen will. Er denke auch an seine 40 000 Mitarbeiter und an die Gesellschaft, in der Linde sich bewegt – nicht nur an Portfoliomanager, „die ihre Quartalsindizes schlagen wollen“. Noch schützen die Großaktionäre Allianz, Deutsche Bank und Commerzbank Linde vor Attacken. Doch die Deutschland AG löst sich auf. Anstelle der Old Boys aus Industrie, Banken und Versicherern herrschen über immer mehr Unternehmen die Fonds. Es mag noch angehen, dass sie eine umstrittene Übernahme verhindern. Sie könnten aber auch Investitionen blockieren und Werte, die über viele Jahre aufgebaut wurden, aus den Unternehmen ziehen. „Nur noch ein Blick auf den Computerschirm“ sei Linde für viele Fondsmanager, klagt Reitzle. Wozu noch Fabriken und Labore, Arbeiter und Ingenieure?
„Gebt uns das Geld, wir können damit höhere Renditen erwirtschaften“, sagen die Hedgefonds. Die reale Wirtschaft würde ausverkauft oder zur Basis für spekulative Spielchen degradiert. Das darf niemandem gleichgültig sein.
Risikobereite Anleger fahren zwar nicht schlecht, wenn sie sich an die Hacken der Hedgefonds heften. Der Kurs der Deutschen Börse steigt, auch der Linde-Aktie bekamen die Zerschlagungsgerüchte. Wer aber sein Geld weder opportunistischen Fondsmanagern anvertrauen noch täglich selbst handeln will, fährt besser mit Unternehmen, die nicht jedes Quartal den Beifall der Märkte brauchen, sondern über Jahre eine schlüssige Strategie verfolgen. Fonds und Hedgefonds müssen ihnen die dazu erforderlichen Freiheiten und Mittel lassen. Tun sie dies nicht, muss man sie zwingen. Die Jahrtausend-Aktienblase hat bewiesen, dass Fondsmanager keineswegs immer am besten wissen, wie Kapital sinnvoll einzusetzen ist.
h.reimer@vhb.de




















