Agrarkonzerne: Baywa-Chef Lutz: "Schutz vor Übernahme"

Agrarkonzerne: Baywa-Chef Lutz: "Schutz vor Übernahme"

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Agrarhandelskonzern BayWa (c) dpa - Bildfunk

von Anton Riedl

Mit neuer Technologie und hohen Reserven will Klaus Josef Lutz den Agrarkonzern BayWa für internationale Anleger interessant machen.

WirtschaftsWoche: Herr Lutz, Landwirte sind die wichtigsten BayWa-Kunden. Doch die klagen seit Jahren über Einkommensverluste. Kann BayWa in einem solchen Umfeld überhaupt noch wachsen?

Lutz: Die Situation der Landwirte ist nicht einfach. Zu den unsicheren Konjunkturaussichten und den Schwankungen der Agrarpreise kommen Liquiditätsprobleme. Zudem werden von der europäischen Politik Subventionen weiter gekürzt. Deshalb ist es wichtig, dass die BayWa auf drei Säulen ruht: Agrar, Energie und Bau. Wenn sich eine Sparte schwächer entwickelt, kann die andere das ausgleichen.

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Aber das Agrargeschäft macht noch die Hälfte Ihres Umsatzes aus – und 2009 verlief es zäh.

Dafür gab es verschiedene Gründe, unter anderem den Preisverfall bei Getreide. Die diesjährige Ernte war sehr gut, die Lager sind gefüllt. Dennoch spüren wir nach den übertriebenen Preisabschlägen der vergangenen Monate eine leichte Erholung. Ab Mitte 2010 hoffen wir, dass sich der Agrarmarkt wieder belebt.

Die Rohstoffmärkte zeigen, dass solche Erwartungen schnell enttäuscht werden können. Wird BayWa zum Spielball von Agrar-Spekulanten?

Nein, wir steuern aktiv dagegen. Das Risikomanagement ist im Vorstand ganz oben angesiedelt. An der Terminbörse Euronext sichern wir unsere Rohstoffbestände gegen Preisrisiken ab. Die Agrarmärkte sind zwar volatiler als früher, wir haben diese Schwankungen aber durchaus im Griff.

Vor drei Wochen schloss die Landtechnik-Messe Agritechnica. Gehen nun, wie erwartet, zahlreiche neue Orders ein?

Die Stimmung war nicht schlecht, doch mit Bestellungen sind die Landwirte zurückhaltend. Seit September ist der Markt rückläufig. Derzeit liegen die Auftragseingänge um rund 17 Prozent unter Vorjahr. 2010 wird für die Landtechnik ein schwieriges Jahr.

Im Geschäftsbereich Bau und Baustoffe geriet BayWa in die roten Zahlen. Gelingt Ihnen bis Jahresende die Wende in die Gewinnzone? 

Hier hat sich das Geschäft komplett gedreht, wir sind wieder in den schwarzen Zahlen. Seit einigen Wochen spüren wir die Folgen der staatlichen Konjunkturmaßnahmen. Bis Ende des Jahres rechnen wir hier mit einem deutlich positiven Ergebnis.

Ein Viertel des Umsatzes macht BayWa mit dem Handel von Heizöl und Kraftstoffen. Die Gewinnspanne ist jedoch mager.

Ein Prozent Umsatzrendite vor Steuern sieht nach wenig aus, ist hier aber eine gute Marge. Der Kapitaleinsatz ist gering, die Erträge solide. Wir betrachten unser klassisches Energiegeschäft als Cashcow.

Dennoch investieren Sie jetzt massiv in erneuerbare Energien. Ist das nicht riskant, wenn man etwa an die Ernüchterung in der Solartechnik denkt?

Wir investieren deshalb nur in sehr rentable Unternehmen. So sind wir bei den jüngsten Übernahmen MHH Solartechnik und Renewable Energy Concept (Renerco) mit einem Kaufpreis von insgesamt 65 bis 70 Millionen Euro günstig zum Zug gekommen. Wir werden hier nur Handels- und Dienstleistungsunternehmen bleiben und nicht produzieren, das begrenzt das Risiko. Schon heute erzielen wir hier Gewinnmargen vor Steuern und Abschreibungen von mindestens fünf Prozent.

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