Aktien: Dax-Neulinge haben es schwer

KommentarAktien: Dax-Neulinge haben es schwer

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Der WirtschaftsWoche-Redakteur Christof Schürmann kommentiert die aktuelle Börsenentwicklung

Dax-Neulinge haben einen schweren Stand. Sind sie erst mal im Elitekreis angekommen, rutscht der Kurs. Hohe Gewinne machen Anleger mit Dax-Kandidaten, die niemand auf der Rechnung hat.

Anleger können darauf wetten: Neulinge in der Eliteliga des deutschen Aktienmarktes, dem Dax, haben regelmäßig einen schweren Stand. Beispiel K+S: Der Düngemittelkonzern ist seit Ende September im wichtigsten deutschen Aktienbarometer. Binnen Jahresfrist ist der Kurs um 53 Prozent abgesackt – der Dax-Aufnahme zum Trotz. Dazwischen lagen die teure Übernahme des US-Salzherstellers Morton Salt und im Juni das Eingeständnis, dass die ursprüngliche Ergebnisprognose nicht mehr zu halten ist. K+S reiht sich damit in den Kreis der Unternehmen ein, die erst spekulativ in Richtung Dax gejazzt wurden und danach abstürzten. Einer Studie aus dem Jahre 2004 zufolge hinken Dax-Emporkömmlinge im ersten Jahr 9,2 und nach zwei Jahren 18,4 Prozentpunkte dem Index hinterher. Fast immer schießen die Bewertungen der Dax-Kandidaten vor der Aufnahme weit über das Normalmaß hinaus.

Mögliche Gewinner: Solarworld, Qiagen und Südzucker

Kommen dazu noch teure Übernahmen und Umsatzeinbrüche, so wie bei K+S oder auch bei Continental, die nach der Dax-Aufnahme auf Einkaufstour gingen und 2007 Siemens VDO abkauften, ist der Kursabsturz programmiert. Ob den Kandidaten der Sprung in den Dax überhaupt noch gelingt, spielt letztendlich keine Rolle. Die Trickfilm-Firma EM.TV, die Beteiligungsgesellschaft WCM oder Mobilcom, die allesamt ans Dax-Tor klopften, sind entweder pleite (WCM), wurden nach Kursabsturz aufgekauft (Mobilcom) oder versanken in der Drittklassigkeit (EM.TV). Nicht viel besser ging es dem Finanzvertrieb MLP, der nach einem kurzen Dax-Gastspiel heute im MDax ein Nischendasein fristet.

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Gewinn machen Anleger, die auf einen späteren Dax-Kandidaten setzen, den noch niemand auf der Rechnung hatte. So auch bei K+S: Ende 2000 wollte kaum ein Investor etwas von der Aktie wissen – der Börsenwert lag bei rund 600 Millionen Euro. Wer früh dabei war, konnte in der Spitze mehr als 2000 Prozent Gewinn einsacken.

Und heute? Kandidaten, die eine solche Rally hinlegen könnten, sind zwar nicht in Sicht. Aber: Solarworld dürften sich auf kurz oder lang im Dax wiederfinden. Anleger mit langem Atem schauen auf das stabile Geschäft des Biotech-Zulieferers Qiagen. Und für eine Überraschung könnte Südzucker gut sein. Die Anzahl der frei handelbaren Aktien ist mit einem guten Drittel zwar noch viel zu gering. Das könnte sich aber ändern, über eine Fusion etwa oder wenn der Großaktionär Süddeutsche Zuckerrüben-Verwertungs-Genossenschaft Anteile an die Börse bringt.

Der Kurs hat sich seit Ende Oktober verdoppelt, während der Dax in etwa stagnierte. Womöglich bahnt sich hier ein künftiger Dax-Kandidat heimlich den Weg.

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