Aktionärsklagen: Lukrative Tandem-Strategie

Aktionärsklagen: Lukrative Tandem-Strategie

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Aktionäre auf der Hauptversammlung der Linde AG

Allianz, Conergy, IKB - immer wieder kassieren Aktionäre mit Klagen ab, die sie dann zurückziehen. Experten beobachten dabei eine lukrative Tandem-Strategie, von der Aktionäre und Anwälte profitieren.

Schon vor 20 Jahren hat der Bundesgerichtshof entschieden: Es ist sittenwidrig, wenn Aktionäre Geld dafür kassieren, dass sie eine Klage zurückziehen. Dieses Grundsatzurteil führte jedoch nicht dazu, dass das Erpressungspotenzial sank. In der Folge legten räuberische Aktionäre erst richtig los – und kassierten über versteckte Kanäle.

Dabei zeigten sie sich kreativ. Ein Insider berichtet zwar, dass Vorstände den Anfechtungsklägern bisweilen Bargeldkoffer an Flughäfen überreichten oder über Mittelsmänner im Ausland Geld auf diskrete Konten überweisen ließen. Aber solch plumpe Lösegeldzahlungen dürften eher die Ausnahme gewesen sein. Häufig kassierten Anfechtungskläger beispielsweise, indem sie sich zu Vorzugskonditionen an einer Kapitalerhöhung beteiligen durften.

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Inzwischen agieren Kläger und Vorstände vorsichtiger. Unternehmen müssen Vergleiche seit einigen Jahren veröffentlichen – direkte Sondervorteile für Kläger sind seither passé. Aber auch die Kläger geraten unter Druck: Im Januar entschied das Oberlandesgericht Frankfurt, dass Kläger schadensersatzpflichtig sind, wenn sie Extrazahlungen fordern. Und im aktuellen Bankenrettungsgesetz droht der Staat: Wer wichtige Kapitalmaßnahmen „verzögert oder vereitelt“, etwa durch „Einlegung unbegründeter Rechtsmittel“, wird auf Schadensersatz verklagt.

Abkassieren bleibt weiter möglich

Trotzdem bleibt Abkassieren weiter möglich. Derzeit erstatten Unternehmen den Klägern "Anwalts- und Gerichtskosten" – und die liegen dank hoher Streitwerte schnell im sechsstelligen Bereich.

Beispiele gibt es reihenweise: Für die Rücknahme der Anfechtungsklagen gegen die Kapitalerhöhung der IKB etwa gab’s letztes Jahr 107.585 Euro für jeden der zehn Anfechter, bei der Solarfirma Conergy, die ebenfalls dringend eine Kapitalspritze benötigte, waren es wenig später je 71.963 Euro für rund 20 Kläger. Die Allianz zahlte 2006 jeweils 72.166 Euro an 13 Opponenten, die sich gegen die Verschmelzung der italienischen Tochter RAS auf die Mutter und die Umwandlung der Allianz in eine Europäische Gesellschaft gewehrt hatten.

Die Vermutung liege nahe, dass diese Summen danach zwischen Kläger und Anwalt aufgeteilt werden, meint ein Jurist. Schließlich falle auf, dass die meisten Berufskläger stets mit demselben Anwalt kooperierten. Das spreche für eine lukrative Tandem-Strategie: Der Aktionär beschafft gebührenträchtige Klageaufträge, und der Advokat dankt es ihm mit einer satten Rückvergütung.

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