Allianz-Fondchef Andreas Utermann im Interview: "Ein Haus kaufen"

Allianz-Fondchef Andreas Utermann im Interview: "Ein Haus kaufen"

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Andreas Utermann von Allianz Global Investors

Andreas Utermann verwaltet als Aktienchef der Allianz-Fonds 100 Milliarden Euro. Deutschlands mächtigster Investor ist skeptisch für den Dax.

WirtschaftsWoche: Herr Utermann, ist nach dem Kurssturz jetzt die Zeit reif für den Einstieg an der Börse?

Utermann: Ich glaube nicht, dass der Dax schnell nach oben geht. Wir müssen uns auf eine Zeit niedrigerer Renditen am Aktienmarkt einstellen. Auf Sicht von ein bis zwei Jahren wird es schwierig sein, wir werden große Ausschläge nach oben und unten bekommen. Das ist aber eine gute Zeit für selektive Aktienkäufe.

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Was muss nach den Rettungspaketen für die Banken als Nächstes geschehen?

Entscheidend ist, dass die Kreditvergabe wieder anspringt. Davon hängt ab, wie schlimm die Wirtschaftsschwäche wird. Ich denke, dass wir es schaffen, den Kreditverkehr wieder anzukurbeln, und dass wir keine Deflation bekommen. Aber ein Wirtschaftseinbruch mit fallenden Preisen ist seit dem Kollaps von Lehman Brothers ein mögliches Szenario.

Auch Sie haben vor wenigen Monaten nicht mit einer Krise dieses Ausmaßes gerechnet.

Wir hatten nicht erwartet, dass die USA eine Bank wie Lehman Brothers pleitegehen lassen. Nach der Rettung von Bear Stearns gingen wir davon aus, ebenso wie der Finanzmarkt insgesamt, dass die US-Regierung keine systemische Finanzkrise zulässt. Daher liehen sich die Banken wieder Geld und vergaben Kredite an Unternehmen. Nach der Pleite von Lehman waren keine Prognosen mehr möglich. Die Dominosteine begannen umzufallen.

War die Angst vor einem Zusammenbruch des Finanzsystems gerechtfertigt?

In der Woche nach dem Lehman-Kollaps vom Montag, dem 15. September, waren wir kurz vor dem Ende, vor einem weltweiten Ansturm der Kunden auf alle Banken. Die Lage war dramatisch, und die Leute spüren so was.

War es ein Fehler der Politik, Lehman pleitegehen zu lassen?

Ja. Selbst eine Bank wie Lehman Brothers zu retten wäre vermutlich günstiger, als eine einmal in Gang gesetzte Abwärtsspirale zu stoppen.

Müssten Sie als Investor der Politik nicht dankbar sein für die Milliarden-Rettungspakete?

Das Problem wurde substanziell durch die Politik verursacht, und zwar durch über lange Jahre niedrige Zinsen. Wenn der US-Leitzins Anfang 2005 bei vier und nicht bei zwei Prozent gelegen hätte, hätte es niemals so starker Übertreibungen am US-Häusermarkt und an den Finanzmärkten gegeben. Derart niedrige Zinsen aber erzeugen Renditedruck bei den Investoren. Dann werden Anleger für ihr Risiko nicht mehr angemessen entschädigt. Die Notenbanken haben in Kauf genommen, dass es Spekulationsblasen gibt.

Was wäre die Alternative gewesen?

Anders als US-Notenbankchef Ben Bernanke denke ich, dass Geldpolitiker die Luft aus Spekulationsblasen lassen können, bevor sie platzen. Dazu müssen sie aber die Zinsen erhöhen und schwächeres Wirtschaftswachstum in Kauf nehmen.

Eine Ursache der Krise ist auch, dass US-Verbraucher und Firmen auf Pump leben, finanziert von China und dem Nahen Osten.

Auch dieses Ungleichgewicht der Kapitalströme ist eine Folge der Politik. Die USA haben zu viel konsumiert. China hat es versäumt, ein soziales Sicherungssystem aufzubauen, das den Chinesen die nötige Sicherheit gibt, damit diese sich mehr leisten können. Das muss sich künftig ändern.

Aber die Verschuldung der USA steigt durch die Rettungspakete gerade dramatisch an.

Um die Verschuldung in fünf bis zehn Jahren abzubauen, brauchen die USA eine höhere Inflation, die ihre Schulden entwertet. Bei vier bis sechs Prozent könnten sie die Verschuldung in fünf bis zehn Jahren auf ein akzeptableres Niveau abbauen. Bei Inflationsraten von unter 2 Prozent würde das ein bis zwei Generationen benötigen. Anleger, die darauf vertrauen, dass die Politik den Zusammenbruch verhindert, sollten einen Kredit aufnehmen und ein Haus kaufen: Dann profitieren sie von der Inflation.

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