Allianz : "Sonne, Wind, Aldi"

Allianz : "Sonne, Wind, Aldi"

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Andreas Gruber, Anlagechef der Allianz Leben

von Annina Reimann

Wie Andreas Gruber, Anlagechef der Allianz Leben, aus Immobilien und Ökoenergie Rendite ziehen will.

Herr Gruber, zehnjährige Bundesanleihen bringen 2,5 Prozent Rendite. Ihren Kunden garantieren Sie im Schnitt 3,4 Prozent. Wie wollen Sie die noch verdienen?

Gruber: Auch in der aktuellen Niedrigzinsphase gibt es Anlageklassen mit sehr attraktiven Chancen. Vor allem dort, wo andere Marktteilnehmer zu risikoscheu sind. Das gilt für Unternehmens- und Schwellenländer-Anleihen, für Gewerbeimmobilien und Wind- und Solarparks.

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Wie viel Geld steckt in Wind und Sonne?

Gruber: Knapp eine Milliarde Euro. Wir bauen das im einstelligen Milliardenbereich aus. Mehr geht nicht, denn es bleiben technische Risiken.

Warum sind die Investitionen attraktiv?

Gruber: Sie sind nicht schnell veräußerbar und bieten gegenüber liquiden Wertpapieren einen Renditeaufschlag. Ein Windrad kann ich nicht innerhalb von drei Monaten verkaufen. Das ist auch nicht notwendig, die Verträge unserer Kunden laufen im Schnitt über 25 Jahre. Derartige Investments werden immer wichtiger, denn hohe Zinsen auf Bundesanleihen sehen wir so schnell nicht wieder.

Wie ist Ihre Zinsprognose für zehnjährige Bundesanleihen?

Gruber: In den nächsten drei Jahren dürften die Zinsen auf dem aktuellen Niveau bleiben. Sicher kann die Rendite zeitweise auch auf bis zu drei Prozent klettern. Bis auf Weiteres rechne ich aber nicht mit einem spürbaren Zinsanstieg.

Dann rechnen Sie nicht mit Inflation...

Gruber: Genau. Dafür müsste die Industrie die Preise erhöhen. Den Spielraum haben viele Branchen nicht, Kapazitäten sind nicht ausgelastet. Wer Preise erhöht, verliert Marktanteile.

Investieren Sie in die „PIIGS“-Wackel-kandidaten Portugal, Irland, Italien, -Griechenland und Spanien?

Gruber: Wir prüfen, wo sich Chancen ergeben. Dieses Jahr haben wir keine Schuldpapiere aus Griechenland gekauft, halten aber Anleihen aus Italien und Spanien. In der Summe haben wir in 2010 unseren PIIGS-Bestand reduziert. Das kann sich aber wieder ändern. Im Moment kaufen wir eher Unternehmensanleihen. Da sind die Zinsaufschläge gegenüber Staatsanleihen höher als in der Historie.

Dank niedriger Zinsen konnten Sie bis zu 15 Prozent Kursgewinn auf Anleihen verbuchen, die Sie lange halten – da nehmen Sie sicher respektable Gewinne mit?

Gruber: Nein, das wäre unklug. Wo soll ich das Geld wieder anlegen? Für kurzfristige Kursgewinne verkaufen wir nicht die hohen Zinskupons, die wir uns vor Jahren langfristig sicherten. Im Schnitt liegen die Kupons der von uns gehaltenen Anleihen noch über vier Prozent. Unsere festverzinslichen Anlagen werden durchschnittlich erst in neun bis zehn Jahren fällig.

Mit niedrig verzinsten Bundesanleihen verwässern Sie Ihre Kupons derzeit ordentlich. Kaufen Sie noch Bunds?

Gruber: Ja, aber in der Summe reduzieren wir das Volumen. Tendenziell bauen wir den Bestand an Staatsanleihen ab. Von 150 Milliarden Euro Anlagevolumen bei der Allianz Leben stecken etwa 20 Prozent in Staatsanleihen, das meiste in deutschen und französischen Papieren, ein Teil in höher verzinslichen Schwellenländern.

Setzen Sie auf die Aufwertung der lokalen Währungen?

Gruber: Teils sichern wir uns gegen Währungsschwankungen ab, teils setzen wir auf Aufwertungen. Langfristig müssen viele Emerging-Markets-Währungen aufwerten. Investments sind schwankungsanfällig. Doch uns gefällt, dass besonders asiatische Länder weniger Schulden haben als Industrieländer. Sie haben höheres Wachstum und eine bessere Altersstruktur. Risikoerhöhend wirkt die fragile politische Situation in einzelnen Ländern.

Wie viel Geld der Lebensversicherten investieren Sie in Schwellenländern?

Gruber: Einen mittleren einstelligen Milliardenbetrag. Wir haben keine Zielquote.

Anders bei Immobilien – die Quote wollen Sie von drei auf sechs Prozent erhöhen. Investieren Sie direkt oder über Fonds?

Gruber: Lieber direkt. Derzeit optimieren wir das Portfolio. Für ältere und kleinere Objekte, insbesondere Wohnimmobilien zu Kaufpreisen zwischen 5 bis 10 Millionen Euro, zahlen Investoren mit Inflationsängsten attraktive Preise. Wir sind gern bereit, zu diesen Preisen zu verkaufen. Im Gegenzug wollen wir große Shoppingcenter für 100 bis 200 Millionen Euro kaufen. Da ist die Nachfrage nach der Krise nicht so stark angesprungen. Wir haben Interesse an sehr guten Citycenterlagen.

Wo genau?

Gruber: Tendenziell verkaufen wir in Deutschland und kaufen im internationalen Bereich, vor allem in Euro-Land. Gerade haben wir das Einkaufscenter Porta di Roma in Rom erworben, zwei weitere in Paris, dazu ein Bürohaus in Düsseldorf, 80 Aldi-Süd-Supermärkte und das Bürohaus Triton in Frankfurt. Wir sind Käufer und Verkäufer, in der Summe aber Käufer.

Jüngst erwarben Sie die Konzession für Parkplätze in Chicago. Was kommt noch?

Gruber: Infrastrukturprojekte gefallen uns: Mautstraßen, Flughäfen, Öl- und Gas-Pipelines. Wichtig ist, dass wir langfristig Erträge kalkulieren können.

Vor der Krise hielt die Allianz über 20 Prozent Aktien, nun sind es acht. Wann steigen Sie wieder stärker an der Börse ein?

Gruber: Im Moment ist die Marktentwicklung von politischen Stimmungen, potenziellen Inflationsgefahren und Deflationsbefürchtungen geprägt. Ich gehe von 20 Prozent Schwankung nach oben und unten aus. Fallen die Kurse, prüfen wir den Einstieg intensiv. Im Moment warten wir noch ab.

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