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Alternativbank: Die Noa Bank hat das Vertrauen nicht verdient

von Andreas Toller

Transparenz und einen hohen moralischen Anspruch hat sich die kleine Bank auf die Fahnen geschrieben. Nun darf die Noa Bank keine Geschäfte mehr machen. Kunden können derzeit nur spekulieren, was mit ihren Ersparnissen wirklich passiert.

François Jozic, Gründer und Chef der Noa Bank
François Jozic, Gründer und Chef der Noa Bank
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Nach der Finanzkrise mit all ihren Skandalen um skrupellose Boni-Banker, Zockerbuden, Spareinlagen wie im Casino und mutwillig geprellte Anleger klang die Idee des Noa-Bank-Gründers François Jozic fast schon logisch: Eine Bank, die so transparent ist, dass Kunden immer wissen, was mit ihrem Geld passiert.

Noa-Bank-Kunden sollten sogar mitbestimmen, in welchem Bereich ihr Geld investiert wird: Sie konnten wählen zwischen der Kreditvergabe an regionale Unternehmen, im Bereich Naturschutz und erneuerbare Energien, in das Gesundheitswesen oder in kulturelle und künstlerische Zwecke. Das Geld sollte nur in die Realwirtschaft fließen. Das weckte Hoffnung auf eine bessere Bankenwelt, weckte Sehnsüchte nach einer Welt, in der Geld nur Gutes tut. Spekulationen waren tabu.

Der Traum ist erst einmal geplatzt. Denn die Noa Bank darf zurzeit keine Geschäft mehr machen, nachdem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Bremse gezogen hat.

Schrumpfkur für ein Startup

Die Bank steht still, lediglich die Spareinlagen schwinden, weil Kunden ihr Geld abziehen. Denn schon seit dem 30. April 2010 lehnte die Bank die Eröffnung neuer Tagesgeldkonten ab, seit dem 24. Juni 2010 nimmt das Institut überhaupt keine Kundengelder mehr an, auch nicht von Bestandskunden.

Auch die Eröffnung von Festgeldkonten wurde eingestellt, die hitverdächtigen Lockzinsen auf Tagesgeld senkte die Bank von 2,2 auf 1,5 Prozent. Seitdem holten sich die Kunden von den deponierten 300 Millionen Euro rund 75 Millionen wieder zurück. Nun hat die BaFin der Bank untersagt, Kundengelder anzunehmen und Kredite zu vergeben. Das hat die Aufsichtsbehörde der WirtschaftsWoche bestätigt.

Die Begründung dieser Vorgänge ist indes skurril, bisweilen auch grotesk. Fragwürdig sind die Informationen vor allem deshalb, weil sie im Wesentlichen von François Jozic selbst stammen. Eine Stellungnahme der BaFin fehlt bislang und ist aufgrund der Vertraulichkeit weder üblich, noch zu erwarten.

Ein Mann, eine Bank

Der Gründer Jozic ist zugleich das Gesicht der Bank. Sein Konterfei prangt nicht nur zigfach auf den Internet-Seiten der Bank, sondern auch auf der eigens für Kunden und Interessierte eingerichteten Blog-Seite. Jozic schickte am 24. Juni eine Mail an seine Kunden und informierte auf seiner Blog-Seite. Wortreich schildert er die Argumente der Bankenaufsicht, die skizzierten Probleme und Verhandlungen mit der Behörde.

Die BaFin sei besorgt wegen des Eigenkapitals der Bank, auch Struktur und Verpflichtungen der Banken hätten eine Rolle gespielt. Zudem hätte der enorme Erfolg – 15.000 Kunden in sechs Monaten und eingezahlte Spareinlagen im Volumen von 300 Millionen Euro – dazu geführt, dass den hohen Spareinlagen im Verhältnis zuwenig vergebene Kredite gegenüberstanden.

Die Eigenkapitalanforderungen an die Bank seien daher immer größer geworden. Jozic betrachtet das als unverhältnismäßig und unfair im Vergleich zu den Anforderungen an etablierte Banken.

Sein Blog, der eigentlich der Kundeninformation dienen soll, mündet in einer Verschwörungstheorie: Aus Jozic Sicht ist die Noa Bank ein Opfer ihres Erfolges geworden, weil sie den Zorn des „Establishments“ auf sich zog. Die immer höheren Eigenkapitalforderungen der BaFin stellen sich für Jozic als „verrücktes Szenario“ dar, in seinem Blog stellt er die Frage, ob dunkle Mächte am Werk seien. Die BaFin habe in den Gesprächen Briefe und Anrufe anonymer Urheber sowie Druck von oben erwähnt. Sein Blog enthält auch eine Petition an die Bundeskanzlerin, in der für eine faire Behandlung und Beurteilung des Noa Bank geworben wird, denn das BaFin würde bei der Noa Bank allzu strengere Kriterien anlegen. Die „finanzielle Demokratie“ solle offenkundig verhindert werden. Das klingt wie Dschungelkrieg zwischen Frankfurts Banktürmen, bei der die Kunden der Noa Bank zu Söldnern für eine vermeintlich gerechte Sache gemacht werden sollen. Vor allem aber ist es Sache von Bankchef Jozic.

17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.08.2010, 18:35 UhrAnonymer Benutzer: Anneli von Piotrowski

    Mich würde interessieren, welche der etablierten banken, die Milliarden an Geldern verzockt haben und anschließend nur durch enorme staatliche Unterstützung gerettet werden konnten wie z.b. die HSH Nordbank, ihrer Meinung nach das Vertrauen der Kunden verdienen? Komisch, dass alle Welt offensichtlich den enormen Schaden, den die "Etablierten" mit ihren fragwürdigen Finanzgeschäften verursachten, schon wieder vergessen haben.

  • 12.08.2010, 15:01 UhrAnonymer Benutzer: @ finanzscout

    schön recherchiert. das sind argumente die man in einem solchen magazin erwartet und nicht irgendwelcher sülz aus foren und der "hohe" zinssatz...

  • 07.08.2010, 14:55 UhrAnonymer Benutzer: Finanzscout

    1. Die bildunterschrift bei Herrn J. ist falsch. Er war nie Chef der bank, da er wohl keine Geschäftsleiterqualikation besitzt. Gemäß KWG sind 2 Geschäftsleiter bestellt, die aber wohl nichts zu bestellen haben.... Regulatorisch sehr fragwürdig. Aber das Ego von Herrn J. ist wohl so groß. 2. beim Kauf der bank musste Herr J. und seine Geldgeber einen Geschäftsplan vorlegen und eine Zuverlässigkeitsprüfung durch die baFin über sich ergehen lassen. Warum man dann einen solchen "Geisterfahrer" die Zuverlässigkeit bescheinigt hat, würde mich interessieren. 3. J. widerspricht sich doch selbst. Mit der Refi seiner alten Factoringgesellschaft hatte er wohl Probleme und hat sich in die bank integriert. Ein klarer bruch hinsichtlich des Geschäftsmodells. Diese "tollen" Firmenkunden sind meist kleine, kleinste Unternehmen mit wahrscheinlich sehr schwieriger bonität.
    4. Hände weg von dieser bank solange J. hier maßgeblich sich als "Gut-Mensch" positionieren will auf den alle schon gewartet haben...

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